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Neue Seifenoper „Mila“ bei Sat.1 : In 287 Tagen soll ihr Leben ein anderes sein

  • -Aktualisiert am

Mila (Susan Sideropoulos) will nicht nach Sylt. Lieber schlägt sie sich als freie Journalistin in Berlin durch. Bild: Sat.1

In der drolligen Seifenoper „Mila“ drückt Sat.1 das letzte bisschen Luft aus dem Berlin-Hype: Protagonistin der unterhaltsamen Serie ist eine Nachwuchsjournalistin auf der Suche nach dem Liebesglück.

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          Es ist nicht auszuschließen, dass es ein Traum ist, für das knatschbunte „Heart Magazine“ arbeiten zu dürfen. Zwar ist die Chefin so überreizt, wie das Zeilenhonorar unterirdisch ist, der Erwartungsdruck der Investoren ist groß, die Weihnachtsfeier fiel aus, und das Festangestellten-Dasein „mit Rentendingsdabums“ bleibt für die Flachpfeifen der Generation Rudi und Uwe reserviert - Männer, denen Marken und Models vertrauen.

          Aber, hey: Das ist Berlin. Mila will nicht nach Sylt. In anderen Läden wird gar nichts gezahlt. Außerdem macht dieser Beruf ja schon Spaß, solange man nicht auf die Idee kommt, den Traum vom Schreiben mit dem Traum von einer festen Beziehung oder gar den Widrigkeiten des Alltags mit Kindern verbinden zu müssen. Die einzige Voraussetzung besteht darin, die verräterischen Willkommensgesten auszublenden, mit denen die Chefin des Online-Magazins schon die nächste blutjunge Schreiberin ins Hamsterrad lockt, als Social-Media-Redakteursstellen-Dauervertretung. Ausblenden konnte Mila, Mitte dreißig, bis vor kurzem recht gut.

          Die Resterampe des Heiratsmarktes

          In der romantischen Komödie „Mila“, einer routiniert produzierten Vorabendserie, mit der Sat.1 an die erfolgreicheren Zeiten von Formaten wie „Verliebt in Berlin“ und „Anna und die Liebe“ anknüpfen will, gerät das Single-Leben der ewigen Nachwuchsjournalistin Mila allerdings schneller aus den Fugen, als ihre todesmutig in die Maschine gehämmerten App-Rezensionen geliked werden könnten.

          Susan Sideropoulos mimt Mila als Seelenverwandte von Bridget Jones (versteckter Gag in Folge zwei: Es gibt türkische Pizza zum Frühstück). Ihre Irgendwas-mit-Medien-Schaffende ist ein trotziger Tolpatsch mit Schmollmund, eine Tochter aus bürgerlichem Haus, die anders sein will als die anderen, vielleicht sogar anders ist - und doch nicht umhinkommt, in der mütterlichen Warnung vor der Resterampe des Heiratsmarktes einen Funken Wahrheit zu finden.

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          Lerne: Frauen, die auf dem WG-Sofa abwechselnd ihre Mitbewohnerinnen und den Stoffkoala umklammern und zu Übersprungshandlungen neigen, wenn sie von schwangeren Frauen verfolgt werden, sind für Gender-Diskussionen nur noch bedingt zu gebrauchen. Oder täuscht man sich da? Der Sender sprach beim Drehstart im Juni von einer „starken, modernen Frau“ mit „enormem Identifikationspotential“.

          Es regnet Konfetti

          Und immerhin nimmt Mila die Kreativhauptstadt Berlin als Gentrifizierungshölle wahr, in der sich die Singer-Songwriter-Kumpelinnen von einst („Ich bin einfach zu feminin für so ein Leben“) dem meistzahlenden Burschenschaftsbanker unterworfen haben; sie kleistern die Wohnviertel mit Geld und Sekt zu.

          Das hat, weil es das letzte bisschen Luft aus dem Berlin-Hype rausdrückt, ebenso seinen Charme wie das Versprechen, das Mila beim investigativ-journalistischen Einsatz im Coaching-Milieu aus dem Mund flutscht. Aufgewühlt durch die Nachricht, dass ihre kleine Schwester bald heiraten wird, ein kreuzbraves Mädchen mit dem Zögling eines Schönheitschirurgen im Schlepptau, will sie in den verbleibenden 287 Tagen bis zur Hochzeit das eigene Liebesglück finden. Es regnet Konfetti, Freundin Sally ist baff und berührt.

          Wobei ein erster Kandidat, ein sexsüchtiger Hugh-Grant-Verschnitt, Mila bereits einen glitzernden Schuh hinterherträgt wie Aschenputtels Prinz. Das ist zum Auftakt ein nettes Detail, der unter Chefautor Jan Friedhoff entstandenen Seifenoper mangelt es nicht an unterhaltsamen Einfällen, und manche Dialoge der ersten Folgen sind durchaus gewitzt. Gut beraten durch eine Musikjournalistin, wird dazu im Hintergrund gediegene Melancholie von Künstlerinnen wie Sia oder Katy Perry eingespult: „I didn’t feel the fairytale feeling, no. Am I a stupid girl. For even dreaming that I could.“ Wahrscheinlich kann man bei „Mila“ sogar kochen.

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