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Horrorserie „The Strain“ : Tollwütige Zombies in fliegender Kiste

  • -Aktualisiert am

Grusel in der Kiste: Die Seuchenexperten finden Fürchterliches. Bild: AP

Ein Killervirus, Untote und obendrauf noch eine fette Verschwörung: Die amerikanische Serie „The Strain“ will den ganzen Horror. Die „Zompires“ verbreiten atemberaubende Spannung.

          Es ist ein unheimlicher Anblick, der sich den herbeigestürmten Sicherheitsleuten vom Center for Disease Control (CDC) in einem Flugzeug bietet, das in Berlin gestartet ist und nun in New York auf dem Rollfeld steht: Passagiere und Besatzung sind tot. Anzeichen eines Kampfes oder von äußerer Gewalt sehen die Leute in den Schutzanzügen nicht, hier muss ein Virus gewütet haben - und was für einer. Er ist nämlich dem Kopf des mexikanischen Filmemachers Guillermo del Toro entsprungen. Dessen Werke - zum Beispiel „Pans Labyrinth“, eine düstere-märchenhafte Kriegsparabel, oder „Hellboy“, die farbenfrohe Adaption des gleichnamigen Comics - sind oft große Wunderkisten der Phantasie, und sein neuer Fernsehthriller „The Strain“ ist das auch. Del Toro, selbst ein Fan von Gruselgeschichten, vereint lustvoll Versatzstücke aus dem Horror-Genre zu einem unterhaltsamen Thriller. Nein, mit dem Virus ist es noch lange nicht getan.

          Denn vier Menschen an Bord der Geistermaschine leben noch, wie der CDC-Experte Dr. Ephraim Goodweather (Corey Stoll, der in „House of Cards“ Kevin Spaceys erstes Opfer spielte) und seine Kollegin und Liebhaberin Nora Martinez (Mía Maestro) schockiert feststellen. Man steckt die Überlebenden umgehend in Quarantäne, und während die Untersuchung des seltsamen, wurmförmigen Virus beginnt, mit dem sie infiziert sind, verschwinden die Leichen der restlichen Passagiere. Wie sich herausstellt, sind diese nämlich eher untot als tot. Und so hat es böse Folgen, als ein von Trauer zerfressener Vater seine fünfjährige Tochter, die des Nachts plötzlich wieder vor der Tür steht, schluchzend in die Arme schließt.

          So viel sei verraten: Das Virus ist ein vampirischer Agent, der mit den verlangend Schmachtenden neuerer Vampirstorys allerdings nichts gemein hat. Del Toros Vampire sind so unsexy wie Ridley Scotts sabberndes Monster aus „Alien“ und mindestens ebenso furchterregend.

          Im Kampf mit dem Virus:  CDC-Experte Dr. Ephraim Goodweather (Corey Stoll) und seine Kollegin und Liebhaberin Nora Martinez (Mía Maestro)

          Zumindest zu Beginn scheint niemand mitzukriegen, dass die vom Virus Befallenen blutrote Augen bekommen und sich eher wie Zombies denn wie Menschen verhalten („Zompires“ nannte die Zeitschrift „Entertainment Weekly“ die Virus-Opfer) - ein Genre-Handgriff, der die Zuschauer zum Zittern um die Ahnungslosen auf dem Schirm bringen soll. Aus demselben Grund ist im Horrorfilm immer das Licht im Keller kaputt.

          In del Toros Serie sind indes noch andere Kräfte am Werk - etwa der todkranke Milliardär Eldritch Palmer (Jonathan Hyde), dem seine eigene Unsterblichkeit allerlei Pakte mit dem Teufel wert sind. Und dann bewegt sich eine in höchsten Kreisen inszenierte Verschwörung aus den Schatten, die den Geisterflug mit einer Kohlenmonoxid-Katastrophe erklärt - was dazu führt, dass die vier Überlebenden des Virus-Fliegers aus der Quarantäne entlassen werden. Den armen Goodweather treibt das schier in den Irrsinn, dabei leidet er (oder besser: seine Umwelt und vor allem seine Familie) ohnehin schon unter seinem hitzigen Temperament.

          Einzig der betagte Professor Abraham Setrakian (David Bradley), ein Holocaust-Überlebender, vermag hinter die Kulissen der Ereignisse zu blicken. Dort zeichnet sich eine epische Schlacht mit zahlreichen interessanten Nebenfiguren ab - darunter der Kammerjäger Vasily Fet (Kevin Durand), der Trickbetrüger Crispin (Francis Capra) und der divenhafte Goth-Rocker Gabriel Bolivar (Jack Kesy), einer der Überlebenden des Flugs, dessen Sex- und Drogensucht unter dem Einfluss der Virusinfektion ganz neue Züge annimmt.

          Schon 2006 wollte del Toro aus seiner saftigen Horror-Verschwörung eine TV-Serie machen, konnte aber damit bei den Sendern nicht landen. Stattdessen entschloss er sich, die Geschichte gemeinsam mit dem Schriftsteller Chuck Hogan als Roman-Trilogie zu veröffentlichen. Jetzt adaptierten die beiden zusammen mit Carlton Cuse („Lost“) das Stück für den Fernsehsender FX, wo nun zunächst eine dreizehnteilige erste Staffel zu sehen ist. Sollte sie erfolgreich sein - die Zuschauerzahlen nach den ersten zwei Folgen konnten sich sehen lassen, und FX prognostiziert bereits seinen besten Drama-Serienstart aller Zeiten -, hat man sich darauf verständigt, aus dem Ganzen ein Werk von drei bis fünf Staffeln zu machen. Bis dahin müssen Goodweather und seine Leute die Plage geschlagen haben - oder die Welt den „Zompires“ anheimgefallen sein. Wir freuen uns schon darauf.

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