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Serie „Vagrant Queen“ bei Syfy : Locker vom Hocker durchs Weltall

  • -Aktualisiert am

Auf den Job als Königin ist sie nicht wirklich erpicht, sie vagabundiert lieber: Elida Al-Feyr (Adriyan Rae) Foto Syfy Bild: Marcos Cruz/Vagrant Productions/Syfy

Bei der Syfy-Serie „Vagrant Queen“ springt der Spaß von den Schauspielern auf das Publikum über. Im All war selten solch bunte, gelungene, feministische Komödie.

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          Auf den Gesang kann man bei einer Oper durchaus verzichten – aber bunt muss sie sein, schillernd in Ausstattung und Story. „Vagrant Queen“, eine zehnteilige Weltraum-Oper, die auf dem 2018 veröffentlichten Comic von Magdalene Visaggio und Jason Smith basiert, hat das drauf, schon weil die Regisseurin Jem Garrard für die Optik von „Guardians of the Galaxy“, „Thor: Ragnarok“, „Das fünfte Element“ und „Firefly“ schwärmt.

          Die Serie aus dem Hause Syfy, jenem Sender also, der einst „The Expanse“ verfilmte und dann wieder absetzte, räumt zwar nicht unbedingt Originalitätspreise ab. Trotzdem gerät „Vagrant Queen“ zur spritzigen Sause, bei der uns Sofahelden die Frozen-Joghurt-Becher nur so aus der Hand geschossen werden, bis wir uns die Überreste kichernd vom Gesicht reiben.

          „Vagrant Queen“ spielt, wie eine türkis-grün-blau-rot-lila fluoreszierende Einblendung erläutert, „in einer anderen Galaxie. Nicht in Eurer“. Elida Al-Feyr (Adriyan Rae), Abenteurergöre mit Starposter-Selbstbewusstsein, ist seit Jahren auf der Flucht vor Revolutionären, die sie, einst Kinderkönigin von Arriopa, zur endgültigen Festigung der Republik auslöschen möchten.

          Sie flieht zugleich vor ihrer Vergangenheit. Mit dem Königinnentitel und den Royalisten, die es kniefälligst selbst in schummrigen Weltraumbars gibt, mag Elida nämlich nur bedingt in einem Atemzug genannt werden. Sie ist mit ihrer Identität als kampffertige, zwischen Spacepunks und Schmugglern wandelnde Überlebenskünstlerin halbwegs zufrieden – trotz aller Nörgelei über Auftraggeber, die für hemdsärmelig besorgte Plünderware nicht zahlen wollen.

          Die Republikaner, die Elida zum Auftakt in der von allerlei Randexistenzen beherbergten Xija Station ausfindig macht, darf man sich in „Vagrant Queen“ trotz aller Gründe, die prinzipiell für die Zerschlagung selbst gerechter Monarchien sprechen würden, nicht als Sozialdemokraten vorstellen: Commander Lazaro (Paul du Toit), nazischwarz uniformierter Kopf Schweißmasken tragender Sturmtruppler, besitzt aus Vaters Nachlass eine glühende Miniaturheckenschere, mit der er Pudelfrisuren begriffsstutziger Gesprächspartner auf Haarwurzellänge zu kürzen vermag, und das ist nur eine seiner Methoden, um als diensthabender Bösewicht erkennbar zu sein.

          Auf Elidas Seite kämpfen in der neon-bunten „anderen Galaxie“ derweil die liebliche Mechanikerin Amae (Alex McGregor), Frauen ebenso zugeneigt wie Katzenvideos, und Isaac (Tim Rozon), von Beruf Anwalt und ergo Vielschwätzer. Er stammt von der unerreichbar fernen Erde, wo er Frau und Nachwuchs hat, zu denen er gerne zurückkehren würde.

          Rozon und McGregor, nicht Rozon und Rae, die sich ständig Wortscharmützel liefern, sind das eigentliche Dreamteam von „Vagrant Queen“, beseelt von riesengroßem Spaß an der Überzeichnung ihrer Figuren. Aber auch Adriyan Rae liebt die billigen Witzchen, die man lieben muss, damit die trashige „Vagrant Queen“ (nein, nicht so krass wie das parodistische „Spaceballs“) dem Serien-Müllschlucker entgeht. Erster Höhepunkt, das Trio hat es zu einem Planeten voller, nun ja, Affen geschafft, ist ein von Kannibalen veranstalteter Karaoke-Wettbewerb, bei dem unsere Heldenreisenden gegen einen lebensgroßen Plüschhasen mit Schlappohren antreten und „Nothing’s Gonna Stop Us Now“ von Starship interpretieren.

          Zuschauern, die zu Humorlosigkeit neigen und Serien, die sich partout nicht ernst nehmen wollen, nichts abgewinnen können, sei gesagt: Für Euch gibt es unter anderem die Sache mit Mama. Die über zahlreiche Rückblenden allmählich mit der Vorgeschichte des Geschehens unterfütterte Handlung hält früh die Botschaft parat, dass Elidas Mutter, zuletzt gesehen, als sie sich heroisch den Kugeln Lazaros in den Weg stellte, doch noch irgendwo lebt. Die „vagabundierende Königin“ elektrisiert diese Nachricht jedenfalls mehr als die nach einem irrwitzigen Tankstellenstopp ihres Rumpelraumschiffs verstärkte Vorstellung, eines Tages wieder die Königin von Arriopa mimen zu müssen.

          Vagrant Queen startet heute um 20.15 Uhr im Abokanal Syfy, zu empfangen über Sky.

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