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Staffelenden von Fernsehserien : Es könnte auch ganz anders sein

Wer weiß schon, ob es wirklich so kommt: Richard Dormer als Beric Dondarrion in einer Szene der sechsten Folge der siebten Staffel von „Game of Thrones“. Bild: dpa

Man soll nicht nur den Anfängen wehren, sondern auch den Enden. Jedenfalls wenn sie, wie im Fall der siebten Staffel von „Game of Thrones“, zu früh verraten werden. Jetzt hat der Fernsehsender eine Idee. Mindestens.

          Anfänge mögen zauberhaft sein, aber entscheidend ist doch meist das Ende – zumal bei Büchern, Filmen und Serien. Daher wachen die Verantwortlichen meist streng darüber, dass nichts verraten wird. Eine Hacker-Truppe namens „Mr. Smith“ hat dem Fernsehsender HBO im August jedoch einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Neben einigen Interna stellten die Hacker unveröffentlichte Folgen und Skripte der Serie „Game Of Thrones“ ins Netz, in denen das Ende der siebten Staffel verraten wurde.

          Wenn es stimmt, was der Programmdirektor von HBO, Casey Bloys, in dieser Woche mitteilte, greift der amerikanischer Sender nun auf einen alten Trick zurück: Bloys kündigte an, sein Sender werde bei der achten Staffel des wechselwarmen Gemetzels alle in die Irre führen. „Ich weiß, dass sie vom Ende in ,Game Of Thrones‘ verschiedene Versionen drehen, so dass keiner wirklich weiß, was passiert.“ Auf die Frage nach dem Ende dürfe es bis zum Schluss „keine definitive Antwort geben“. Ob das wirklich der Fall ist oder nur eine geschickte PR-Riposte, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Jedenfalls ist diese Verwirrungsstrategie nicht ganz neu.

          Erzählen Sie das nicht herum

          Schon bei Serien wie „Dallas“, den „Sopranos“, „Breaking Bad“ oder „The Walking Dead“ sollen die jeweiligen Sender mehrere Enden produziert haben. Die Frage ist nur: Sind dann alle Enden gleich plausibel? Denn vielleicht ist auch alles ganz anders, und Bloys kündigte stattdessen an, sein Sender wolle die Hacker bei ihrer Ehre packen und fordere die Verräter zu einem Zweikampf auf dem Dach der Firmenzentrale in New York heraus. Dazu solle jede Seite einen Champion und die Waffe ihrer Wahl vorschlagen. HBO bat jedoch ausdrücklich darum, von allzu plötzlichen Wiederauferstehungen – „wer einmal liegt, der bleibt auch liegen“ – sowie Giftanschlägen abzusehen.

          Nein, vergessen Sie das, vielleicht kommt es nämlich so: Bloys kündigte an, sein Sender wolle das gesamte Hacker-Kollektiv zu einer Zeremonie der Versöhnung einladen. Nicht zuletzt aufgrund der angespannten Weltlage wolle man ein Zeichen gegen Hass und Entzweiung setzen. Dazu wolle man eine symbolische Hochzeit zwischen einem HBO-Angestellten und dem „König der Datendiebe“ ausrichten, zu der alle beteiligten Hacker sowie deren Gefolge herzlich eingeladen seien.

          Aber erzählen Sie das nicht herum, sonst gilt die vierte Variante: Bloys kündigte an, der Sender werde schreckliche Vergeltung üben und eine Armee von Untoten auf die Welt loslassen, die sich Gerüchten zufolge seit langem hinter den eisigen Kellermauern der New Yorker Firmenzentrale des Senders herumtreibt. Die Nachtschicht der New Yorker Polizei erklärte indes, man habe das Phänomen schon seit längerem beobachtet, habe allerdings zu wenig Personal. Sie appellierten daher an den amerikanischen Präsidenten, sich mit den Chinesen zusammenzutun. Das CIA vermutet bereits seit langem, dass China im Besitz von mindestens drei Drachen ist. Das müssen Sie jetzt aber wirklich für sich behalten.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

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