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Hannelore Hoger im Gespräch : Ich stehe auf der Erde, dies ist mein Standpunkt

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„Ich finde, ich habe sie nun lange genug gespielt“: Hannelore Hoger verabschiedet sich so langsam von „Bella Block“ Bild: dpa

Seit knapp zwanzig Jahren spielt Hannelore Hoger im ZDF die Figur Bella Block. Doch damit ist bald Schluss. Über neue Pläne, kleine Rollen und den Vorsatz, niemandem Macht über sich einzuräumen.

          Wann hatten Sie zum ersten Mal den Wunsch, Schauspielerin zu werden?

          Als ich in der Schule gefragt wurde, da war ich fünfzehn, habe ich zum Oberstudienrat gesagt: Ich will Schauspielerin werden. Ich habe mich bei der Schauspielschule von Eduard Marx an der Musikhochschule vorgestellt. Der meinte, ich müsse warten, bis ich siebzehn bin. Bis dahin ging ich auf die Handelsschule und lernte Steno. Mit siebzehn war ich auf der Schauspielschule, und danach hatte ich mein erstes Engagement.

          Es heißt, Sie hätten mit fünf auf der Bühne gestanden.

          Das ist ein Gerücht. Als kleines Mädchen war ich bei meinem Vater oft im Theater. Aber die erste Rolle habe ich erst mit fünfzehn gespielt.

          Sie haben als Kind auf der Straße gespielt und laut gesungen. Ihre Schwester hat gemalt.

          Ja, meine Schwester hat die Straßen bemalt. Sie ist später tatsächlich Malerin geworden. Ich mochte gern „Geschichtenball“. Da musste man Geschichten erfinden, und wenn der Ball runterfiel, kam der Nächste dran und musste die Geschichte weiterspinnen.

          Viel verdanken Sie Ihrer Mutter.

          Meine Mutter war eine phantasievolle, couragierte Frau und eine sehr liebevolle Mutter, die sich immer schützend vor ihre Kinder gestellt hat.

          Ihr Elternhaus war nicht materiell reich, aber frei im Geist, sagten Sie.

          Meine Eltern waren liberal, aber nicht reich. Mein Vater war Inspizient am Theater und übernahm kleinere Rollen. Meine Mutter war Schneiderin aus einer Gärtner- und Imkerfamilie. Sie hatte neun Geschwister. Nach der Inflation war die Arbeitslosigkeit sehr groß. Wir Kinder mussten später alle unser Studiengeld selbst verdienen.

          Mit Statussymbolen kann man Ihnen nicht kommen. Womit kann man Sie beeindrucken?

          Mit Freundlichkeit. Ich weiß gar nicht, was Sie mit Statussymbolen meinen. Ich habe eine schöne Wohnung. Früher wohnte ich zur Untermiete. Später bin ich mit einem Freund zusammengezogen. Da wohne ich immer noch - ohne Freund (lacht).

          Wenn ich Ihre Interviews richtig verstehe, empfinden Sie die Liebe als größte Antriebskraft des Menschen.

          Ja. Jeder Mensch will geliebt werden. Wenn man jemanden liebt, will man auch, dass es dem anderen gutgeht. Damit wäre vielen Konflikten schon die Spitze genommen.

          Macht heißt es, mache sexy.

          Mich beeindruckt kein Mann, der Macht hat. Wenn Macht in Liebesbeziehungen eine Rolle spielt, dann stimmt etwas nicht, dann verschieben sich leicht die Gründe, warum man zusammen ist oder bleibt. Es gibt ja Leute, die lassen sich scheiden, weil der eine mehr und der andere weniger verdient.

          Können Sie besser mit Männern oder mit Frauen umgehen?

          Es gibt Frauen, auch Kolleginnen, mit denen kann ich sehr gut umgehen. Bei anderen spürt man die Konkurrenz. Ich kann das nicht generalisieren. Ich bin gerne mit Männern zusammen. Nur mit Frauen - das würde mir nicht zusagen. (lacht)

          Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrer Tochter Nina? Sie ist auch Schauspielerin.

          Wir haben schon öfter zusammengespielt, und das ging immer sehr gut. Ich würde gern mit ihr eine Inszenierung machen auf dem Theater. Davor ist sie immer ein wenig zurückgeschreckt. Wir haben ein gutes Verhältnis. Ich habe meiner Tochter den Beruf nicht empfohlen. Sie hat früh erlebt, dass das kein Job ist, ich immer dafür hart arbeiten musste und wenig Zeit hatte. Den Beruf muss man wollen. Aber das gilt für jeden Beruf.

          Unterrichten Sie auch Schauspiel?

          Ich habe keinen Unterricht gegeben, weil ich die Verantwortung nicht übernehmen wollte. Lehren ist nicht so einfach. Ich selbst habe den berühmtesten Lehrer, Lee Strasberg, kennengelernt. Da wird man bescheiden.

          Was haben Sie von Ihren Regisseuren mitgenommen, von Peter Beauvais, Peter Zadek, Augusto Fernandes, Hans Lietzau, Egon Monk, Kluge, Reitz ...

          Alles. Peter Zadek hat mich sehr früh bestärkt, und dadurch habe ich Anerkennung und Selbstbewusstsein bekommen. Es gab auch Leute, die mich nicht mochten. Aber das habe ich ausgehalten. Ich bin daran nicht zerbrochen.

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