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„Im Sog des Geldes“ bei 3sat : Als Milch und Honig nicht mehr flossen

  • -Aktualisiert am

Sie soll die Probleme lösen: Elisabeth Grangier (Laura Sepul). Bild: ZDF und Point Prod

Der Schweizer Bankenkrimi „Im Sog des Geldes“ schildert, wie das Geschäftsmodell der Steuerhinterziehung in die Binsen ging.

          3 Min.

          Die Aufhebung des Schweizer Bankgeheimnisses als Konsequenz der Finanzkrise 2008 war für manchen ein politischer Totalschaden, für ausländische Finanzminister aber ein hart erkämpfter Erfolg. Bis allerdings die acht Jahrzehnte lang gesetzlich garantierte Möglichkeit zur Steuerhinterziehung vollständig Geschichte war, sollte es weitere zehn Jahre dauern – bis 2018.

          Zunächst sprach der Schweizer Finanzminister Hans-Rudolf Merz trotz der Lehman-Pleite vollmundig davon, dass „ihr euch an diesem Bankgeheimnis die Zähne ausbeißen werdet“. Wenige Monate später verkündete der Schweizer Bundesrat, das Bankgeheimnis werde aufgehoben. Der internationale Druck war groß, vor allem aus Amerika, nachdem aufgedeckt worden war, dass die Schweizer Großbank UBS in großem Stil amerikanische Kunden angeworben hatte. Die Regierung Obama drohte, Bankmitarbeiter wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu belangen. Daraufhin stellten die Häuser tranchenweise Kontendaten bereit, um die Wogen zu glätten.

          Die Salamitaktik war vergebens. Was eine Großbank vielleicht verkraften konnte, brachte die Schweizer Privatbanken in Schieflage. Depots leerten sich. Traditionshäuser, in denen Kundenberatung noch bedeutete, „für die Kinder der Klientel die passenden Privatschulen zu finden und für ihre Frauen und Geliebten die Geschenke auszusuchen“, wie es in dieser Serie heißt, verstanden die Welt nicht mehr.

          In der französischsprachigen Schweizer Finanzthrillerserie „Quartier des banques“ von 2017, die in der jetzigen deutschen Ausstrahlung bei 3Sat „Im Sog des Geldes“ heißt, spielt die Umbruchszeit des Schweizer Bankenwesens die eigentliche Hauptrolle. Es geht um das Jahr 2012. Es sind noch zwei Jahre, bis die Schweiz der OECD-Erklärung zum automatischen Informationsaustausch in Steuerfragen beitritt. Hauptschauplatz ist Genf. Gegenüber Zürich wirkt Genf gediegener, in den Privatinstituten arbeiten keine Manager, sondern dynastisch orientierte Patriarchen mit ausgedehnten Familienbeziehungen. Außenseiter werden dezent ausgegrenzt. Es gilt der Primat des diskreten Profits. Nur altes Geld stinkt nicht. Geprotzt wird höchstens von den Mitarbeitern unterhalb der eigentlichen Führungsstruktur, die mit ihren Vorstellungen vom Börsengang Koks und Prostituierte nach Wall-Street-Vorbild ins Geschäftsleben einschleusen.

          So auch Alexandre Grangier (Arnaud Binard), der im Schatten seines Bruders, des Präsidenten der Privatbank Grangier & Co., Paul (Vincent Kucholl), von Aktiengesellschaften und riskanten Investments träumt. Als Diabetiker Paul nach einer falsch dosierten Insulinspritze ins Koma fällt, sieht Alexandre seine Stunde gekommen. Seniorchefin Blanche (Brigitte Fossey) fördert ihn nach Intrigenkräften, zusammen mit dem Familienanwalt Daniel Bartholdy (Féodor Atkine). Paul aber hat seiner Schwester Elisabeth (Laura Sepul), dem schwarzen Schaf der Familie, Generalvollmacht erteilt. Sie nimmt das Vorstandsmandat wahr und verdrängt Alexandre schließlich auch von der Leitungsspitze.

          Seine windigen Geschäfte bringen die Bank in Bedrängnis: Paul Grangier (Vincent Kucholl).

          Dass Paul mit Oligarchen und Mafia Geschäfte machte, weil die „anständigen Steuerhinterzieher“ das Weite gesucht hatten, führt zu Problemen mit einer attraktiven, eiskalten Russin und zur Reise nach Zypern. Noch ziehen die Kunden Werte wie Diamanten börsengehandelten Fonds vor. Elisabeths Ex-Mann, der Investigativjournalist Luc Naville (Karim Barras), recherchiert Finanzskandale, die gemeinsame Tochter gerät ins Visier von Entführern. Auch die Bank Grangier & Co. hatte an einem diskreten Deal mit den Amerikanern gearbeitet. Offenbar hatte Paul, dessen Unfall Rätsel aufgibt, eine Geliebte neben seiner schönen Frau Virginia (Lauriane Gilliéron). Elisabeth deckt an mehreren Fronten existenzbedrohende Schweinereien auf. Diskretion war einmal Ehrensache. Bleiben werden weder Ehre noch Diskretion.

          Hier und da holprig und dramaturgisch nicht durchweg überzeugend gestaltet, setzt der Regisseur Fulvio Bernasconi dennoch die Finanzthrillerhandlung spannend in Szene. En passant gibt „Im Sog des Geldes“ einen Eindruck von der Mentalität einer finanziellen Elite, die als Bankiers – und nicht etwa als Banker – den Nimbus unangestrengter Geldvermehrung pflegt. Daran ändern auch Verwerfungen an der Börse nichts. Wer hier ein Schweizer „Bad Banks“ erwartet, wird enttäuscht. Dazu ist „Im Sog des Geldes“ zu eindeutig fokussiert. In der Schweiz lief bereits die zweite Staffel, die sich auf die Jagd nach blutigen Edelsteinen begibt.

          Im Sog des Geldes, 22.25 Uhr bei 3Sat.

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