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„Magnum P.I.“-Remake bei Vox : Halten Sie jetzt bitte mal den Schnauzer

Ist abgesehen vom Fahrzeug nur noch in dezenten Farben unterwegs: Thomas Magnum (Jay Hernández). Bild: CBS

Glatt rasiert und flott unterwegs: Von allen möglichen Serien ist ausgerechnet „Magnum P.I.“ aus der Versenkung geholt worden. Im Remake prallen Fernsehkonzepte aus vier Jahrzehnten aufeinander.

          2 Min.

          Um Himmels Willen. AC/DC, Luxuskarossen, aufgeknöpfte Hawaiihemden und Faustrecht – „Magnum“ ist (in Amerika schon länger) zurück und man fragt sich verängstigt: Darf man die Serie, die nun in Deutschland startet, angesichts ihrer vordergründigen Verkaufsmerkmale im Jahr 2019 eigentlich noch guten Gewissens gucken? Denn das Argument, „es ist ja bloß Fernsehen“, gilt auf vielen Ebenen nicht mehr oder immer nur dann, wenn es der eigenen Ansicht gerade nicht im Weg steht.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Das schöne an diesem Remake, in dessen Vorlage Tom Selleck von 1980 bis 1988 162 Episoden lang einen Privatdetektiv auf Hawaii spielte, ist, dass es sich dieser Tatsache nicht nur bewusst ist, sondern sie offensiv angeht. Anders als vergleichbare Wiedervorlagen von „MacGyver“ oder „Lethal Weapon“ nimmt man das Ganze mit einem hybriden Humor, irgendwo zwischen der liebenswürdigen Tapsigkeit seines Vorgängers und den selbstreferentiellen Gags, die heute eben üblich sind. Obwohl Peter M. Lenkov, der zusammen mit Eric Guggenheim (beide arbeiteten an „Hawaii Five-0“) als Produzent fungiert, auch für den neuen „MacGyver“ zuständig ist.

          Trotzdem ist man als Zuschauer in den ersten zehn Minuten unsicher, ob sie es mit diesem neuen „Magnum“-Format nicht vielleicht doch übertrieben haben: Da springt jemand mit dem Codenamen „White Knight“ und einem Fallschirm zu AC/DCs „Thunderstruck“ aus dem Weltall, landet in Nordkorea vor einem muhenden Rind, rettet eine Dissidenten-Familie in einer schrottreifen Klapperkiste und lässt mit einem Schuss in den Reifen das Verfolgervehikel explodieren, als wäre es eine alte Folge des „A-Teams“.

          Eine Fernsehserie, wie wir sie überwunden zu haben glaubten

          Und gerade, als man sich langsam an den Kopf fasst, weil immer noch die Möglichkeit besteht, dass das hier bierernst ist, friert das Bild ein, Schnitt, und wir sehen, dass Theodore „TC“ Calvin (Stephen Hill) aus dem Buch des Journalisten und wie im Original weiterhin unsichtbaren Schriftstellers Robin Masters vorliest und sich ebenfalls an den Kopf fasst. Aus dem Off stellt Thomas Magnums (Jay Hernández) Synchronstimme (Dennis Schmidt-Foß) nun sich und seine weiteren Veteranen-Freunde vor, die gemeinsam im Irak dienten. Neben TC sind das Orville „Rick“ Wright (mit hineingeschnittenen Archiv-Bildern der Brüder Wright wird illustriert, warum er am liebsten nur Rick genannt wird) und Sebastian Nuzo (Domenick Lombardozzi). Dann kommt endlich Higgins, Hausmeister von „Robin’s Nest“, wo Magnum residiert – fast ebenso vorhersehbar wie wundervoll gespielt von einer Frau: Perdita Weeks im Yoga-Outfit statt in kolonialer Khaki-Uniform, natürlich flankiert von Zeus und Apollo, den beiden Dobermännern, die schon Tom Sellecks Magnum zum Fressen gern hatten.

          Schnell wird klar: „Magnum“ ist eine Fernsehserie, so wie wir sie aus den Neunzigern kennen und überwunden zu haben glaubten. Aus der Kern-Zielgruppe der großen Video-Portale würde sie vermutlich niemand anwählen, der das Original nicht kennt. Die Folgen sind trotz eines übergeordneten Handlungsstrangs abgeschlossen und entwickeln manchmal einen so irren Schneeballeffekt, dass man meint, es lese wieder jemand aus den Werken von Robin Masters. In der zweiten Folge muss Magnum erst einen teuren Thunfisch finden, der ihn zu einer Geiselnahme führt, die ihn mit einem international gesuchten Terroristen zusammenbringt.

          Dennoch ist es auf eine unterhaltsame Weise so hanebüchen und kurzweilig und die Sätze der Figuren – „Na schön, da wären wir“ – wirken in der deutschen Fassung so krachledern, als hätte Karl-Heinz Köpcke zuvor gerade die „Tagesschau“ moderiert. Trotz Hernández’ glattem Oberkörper und Gesicht sowie dem neuen Ferrari 488 Spider (er probiert den Schnauzer nur in einer Rückblende und fährt den alten Ferrari 308 GTS gleich wieder zu Schrott) ist zu spüren, wie in der Serie Ansätze der Fernsehserien-Konzeption aus vier Jahrzehnten aufeinanderprallen. Extra einschalten würde man es nicht, aber hängenbleiben würde man doch – einfach weil es so herrlich knirscht.

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