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„Doctor Who“ ist weiblich : Studiengang Hoffnung, erstes Semester

Von links nach irgendwie, irgendwo, irgendwann: Sinclair (Tosin Cole), Doctor (Jodie Whittaker), netter alter weißer Mann (Bradley Walsh) und Yaz (Mandip Gill) Bild: BBC / BBC Studios 2018

Nach fast sechzig Jahren wird die BBC-Science-Fiction-Ikone „Doctor Who“ nun von einer Frau verkörpert. Bringt’s das?

          5 Min.

          Sie will‘s wissen, frisch aus dem Drehbuch geschlüpft, ohne Fragezeichen: „I’m looking for a doctor.“ Die Schauspielerin Jodie Whittaker sucht eine Person mit zwei Herzen, die sich, wie alle ihre Verwandten, die sogenannten Timelords, nach dem Tod in einem neuen Leib regenerieren kann und vom Planeten Gallifrey stammt. Das gesuchte Individuum hat seinen Artgenossen ein Raumschiff gestohlen, das zugleich eine Zeitmaschine ist (es heißt „TARDIS“, für „time and relative dimension in space“). Die Person, nach der Whittaker fahndet, ist sie selbst, das heißt, die Schauspielerin übernimmt derzeit eine Rolle, die ihr Schauspielkollege William Hartnell 1963 als quergebügelten Grummelgreis gebaut hat und die danach von teils herrlichen (Tom Baker, David Tennant), teils adäquaten (Paul McGann, John Pertwee) und schlimmstenfalls unzureichend enthusiastischen (Colin Baker, Peter Cushing) Kollegen bewohnt wurde, aber – so liest und hört man überall, obwohl’s nicht stimmt – noch nie von einer Frau. Jodie Whittaker bringt nichts mit außer Begabung, schöpferische Intelligenz und einen unsichtbaren Rucksack voller Konzeptabsichten des neuen Chefautors der fast sechzig Jahre alten Show, Chris Chibnall.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Sein Vorgänger Steven Moffat, der außer bei „Doctor Who“ auch bei „Sherlock“, einer anderen britischen Nationalmarke, eine glückliche Hand bewiesen hat, ließ das TARDIS in mehr als gutem Zustand zurück. Die jetzt unvermeidlichen Veränderungen werden also von Publikum und Kritik schnell als Verschlechterung wahrgenommen. Man guckt kritisch: Taugt die neue Heimatbasis, Sheffield und Umgebung, als Mythenresonanzraum für die Doctorfigur, rasten die neuen Witze über Steve Jobs, das Musical „Hamilton“ und Banksy ein, oder schmieren sie ab, funktioniert die visuelle Akzentverschiebung von theaterkulissenhafter auf breitwandlandschaftliche Dekorlogik (zwischen englischem Wald und Punjab)? Am allerwichtigsten aber: Wissen Chibnall und Whittaker, was „The Doctor“ soll und will?

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