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Serie „Das Boot“ bei Sky : Alle Mann auf Tauchstation

„Kaleun“ Klaus Hoffmann (Rick Okon, rechts) will mit seinen Männern überleben, Wachoffizier Karl Tennstedt (August Wittgenstein) alle in den „Heldentod“ treiben. Bild: Sky Deutschland

Wolfgang Petersens Kinofilm „Das Boot“ ist ein Klassiker. Jetzt kommt „Das Boot“ als Serie bei Sky. Der Titel ist derselbe, der Stoff ist es ganz und gar nicht.

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          Am Anfang steht für Kapitänleutnant Klaus Hoffmann der Skrupel. „Soll ein Kommandant, wenn er die Lage für aussichtslos hält, das Leben seiner Männer aufs Spiel setzen?“ Für seinen Stellvertreter, den Ersten Wachoffizier Karl Tennstedt, stellt sich die Frage nicht. „Aussichtslosigkeit“, sagt er, „ist keine Tatsache, sondern ein Gemütszustand, den man überwinden muss. Das Schlüsselelement ist Unerbittlichkeit.“ Der Satz könnte von Hoffmanns Vater stammen, einem legendären U-Boot-Führer. Sein Handbuch „Fürchte nicht die Tiefe“ ist Tennstedts Bibel. Dabei träumt er jede Nacht davon, wie es ihn selbst in die Tiefe zieht. Die Albträume bekämpft er mit Pervitin. Ist er auf Droge, entspricht sein Gemütszustand dem markigen Wort von der Unerbittlichkeit im Dienste des „Endsiegs“. Aus diesem Stoff sind Männer gemacht, die in einen sinnlosen Tod gehen und glauben, sie wären Helden.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Simone Strasser weiß nicht, wer sie ist. „Vos papiers“, herrscht sie der Kontrolleur im Zug an. Sie antwortet auf Französisch, dann auf Deutsch. Eine Deutsche? Simone Strasser ist Elsässerin. In Deutschland hält man sie für eine Französin, die Franzosen verorten sie im Nirgendwo. Bald schon findet sich die Übersetzerin, die zur deutschen Kriegsmarine in La Rochelle versetzt worden ist, nicht nur sprachlich auf beiden Seiten, mittendrin, zwischen den Fronten. Der Gestapo-Chef Harder hat ein Auge auf sie geworfen. Die örtliche Zelle der französischen Résistance, allen voran die Amerikanerin Carla Monroe, setzt darauf, dass ihr Simone Strasser nicht nur gezwungenermaßen zuarbeitet. Die Résistance hat ihren Bruder Frank, der als Funker auf dem U-Boot U-612 dient, mit dem „Kaleun“ Hoffmann ausläuft, wegen dessen jüdischer Freundin in der Hand.

          So geht es los mit der Geschichte, welche die Serie „Das Boot“ aus dem von den Deutschen besetzten Frankreich im Herbst 1942 erzählt. Sie ist also eine ganz andere als die des legendären Kinofilms „Das Boot“ von 1981. In dem schilderte Wolfgang Petersen nach der Buchvorlage von Lothar-Günther Buchheim einzig das Geschehen an Bord von U-96. Er zeigte, wie die „Grauen Wölfe“, die gefürchteten Jäger der Meere, zu Gejagten werden; wie U-96 zum stählernen Sarg zu werden droht. Fünfzig Mann auf dem 67 Meter langen Boot, in drangvoller Enge, ständig auf der Lauer, unter Beschuss, verfolgt von den Alliierten, die doch eigentlich sie fürchten sollten.

          Bei einem Attentat wird Simone Strasser (Vicky Krieps) verletzt.

          Der Kameramann Jost Vacano setzte das im in den Bavaria Studios in München nachgebauten U-Boot so packend in Szene, dass einem die Bilder heute noch präsent sind, die Bilder und die Gesichter von Jürgen Prochnow, Herbert Grönemeyer, Klaus Wennemann, Uwe Ochsenknecht, Martin Semmelrogge, Heinz Hoenig und all den anderen.

          Vacano setzte Maßstäbe für den Action- und Kriegsfilm. Um den gerechten Lohn in pekuniärer Hinsicht kämpft er bis heute. Denn er erhielt seinerzeit zwar ein Honorar von 180.000 Mark, aber keine Erfolgsbeteiligung an dem Film, der für die Bavaria Millionen einspielte und von der ARD, die über den WDR Haupteigner der Bavaria ist, unzählige Male im Fernsehen gezeigt wurde, bis – Vacano zu prozessieren anfing. Einmal 600.000 Euro und einmal 315.000 Euro hat er erstritten, aber noch nicht erhalten. Die ARD trägt das Verfahren bis zum Bundesgerichtshof.

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