https://www.faz.net/-gsb-9ivo9

„Kult kennt keine Quote“ : Hunderte demonstrieren in Köln für die „Lindenstraße“

  • Aktualisiert am

Glaubensbekenntnis zu Mutter Beimer: Demonstration gegen die Absetzung der ARD-Fernsehserie „Lindenstraße“ in Köln Bild: dpa

„Wir Fans sind schockiert“: Mit schwerem Herzen und schönen Schildern haben Hunderte Anhänger der „Lindenstraße“ gegen die Absetzung der ARD-Dauerserie nach 35 Jahren demonstriert.

          Rund fünfhundert Menschen haben an diesem Samstag in Köln für die Fortsetzung der ARD-Kultserie „Lindenstraße“ demonstriert. Sie protestierten auf der Domplatte gegen die Entscheidung der Programmverantwortlichen, die Serie nach fast 35 Jahren im März 2020 einzustellen. Auf Schildern standen Sätze wie „Ohne Mutter Beimer ist der Sonntag im Eimer“, „Hansemann, Du bleibst hier“, „Kult kennt keine Quote“ und „Einer für alle, alle für Beimer“.

          Die vom WDR verantwortete Serie läuft seit 1985 immer sonntags im Ersten. Sie lockte in ihrer Frühzeit mehr als zehn Millionen Zuschauer an, auch durch die Spannung erzeugenden „Cliffhanger“ am Ende jeder Folge. Bei der Bekanntgabe der Absetzung hatte die ARD im November sinkende Quoten und zu hohe Kosten als Begründung genannt. Brancheninformationen zufolge kostet eine Folge „Lindenstraße“ knapp 190.000 Euro, aufs Jahr gerechnet wären dies etwa acht Millionen Euro.

          Dafür hat Jörg Flöttl aus Nürnberg, einer der Organisatoren der Kölner Demonstration, kein Verständnis. „Die öffentlich-rechtlichen Sender haben den Auftrag, an der individuellen und öffentlichen Meinungsbildung mitzuwirken“, sagte er. „Den haben sie nicht zuletzt auch mit der ’Lindenstraße’ erfüllt. Da wurden jeden Sonntag gesellschaftlich relevante Themen aufgegriffen. Wir Fans sind schockiert.“

          Ähnlich äußerte sich André Weber aus Köln, der einen „Lindenstraßen“-Fanclub gegründet hat. „Wir treffen uns neun Mal im Jahr“, sagte er. Es seien Freundschaften fürs Leben entstanden. „Und die Schauspieler sind für mich wie Familienangehörige.“ Zahlreiche Demonstranten sind wie Weber seit der ersten Folge mit dabei.

          Axel Weiß aus Bad Pyrmont hat nach eigenen Angaben alle Folgen gesehen. Nur eine habe er live verpasst: die Folge, in der Carsten Flöter seinen Freund geheiratet hat. „Das war der 27.7. 1997“, erzählte Weiß. „Den Tag vergesse ich nie. Da habe ich nämlich meinen Freund geheiratet.“ Zum Abschluss der Kundgebung holten die Teilnehmer den traditionellen „Lindenstraßen“-Silvestertanz nach, der im vergangenen Jahr ausgefallen war.

          Weitere Themen

          Mäßig begeistert

          Die Netflix-Serie „Dschinn“ : Mäßig begeistert

          Lampenfieber: Mit „Dschinn“ hat Netflix seine erste arabischsprachige Serie produziert. Sie verlässt sich eher auf bewährte Universalkonzepte als auf regionale Anknüpfungspunkte.

          Wer ist der Mensch hinter „Der Herr der Ringe“? Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Tolkien“ : Wer ist der Mensch hinter „Der Herr der Ringe“?

          Im Biopic „Tolkien“ erfährt der Zuschauer, woher der Schöpfer von „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ seine Ideen für die weltbekannten Mittelerde-Romane nahm. Tilman Spreckelsen hat den Film bereits gesehen – und ist nicht ganz überzeugt.

          Topmeldungen

          Mordfall Lübcke : Die Falle der AfD

          Die AfD ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. Die Krokodilstränen über den Tod eines Repräsentanten des „Systems“, das sie aus den Angeln heben will, kann sie sich sparen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.