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Netflix-Serie „Space Force“ : Nicht irre genug

Schaut in die Zukunft, rosig ist sie eher nicht: Steve Carell als Vier-Sterne-General Naird in „Space Force“. Bild: Courtesy of Netflix

Bei Netflix hebt die Serie „Space Force“ ab. Steve Carell und John Malkovich spielen als Weltraumeroberer groß auf. Doch an die Absurdität, die im realen Weißen Haus herrscht, reichen sie nicht heran.

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          Geht es nach dem Mann im Weißen Haus, darf die Dominanz Amerikas im All nie enden. Um das sicherzustellen, hat Donald Trump einen neuen Teil der Streitkräfte geschaffen: die Space Force. Als deren Uniform Anfang des Jahres vorgestellt wurde, flog die Truppe als Lachnummer durch den Twitter-Orbit. Tarnfarbener Dress für Weltraumsoldaten? Urkomisch, wächst doch bekanntlich schon jenseits subalpiner Höhen kein Baum mehr.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Von dem Kometenschwarm aus Spott ließen sich auch Steve Carell und Greg Daniels für die von ihnen geschaffene Netflix-Serie „Space Force“ inspirieren. Bei ihnen sorgt für textile Peinlichkeit aber keine Sparvorgabe aus dem Pentagon, die Einheitsuniformen für alle verordnet, sondern die First Lady. Flotus macht mit von „Star Wars“ inspirierten Designs aus Soldaten, die nach den Sternen greifen, auch optisch die Knallchargen, die sie sind. Noch so eine Rohrkrepierer-Idee, die Vier-Sterne-General und „Space Force“-Chef Mark R. Naird (Steve Carell) schnell abschießen muss, ohne den wuttextenden Potus zu reizen.

          Perfektes Timing, könnte man meinen, dass diese Serie startet, als Amerika mit Hilfe des Tech-Exzentrikers Elon Musk wieder in die bemannte Raumfahrt einsteigt und von Cape Canaveral eine Rakete mit zwei Astronauten Richtung ISS schickt. Aber knapp vorbei ist auch daneben. Was die fiktive „Space Force“ angeht, muss man konstatieren: Sie zündet definitiv zu wenige Stufen des Wahnsinns, um ein echter Kracher zu sein.

          Countdown: Dr. Adrian Mallory (John Malkovich) und Mark R. Naird (Steve Carell) beim Generalappell.
          Countdown: Dr. Adrian Mallory (John Malkovich) und Mark R. Naird (Steve Carell) beim Generalappell. : Bild: Courtesy of Netflix

          Angeführt von General Naird folgt sie der präsidialen Parole „Boots on the Moon“. Im Eroberungswettlauf mit den Chinesen soll sie Truppen auf den Mond bringen und dort Siedlungen errichten. Ein Himmelsgeschenk ist, dass John Malkovich die exzentrischste und zugleich vernünftigste Figur spielt. Er verkörpert den leitenden Wissenschaftler der Mission, Dr. Adrian Mallory, und verbeugt sich parodistisch vor Dr. Seltsam aus Stanley Kubricks Kalter-Krieg-Klassiker „Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“.

          Mallory, schon optisch im Dreiteiler die Antithese zum militärischen Schneid, spricht mit der Malkovich eigenen, unnachahmlich lässigen, passiv-aggressiven Tiefenentspanntheit als Gewissen der Menschheit. Er will forschen statt besetzen und dem Wohl aller dienen mit unnütz wirkenden Experimenten. Naird, den Opportunisten im Führungsstand, treibt er mit Wetterdaten, die gegen abhebende Raketen sprechen, fast in den Wahnsinn. Erst wegen Geldverschwendung von einer Wiedergängerin der Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez gegrillt, die hier anders heißt, finden die „Space Force“-Antipoden zueinander. Dem privatwirtschaftlichen Schwindel um den neuen Treibstoff einer blendend digital vernetzten Start-up-Unternehmerin erliegen sie auch nicht.

          Nur: Das alles wirkt nicht wie eine Persiflage auf die Wirklichkeit, sondern wie ein Ausflug in ein entschieden weniger durchgeknalltes Paralleluniversum. Etwa, wenn man Auftritte Musks mit Gemahlin neben Szenen aus der Serie stellt. Oder das Hin und Her um den Namen ihres Sohns (X Æ A-12 oder X Æ A-XII) mit dem Script vergleicht, bei dem kein Gag zündet. Oder Nairds freundliche Paranoia vor anders als er aussehenden Menschen, die den Asiaten im Team als chinesischen Spion abstempelt, neben das hält, was in Amerika los ist. In „Space Force“ darf eine junge Afroamerikanerin den Traum von der Mondlandung träumen, und im Knast sitzt Nairds Ehefrau (Lisa Kudrow) – charmanterweise, ohne dass man erfährt, warum.

          Überhaupt sind die Figuren, namentlich Naird als Vater einer halbwüchsigen Tochter und Sohn eines dementen Vaters (anrührend gespielt von Fred Willard in seiner letzten Rolle), verwirrend normal dafür, dass sie seltsame Dinge tun wie einem Weltraumaffen Orden zu verleihen und mit Nagelscheren bewaffnet Krieg zu spielen. Aber vielleicht ist das alles nur ein Missverständnis. Vielleicht soll das gar nicht komisch sein, sondern spiegelt die Sehnsucht nach einer harmlosen Welt, die weder zum Lachen noch zum Weinen herausfordert, in der Steve Carell unterfordert ist und John Malkovich einmal mehr beweist, dass er nicht von dieser Welt ist.

          Space Force ist bei Netflix abrufbar.

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