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Serie „Another Monday“ : Du musst dein Leben ändern

  • -Aktualisiert am

Entspannen in der Zeitschleife: Susanne Bormann als Freya. Bild: ZDF

Schon wieder Murmeltiertag: Im sehr deutschen Mystery-Drama „Another monday“ auf ZDFneo hängen Menschen mit Problemen in einer Zeitschleife fest.

          3 Min.

          Schon der Alltag mit seinen immergleichen Ritualen kann einem durchaus den Eindruck vermitteln, in einer Zeitschleife gefangen zu sein. Freya Hüller (Susanne Bormann) zum Beispiel, einsame Gattin eines Psychotherapeuten, der mehr für sie empfindet als umgekehrt, steckt in einem Leben fest, das nach einem eingefahrenen Muster abläuft: Immer wieder derselbe Sex mit dem keuchenden Malte (Ulrich Brandhoff), immer wieder dieselben Szenen beim Familienfrühstück mit der Teenager-Tochter („Hat wer meine Powerbank gesehen?“), dazu haben die Hüllers einen Hund, dessen Routinen ebenfalls programmiert scheinen wie im Videospiel „Sims“. Freya erträgt das alles kaum mehr.

          Eine echte Zeitschleife ist allerdings wesentlich unangenehmer. Ausgerechnet an dem Tag, an dem sie mutig wird und ins Land der Lebensfreude durchbrennt, wird Freya von einer solchen echten Zeitschleife erwischt: Von einem Moment zum nächsten dreht ihr Leben 24 Stunden zurück, als seien die zuvor durchgemachten 24 Stunden nur ein Probedurchlauf gewesen.

          Sie kann sich zwar erinnern, auf den Tagesablauf mit einem veränderten Verhalten einwirken und theoretisch sogar im Radiorätsel gewinnen – wo wurde Sigmund Freud geboren? In Tschechien! Trotzdem erwacht Freya wiederholt im gleichen Kalendertag, einem Montag um 2.13 Uhr. Man kennt das Phänomen aus dem Filmklassiker „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray als Wettermann Phil oder diversen Nachfolgern wie der hochgelobten, im Frühjahr endlich um Staffel zwei ergänzten Netflix-Serie „Russian Doll“, in der die kauzige Großstadtgöre Nadja (Natasha Lyonne) immer wieder dieselbe Geburtstagsfeier erlebt und gemeinsam mit ihrem Leidensgenossen Alan (Charlie Barnett) die Gründe für ihr Zeitschleifengefängnis erkundet.

          Persönlichen Qualen, die man wieder und wieder erlebt

          Der Charme dieser Produktionen fehlt dem überwiegend ernsten, naturalistisch gefilmten ZDF-Drama „Another Monday“, weil der Sechsteiler nicht jene liebenswürdigen Charaktere wie Phil und Nadja besitzt, und zur Besetzung gehört trotz fähiger Schauspieler auch kein Ulrich Tukur, der den Wiesbadener Tatort „Murot und das Murmeltier“ zu einem Zeitschleifen-Ereignis werden ließ.

          Dafür wartet das Drehbuch von Maximilian Baumgartner und Oliwia Strazewski, die beide erst unlängst ihr Diplom an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen erlangten, mit einer wachsenden Gruppe von Zeitschleifengefangenen auf: Der Polizist Moritz Becker (Ben Münchow) würde sich gerne umbringen, was unter den aktuellen Umständen zum Scheitern verurteilt ist, die schwangere Krankenschwester Sophie (Alina Stiegler) steht wiederholt vor dem Bett des Rentners Eric Haase (Vedat Erincin), der sich jeden Tag mit demselben Bugs-Bunny-Witz vorstellt und gleich danach kollabiert. Und nach einer Weile wird auch Freyas Tochter Charlotte (Emilie Neumeister) zu den „Erweckten“ gehören – was alle pädagogischen Hinweise darauf, dass Taten Konsequenzen haben, bis auf weiteres Makulatur werden lässt.

          Die ZDF-Redaktion erkennt in „An­other Monday“ deutliche Bezüge zur Gegenwart: „Welcher Mensch willst du sein, wenn die Welt, wie wir sie kennen, aus den Fugen gerät? Und was für ein Mensch wirst du sein, wenn nichts mehr so ist, wie es einmal war? (…) Im Angesicht der täglichen Nachrichtenlage, sich häufender Krisen unvorstellbaren Ausmaßes, drängender denn je.“ Das ist lauwarme PR-Luft, obwohl bei Mystery-Serien ja mitunter davon auszugehen ist, dass man als Zuschauer einfach nur auf dem Schlauch steht. Die Regisseure Esther Bialas und Nathan Nill, die „Another Monday“ flüssig inszeniert haben, treffen den Punkt im Begleitmaterial schon eher: „Wie in der antiken Mythologie müssen auch unsere Figuren ihre persönlichen Qualen immer und immer wieder erleben, um einen Ausweg und damit zu sich selbst zu finden.“ Freya zum Beispiel trägt Schuldgefühle mit sich herum, die durch einen Zettel mit zwei blauen Fußabdrücken eines Babys angedeutet werden. Wäre alles anders – würde ihr Sohn Lasse noch leben –, hätte sie vor dem Abgleiten in die „Zeitschleife“ sicher auch ein Familienleben voller Murmeltiertage gemocht. Eine Mutter verzweifelt, ein Vater verzweifelt, eine Tochter verzweifelt – was bleibt, ist ein typisch deutsches Familiendrama im Mystery-Kleid.

          Die Serie Another Monday ist von heute an in der ZDF-Mediathek, am 11. und 12. Oktober läuft sie bei ZDFneo, jeweils von 20.15 Uhr an.

          Trailer : Another Monday

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