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„Family Guy“ & „The Simpsons“ : Lasst uns Emmys schmeißen

  • -Aktualisiert am

Groß waren die Erwartungen nach der Ankündigung des Senders Fox, ein Crossover der beiden erfolgreichen Serien „Family Guy“ und „The Simpsons“ auszustrahlen - und sie wurden nicht enttäuscht.

          „Eines der faszinierend verrücktesten Dinge, die je im Fernsehen geschahen“, nannte das Wochenmagazin „Entertainment Weekly“ die fieberhaft erwartete Crossover-Episode von „Family Guy“ und „The Simpsons“, die jetzt bei Fox lief. Zum Auftakt der 13. Staffel von „Family Guy“ gerät Peter Griffin mit seiner Familie auf einem forcierten Roadtrip nach Springfield, um dort die Bekanntschaft von Homer Simpson und seiner Bande zu machen und sich mit ihm die epische Schlacht zu liefern, die sich Fans der beiden erfolgreichsten amerikanischsten Animationsserien von dem Zusammentreffen erwarteten.

          Seth MacFarlanes „Family Guy“ um einen pummeligen Mittelschicht-Trottel und seine Mischpoke gilt schließlich alternativ als schamlose Kopie von Matt Groenings „The Simpsons“  - oder aber als scharfkantigeres Erwachsenen-Cartoon, die einer alternden, in 25. Staffel laufenden Kultserie den Rang abläuft. Seit also die Idee publik wurde, die Figuren der zwei Fox-Serien zu einem Showdown zusammenzubringen, galt das Stück als eines der Fernsehereignisse des Jahres.

          Das Duell ließ kaum etwas zu wünschen übrig. Mit cleverer Selbstbezüglichkeit deklinierte die einstündige Episode die Facetten der vermeintlichen „Fehde“ zwischen den Shows durch, um schließlich in einem ausgedehnten, ach was: lächerlich überzogenen, acht Minuten dauernden Kampf zwischen Homer und Peter zu gipfeln, in deren Folge unter anderem das Atomkraftwerk von Springfield zu Bruch geht und die Brauerei von Quahog schließen muss.

          Springfield ist überall

          Und das alles, weil Peter Griffin zu Beginn Karriere als Cartoonist macht und mit frauenfeindlichen Witzen (MacFarlanes Spezialität) einen Entrüstungssturm auslöst, vor dem die Familie aus dem heimatlichen Quahog flüchtet – nach „Springfield“, wie ein Schild am Straßenrand verkündet. „In welchem Bundesstaat sind wir?“ fragt Stewie, das sinistre Baby der Griffin-Familie, woraufhin Brian, der intellektuell anspruchsvolle Hund, antwortet: „Ich glaube nicht, dass wir das verraten dürfen.“ Groening schweigt seit 25 Jahren beharrlich darüber, wo sein Springfield – ein verbreiteter amerikanischer Städtename - zu verorten sei.

          Richard Appel, der „Family Guy“-Showrunner, der einst vier Staffeln lang für die „Simpsons“ schrieb und die Idee gebar, präsentiert ein gerütteltes Maß an Kommentaren, Persiflagen und Seitenhieben auf die Kreise, die die beiden Autoren mit ihren Schöpfungen in der amerikanischen Popkultur gezogen haben.  Ableger-Figuren aus Groenings “Futurama“ und MacFarlanes „Cleveland Show“ dürfen sich in geistreichen Kurzauftritten verneigen, Bob Belcher aus „Bob´s Burgers“, einer jüngeren Kult-Cartoonserie, taucht in einer Sequenz neben Homer und Peter in einem Flugzeug auf,  „weil er sich allein nicht in der Luft halten kann“, wie Peter Griffin erklärt.

          Stewie und Bart

          Bart Simpsons Lieblings-Trotzausruf, „Eat my shorts!“ bekommt in einer Szene, in der der Springfields Schulhoftyrann Nelson dem rachsüchtigen Stewie in die Finger gerät, einen neuen Rahmen, und im Streit um die Lieblingsbiermarken der beiden Hauptfiguren spitzt sich schließlich der Rivalitäts-Mythos um die beiden Shows zu, demzufolge MacFarlane Groenings Vorlage schlicht abkupferte und mit gezielt anstößigen und politisch inkorrekten Witzen sein Profil schärfte, um die „Simpsons“harmlos und weichkantig erscheinen zu lassen.

          Folgerichtig sorgte bereits im Vorfeld der Ausstrahlung von „Family Guy: The Simpsons Guy“ ein besonders krasser Witz für beabsichtigte Entrüstung. Dabei persifliert der Scherzanruf, den Bart und Stewie in der örtlichen Kneipe machen, pointiert den vielfach wahrgenommenen Unterschied zwischen den Serien: Bart macht sich mit einem Wortspiel über Moes Verdauung lustig, Stewie keift ins Telefon: „Moe, deine Schwester wird vergewaltigt!“, um beifallheischend zu einem schockierten Bart zu sagen: „War doch gut, oder? Stewie vergöttert Bart nämlich (es ist kein Geheimnis, dass MacFarlane einst angesichts der „Simpsons“ seine Pläne, Disney-Zeichner zu werden, hinschmiss und sein eigenes Erwachsenen-Cartoon zeichnete), und als Bart Stewies Freundschaft ablehnt, bricht dem das Herz.

          Angemessen doppelbödig

          Es gab schon zuvor kreative Sticheleien zwischen den Simpsons und den Griffins – in einer „Family Guy“-Folge sang Stewie über Typen, die seit 1994 die „Simpsons“ gucken und nicht mitkriegen, dass die nicht mehr komisch sind. In einer „Simpsons“-Folge  tauchte Peter Griffin als Homer Simpsons Klon auf. Aber jetzt wurde die Rivalität zwischen den Shows endlich in den angemessen albern-doppelbödigen Rahmen gefasst. Es werden Emmy-Statuetten geschmissen und Körperflüssigkeiten vergossen, Freundschaften geschlossen, gebrochen und erneuert, es werden fiese Gemeinheiten und große Peinlichkeiten inszeniert. Und am Ende schreibt Stewie leise schluchzend hundertmal an eine Tafel: „Ich werde nicht mehr an Bart denken.“
           

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