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„Die letzte Welle“ bei ZDFneo : Das Wetter muss verrückt sein

  • -Aktualisiert am

Spielen die Surfer, die entschlossen sind, gegen eine Wolke zu kämpfen: Jordy Grembre, Marie Dompnier, Roberto Calvet, Théo Christine, Paul Duvignau (von links). Bild: ZDF und Christophe Brachet

Seichte Gewässer: In der französischen Mystery-Serie „Die letzte Welle“ werden Surfer von einer düsteren Wolke verschluckt.

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          Ohne diese Wolke am Himmel wäre das kein schlechtes Leben in Brizan am Atlantik: Ben Lebon (David Kammenos) könnte sich bei seinen morgendlichen Kraulschlägen im Meer von der Arbeit als Lehrer erholen. Der Therapeut Faust (Guillaume Cramoisan) würde sich weiter mit seiner Geliebten vergnügen. Der Bauunternehmer Julien (Arnaud Binard) hätte beim Gedanken an sein Großprojekt, ein ökologisch tipptopp gebautes Wohngebiet, keine Kopfschmerzen. Und selbst Max (Roberto Calvet), Vizeweltmeister im Surfen, wäre ohne die Wolke zwar nicht unbedingt glücklich, weil er ein Seelenverwundeter ist. In seiner Strandvilla aber, umgeben von kichernden Bikini-Schönheiten, würde er entspannt auf den nächsten Auftritt in Kapstadt warten.

          Allein: Die Wolke ist da. Bereits zum Auftakt der französischen Serie „Die letzte Welle“ hängt sie über dem Wasser wie die rotationsbereite Bürste einer Autowaschstraße. Der kleine Thomas (Gaël Raes), putziges Söhnchen des Bauunternehmers und als solches überdeutlicher Hinweis dafür, dass wir uns auf Mystery-Fernsehen einstellen müssen, entdeckt sie als einer der Ersten und piepst: „Vielleicht ist sie ja verzaubert.“

          Von den Erwachsenen ist nur Ben beunruhigt, der die Wolke vom Wasser aus sah und von einer sonderbaren Strömung erfasst wurde. Die anderen fiebern einer Surf-Veranstaltung entgegen, auf die sich der ganze Ort freut. So ist das nun mal: Wenn die Wetter-App nicht vor einem Unwetter warnt, wird die fette Wolke über dem Meer schon nichts bedeuten. Als Bauern und Fischer wären wir alle verloren.

          „Die letzte Welle“ punktet allein in der Synopsis

          Beim Surf-Treffen, auf dem zehn Dorfbewohner gemeinsam mit Max die Wellen durchreiten dürfen, passiert es dann doch. Die Wolke senkt sich, dampft, brodelt und rollt. Sie verschluckt jeden, der sich ins Wasser gewagt hat. Aber sie bringt die Surfer, oh Wunder, doch nicht ums Leben. Als sei nichts geschehen, stehen die Vermissten Stunden nach ihrem Verschwinden wieder in der Brandung, um sich in gleißendem Endzeit-Gegenlicht von ihren Liebsten umarmen zu lassen. Sie haben keine Erinnerung an das Geschehen, merken aber am nächsten Tag, dass sie die Begegnung mit Wolke und Meer verändert hat. Mathieu (Théo Christine) etwa, Filius des Strandtherapeuten und Freund von Bens Tochter Yaël (Capucine Valmary), hat zur Freude einer lädierten Taube nunmehr heilende Hände.

          Von dem Regisseur Rodolphe Tissot, der das Drehbuch von Alexis Le Sec und Raphaëlle Roudaut zum Leben zu erwecken versuchte, kann man das nicht behaupten. Aus Frankreich kamen schon ordentliche Mystery-Serien wie das mit dem Emmy gekrönte Drama „Les Revenants“, in dem Tote ins Leben zurückkehrten, oder unlängst „Die Frau aus dem Meer“ mit Laetitia Casta als Nixe. „Die letzte Welle“ (der Titel ist identisch mit einem Film von Peter Weir, der 1977 von unerklärlichen Wettervorkommnissen in Australien erzählte) punktet allein in der Synopsis.

          Die Serie leidet darunter, dass selten eine bedrohliche oder zumindest doch flirrende Atmosphäre entsteht. Sie führt die Figuren zu unbedacht ein, indem sie zu schnell zu viel will. In fast allen Familien scheint schon vor Ankunft der Wolke ein Drama gespielt zu haben, fast alle Gesichter sind angespannt oder gar leer. Und Fernsehhelden-Charme besitzt nicht einmal Lehrer Ben, der die Wolke im Unterricht auf menschliche Eingriffe in die Natur zurückführt und sie bei nächster Gelegenheit mit einem Wetterballon zu erkunden sucht. Fast sämtliche Figuren bis hin zum kleinen Thomas, der uns besonders bewegen soll, bleiben einem gleichgültig.

          Das können Drohnenaufnahmen von Menschen im Meer, voll aufgedrehte Nebelmaschinen am Strand, Phantasien von einem Urlaub außerhalb Güterslohs und abermals losrollende Wolkenwände nicht rausreißen. Zwei Folgen gab ZDFneo zur Sichtung vorab frei. Dass die „Die letzte Welle“ danach gehaltvoll bricht, ist wenig wahrscheinlich.

          Die letzte Welle, an diesem Freitag um 22 Uhr bei ZDFneo.

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