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Serie „The Oath“ : Die Polizei, dein Freund und Henker

  • -Aktualisiert am

Harte Jungs: Szene aus „The Oath“ Bild: AXN

In der Serie „The Oath“ treten korrupte Ordnungshüter einander auf die Zehen. Die schweren Jungs schauen böse und hauen einen Spruch nach dem anderen raus – immerhin.

          3 Min.

          Die von Joe Halpin („Hawaii Five-0“) kreierte und von Sony Crackle produzierte Serie „The Oath“ ließe sich leicht wegrempeln durch unfaire Vergleiche, die sie selbst heraufbeschwört. Dass sich die vernebelt düstere Erzählung über korrupte Polizeigangs in Puerto Rico (gemeint ist freilich eher Los Angeles) in ihrer brutalen Straßencoolness und kratzigen Ästhetik an „The Wire“ anlehnt, zumal auch diesmal eine direkte Verbindung zur kriminellen Realität behauptet wird – Halpin hat zwölf Jahre in L.A. als verdeckter Ermittler gearbeitet –, scheint vermessen, denn von der erzählerischen Komplexität der HBO-Produktion bleibt „The Oath“ Lichtjahre entfernt. Die französische Krimiserie „Braquo“ wiederum, die um eine moralisch abgestürzte Polizeieinheit in Paris kreist, wirkt viel echter in ihrer Kaputtheit.

          Dass der gesamte Polizeiapparat amerikanischer Großstädte in rivalisierende, mit der Drogen- und Menschenhandel-Mafia gemeinsame Sache machende Gangs mit kindischen Namen (und Tattoos) wie „Ravens“, „Vipers“ und „Berserkers“ zerfällt, die sich in Bandenquartieren treffen und einzig vom FBI in Schach gehalten werden, lässt sich beim besten Willen nicht als realistischer Tauchgang ins schmutzige Law-and-Order-Tagesgeschäft verkaufen. Die bis ins Mark verkommenen Drogenbosse wiederum nennen sich „Sleep“ oder „Neckbone“ (Kwame Patterson). Die wahrhaft Mächtigen aber, schmierig gegelte Kolumbianer, leben in Hacienda-Villen und haben so schöne Töchter, dass toughe Polizisten nicht widerstehen können. So ist Pete Ramos (J.J. Soria), eine der Zentralfiguren, mit der Kolumbianerin Lourdes (Isabel Arraiza) verheiratet, was bald entfernt an die „Sopranos“-Seifenoper rund um Christopher und Adriana erinnert. In der sich anbahnenden Großschlacht muss Pete auf das Kartell seines ihn verachtenden Schwiegervaters vertrauen.

          Man kann nun über die nicht sonderlich originellen Einfälle die Nase rümpfen, oder man erfreut sich an „The Oath“ wie an einem mit Codes um sich werfenden Gangsta-Rap: Die Pose ist alles, und wenn sie gut ist, ist sie sich selbst genug. Da braucht es keine langen Erklärungen. Das Authentische liegt in der perfekten Geste, Robert DeNiro lässt grüßen. Nicht einmal überdurchschnittlich viel geflucht wird in „The Oath“, dafür aber ständig hartgesotten geguckt. Man könnte Eier kochen mit diesen Blicken. Echte, unrasierte Männer und einige Klischee-Gangsterbräute in einem weitgehend gesetzlosen Szenario: Das ist Atmosphäre pur, ein schwarzromantisches Versprechen, wie es auch Hip-Hop-Zeilen vom Schlage „I love the sound of gunfire, bro“ sind. Und tatsächlich fungiert der Rapper 50 Cent, der das Geräusch von Schüssen liebt, als Mitproduzent. Dass Sony „The Oath“ indes damit bewirbt, „Game of Thrones“-Star Sean Bean spiele die Haupt-Hauptrolle, ist einigermaßen frech, denn bis zur Staffelmitte taucht dieser kaum auf. Aber auch er guckt ordentlich sinister.

          Nah dran an den verschwitzten Figuren

          Die Geschichte selbst ist übersichtlich. Das FBI weist vier Polizisten der Raben-Gang Banküberfälle nach – immer noch die edelste kriminelle Machenschaft; überhaupt sind unsere Protagonisten in dieser insgesamt ins Unmoralische verschobenen Welt dann doch die Guten – und zwingt sie zu einem Deal. Sie arbeiten fortan verdeckt für das FBI, das unter der Führung der eiskalten, fast schon bewundernswert eindimensionalen Agentin Aria Price (Elisabeth Röhm) den Kampf gegen ein Dutzend weitere Polizeigangs aufgenommen hat.

          Die Raben müssen den jungen FBI-Agenten Damon Byrd (Arlen Escarpeta) in ihre Reihen aufnehmen, was umgehend zu Verwerfungen im ohnehin ob einer das Geschäft vermiesenden Wunderdroge unklarer Provenienz gereizten Milieu führt. Der charismatische Anführer der Gang, Steve Hammond (Ryan Kwanten), übernimmt die Verantwortung für den Deal, was auch bedeutet, diesen vor dem eigentlichen, aber einsitzenden Gang-Oberhaupt Tom (Sean Bean) geheim zu halten. Tom wiederum ist der Vater von Steve und dessen Adoptivbruder Cole (Cory Hardrict), was dem klassischen Familienkitsch Tür und Tor öffnet. Weitere mitverschworene Raben sind der genannte Pete sowie Karen Beach (Katrina Law), die in einem öden psychotherapeutischen Nebenstrang Kindheitstraumata bewältigt.

          Wie dann nahezu jede Nase blutig gehauen wird im Vielfrontenkampf, wie Verrat und Loyalität in urtümlicher Reinheit gegeneinander antreten und wie die Protagonisten bald nur noch mit dem Vertuschen eigener Fehler befasst sind, das hat durchaus Zug und Saft. Die in harten Polizeiserien à la „The Shield“ längst zum guten Ton gehörende wacklige Handkamera wird ausgiebig genutzt, zumal hier ohnehin ständig alles in Bewegung ist. Das mit der Immersion machen die Regisseure Jeff T. Thomas und Luis Prieto ziemlich gut: Es kann einem schwindlig werden, so nah ist man an den verschwitzten Figuren. Wer Michael Manns archaische Gewaltsaga „Heat“ mag, darf „The Oath“ eine Chance geben. Es muss ja nicht immer alles komplex sein.

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