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TV-Serie „The Outsider“ : Das Unerklärliche ist ihr Job

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In einem scheinbar geklärten Mordfall soll sie das Gegenteil beweisen: Cynthia Erivo als Privatdetektivin Holly Gibney. Bild: Die Verwendung ist nur bei redak

Die Serie „The Outsider“ nach einem Roman von Stephen King ist sehenswert. Ihr Chefautor Richard Price weiß, was wahren Horror ausmacht. Und Cynthia Erivo besticht als Privatdetektivin, die vor einem schier unlösbaren Rätsel steht.

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          Mit Stephen-King-Adaptionen ist das ja so eine Sache. Manche sind herausragend, wie „The Shawshank Redemption“ oder „The Shining“, andere miserabel, wie das Remake von „Pet Sematary“ oder die Verfilmung von „Dreamcatcher“. Das mag auch daran liegen, dass Kings Stärke in der Zeichnung seiner Charaktere liegt und der Horror seiner Romane sich aus dem speist, was man nicht sehen kann.

          Aber mit „The Outsider“ kommt nun eine mittelmäßige King-Geschichte ins Serienfernsehen, aus der die Krimiautoren Richard Price und Dennis Lehane sowie der Produzent Jason Bateman einen stimmungsvollen Zehnteiler gemacht haben. Getragen von einem hochkarätigen Ensemble und einer dunklen Atmosphäre, erzählt „The Outsider“ die Geschichte einer Mordermittlung in einer Kleinstadt in Georgia. Dort wird an einem sonnigen Nachmittag und vor aller Augen der beliebte Baseball-Coach Terry Maitland (Jason Bateman) verhaftet. Er soll für den Mord an einem elfjährigen Jungen verantwortlich sein. Die Gemeinde ist schockiert, Terrys Frau Glory (Julianne Nicholson) will dem Detective Ralph Anderson (Ben Mendelsohn), einem Familienfreund, am liebsten an die Gurgel gehen.

          Aber Anderson, der mit seiner Frau Jeannie (Mare Winningham) kürzlich selbst den Verlust ihres Sohnes verkraften musste, fühlt sich nicht bloß persönlich betroffen. Er hat eine erdrückende Beweislast gegen Maitland, dessen Fingerabdrücke und DNA-Spuren am Tatort zu finden waren. Zudem gibt es kompromittierende Videomitschnitte von Überwachungskameras am Tag der Tat. Maitland behauptet, bei einer Konferenz außerhalb der Stadt gewesen zu sein – Zeugenaussagen wie Videomitschnitte von der Veranstaltung belegen dies. Maitlands Anwalt Howie Gold (Bill Camp) engagiert die Privatdetektivin Holly Gibney (Cynthia Erivo), deren Genie sich zumindest zum Teil aus ihrer Asperger-Veranlagung speist, um Beweise für Maitlands Unschuld zu sammeln und den Dingen auf den Grund zu gehen.

          Die Handschrift des Autors Richard Price ist hier nicht zu verkennen, und wie Price sagte, war dies für ihn auch der Reiz an diesem Projekt. „Die Geschichte beginnt ja als Krimi mit einer polizeilichen Ermittlung“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung in Los Angeles. „Damit habe ich ziemlich viel Erfahrung.“ Price erhielt 1986 für „The Color of Money“ eine Oscar-Nominierung, er schrieb Filme wie „Sea of Love“, „Ransom“ und „Shaft“ und schuf das fünffach Emmy-gekrönte „The Night Of“.

          Price, der hier auch als Chefproduzent fungiert, änderte einige Handlungsdetails von Kings Romanvorlage und nahm davon Abstand, sich auf Kings Werk „Mr. Mercedes“ zu beziehen. Diese Serie, 2014 von David Kelley adaptiert, führte die Figur der Holly Gibney ein. „Die einzige Schuld, die eine Adaption der Vorlage gegenüber hat, ist, ihr im Geiste treu zu bleiben“, so Price. Und so schrieb er nicht nur seine eigenen Figuren, er verlangsamte die Dinge auch. „Hätte ich den Roman eins zu eins adaptiert, wäre ich nach drei Episoden fertig gewesen.“ Das gemächliche Tempo, das hin und wieder von sich überschlagenden Ereignissen beschleunigt wird, dient der Entfaltung einer Handvoll Figuren, deren Darsteller ihnen Realitätsnähe und Facettenreichtum verleihen. Ben Mendelsohn und Mare Winningham spielen glaubhaft ein Paar, das die Katastrophe ihres Kindesverlusts durchsteht. Cynthia Erivo gibt ihrer Holly Gibney vibrierende Nervosität. Jason Bateman verleiht seinem Baseball-Coach sympathische Normalität.

          Er denkt, er hat den Täter gefasst. Doch ist das so? Detective Ralph Anderson (Ben Mendelsohn) beim Verhör.

          „Scheint mein Ding zu sein, der langweilige, weiße Jedermann mittleren Alters“, sagte er bei der Vorstellung der Serie im Januar im kalifornischen Pasadena. Bateman bekannte, „kein großer Fan von Slasher-Horror“ zu sein. „Mir ist Grauen und Nervenkitzel lieber.“ Bei der Adaption von Kings Roman sei es ihm weniger darum gegangen, die Zuschauer zum Fürchten zu bringen, als eine „gewisse Stimmung zu schaffen“. Auch Price sagte, er schalte ab, sobald sich fleischessende Zombies oder gigantische Taranteln einstellen. „Unglücklicherweise sind die meisten Horrorgeschichten nicht besonders erschreckend. Man muss schon ein leicht zu beeindruckender Teenager sein, um sich vor dem Feuerwerk zu fürchten, das da oft abgefackelt wird.“ Dabei, sagt Price, sei wirklich Gruseliges viel kultivierter. Ihn habe an Kings Geschichte die Prämisse gereizt: „Was braucht es, um einen Menschen aus dem Zeitalter der Vernunft, einen Empiriker, an den schwarzen Mann glauben zu lassen?“

          Der schwarze Mann taucht hier in Form einer Gestalt auf, die ein offenbar deformiertes Gesicht unter einem Kapuzenpulli versteckt. Eine solche Gestalt ist fraglos stark symbolträchtig – und Price räumt ein, dass es hier nicht zuletzt um zeitgenössische Monster-Metaphern geht. „Jede Zeit hat ihre Monster. Der japanische Godzilla von 1954 ist eine Art Dinosaurier-Kreatur, die durch nukleare Explosionen freigesetzt wird. Dracula dreht sich um die sexuellen Ängste der viktorianischen Ära. Frankenstein ist ein Symbol des Aufklärungszeitalters, in dem der Mensch Gott spielt.“ Hier ist es Detective Ralph Anderson, der barsch sagt: „Ich habe keine Geduld für das Unerklärliche!“ Doch ist er aufgrund der vertrackten Beweislage gezwungen, sich mit den Dingen zu befassen, die seine Geduld strapazieren. Und das ist fürwahr furchterregend.

          The Outsider, heute um 20.15 Uhr bei Sky Atlantic HD.

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