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Arte-Serie „Im fremden Körper“ : Sie haben seine Seele verkauft

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Florian (Arieh Worthalter) steckt plötzlich im Körper des Polizisten Sylvain. Und in der Klemme steckt er auch. Bild: © Laurent Thurin-Nal

Die Science-Fiction-Serie „Im fremden Körper“ malt eine Zukunft aus, in der Seele und Körper voneinander getrennt werden. Sie entführt in eine Welt, in der niemand mehr weiß, wen er vor sich hat. Das ist ziemlich beklemmend.

          Im vergangenen Jahr zeigte Arte die französische Sci-Fi-Serie „Stadt ohne Namen“ („Trepalium“). Wenige Privilegierte leben dort im Süden im Wohlstand, vor allem verfügen sie über sauberes Wasser. Von den Menschenmassen im Norden, die mit knappen Ressourcen auskommen müssen, trennt sie eine hohe Mauer und paramilitärische Gewaltherrschaft. Mit „Im fremden Körper“ („Transferts“) gelingt Arte France nun wieder eine beklemmende Zukunftsvision. Voraus setzt sie lediglich den Glauben an den Leib-Seele-Dualismus, Spezialität der französischen Aufklärungsphilosophie. Eine ärztliche Pionierleistung und einen Quantensprung später beginnt der Horror der Gegenwart.

          Fünf Jahre lag der Familienvater Florian (Alexis Loret) nach einem Schwimmunfall im Koma, bevor er aufwacht. Seine Frau Sophie (Toinette Laquière) hat mit den Kindern Thomas (Balthasar Monfé) und Julie (Zélie Rixhon) nicht aufgehört zu trauern. In der Zwischenzeit hat sich eine gesellschaftlich folgenreiche medizinische Revolution ereignet. Dr. Vautier (Patrick Raynal), Sophies Onkel, kann den Geist eines Menschen lokalisieren, isolieren und in einen fremden Körper transferieren: Seelentransplantation statt Organtransplantation.

          In den ersten Jahren des Verfahrens wurden auf diese Weise zahlreiche legal Transferierte hergestellt. Gelegentliche Abstoßungserscheinungen mit Aggressionsschüben führten zum Verbot der Praxis und zur Einrichtung der „Bati“, einer schwer bewaffneten Spezialeinheit, die illegal Transferierte und Körperdealer jagt. Sie werden gebrandmarkt und in einem Internierungslager, dem seltsam harmonisch wirkenden „Omega-Zentrum“ versorgt. Die Gesellschaft in diesem fast gewöhnlichen Frankreich ist tief gespalten – und fundamental verunsichert. Allerdings nicht aus ethischen Gründen. Da es keine Unteilbarkeit der Person mehr gibt, weiß niemand mehr, wen er vor sich hat. Es geht um Selbstschutz. Die Kirche des charismatischen Pére Luc (Xavier Lafitte) erschafft zudem Gläubige mit schöpfungselitären Machtphantasien. Sie sammelt ihre Schäfchen in strengen Orden und verspricht Schutz, insgeheim schürt sie die Paranoia. Es gibt Gemischtwarenläden des Glaubens, in denen man von Buddhastatuen über Ikonen, Kreuze und Amulette alles kaufen kann, um Seelentransferierte abzuwehren. Nur die liberale Partei PDL, eine Art Amnesty International für Transferierte, spricht den Hergestellten das Recht auf freie Existenz zu.

          Florian (Arieh Worthalter) und Sophie (Toinette Laquière) waren ein Paar. Aber jetzt erkennt sie ihn nicht wieder, aus naheliegenden Gründen.

          Florian entdeckt, dass er im Körper von Sylvain (Arieh Worthalter) lebt, einem besonders skrupellosen Mitglied der Bati-Polizei, der bei einem Einsatz gegen den Transferierten Novac angeschossen wurde. Die Kollegen Gabriel (Steve Tientcheu) und Béatrice (Brune Renault), mit der er eine Liebelei hatte, erkennen sein Verhalten nicht wieder. Er habe eine Amnesie, haben Dr. Vautier und Sophie als Erklärung ersonnen. Im Zentrum der Jagd soll der illegal Transferierte am wenigsten auffallen.

          Eindrucksvoll spielt „Im fremden Körper“ durch, wie das Äußere (Sylvain) dem geistigen Wesen der Person (Florian) fremd bleibt, weil sie keine gemeinsame Geschichte verbindet. Florian erforscht Sylvains Vergangenheit und enthüllt Abstoßendes und Gefährliches, während anderswo das Mädchen Liza (Pili Groyne) ihre Eltern aus dem Weg räumt. In Liza verbirgt sich der transferierte Woyzeck, dessen Rache ihn immer näher an Sylvain/Florian und seine Familie heranführt.

          In sechs einstündigen Folgen, von denen Arte an diesem und am kommenden Donnerstag je drei hintereinander sendet, entwirft die Serie eine gesellschaftliche Schreckensvorstellung, in der jeder jedem misstraut und jederzeit jeden denunzieren kann (Drehbuch Claude Scasso, Patrick Benedek). Dass Zwischenmenschlichkeit ohne die Einheit der Person strapaziös ist; dass die Kirche außer Fanatismus aber auch keine Lösungen bietet, setzt Regisseur Olivier Guignard mit einigem Freiraum für Gedanken in den Bildern (Kamera Pascal Lagriffoul) um. Von der internationalen Jury des Festival Séries Mania wurde „Im fremden Körper“ 2017 als beste französische Serie ausgezeichnet.

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