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Serie „Camping“ bei Sky : Wenn die „Girls“ zelten gehen

  • -Aktualisiert am

Jandice (Juliette Lewis) ist im Gegensatz zu Kathryn ziemlich unverkrampft. Bild: Die Verwendung ist nur bei reda

In einem gewissen Alter ist Zelten mit Freunden nicht unbedingt die beste Idee: Die neue Lena-Dunham-Serie „Camping“ mit Jennifer Garner wurde heiß erwartet. Leider ist sie ein ziemlicher Reinfall.

          „Camping“ war eine der meist erwarteten Serien des amerikanischen Fernsehherbstes: Aufbereitet von der „Girls“-Erfinderin Lena Dunham und ihrer Produktionspartnerin Jenni Konner nach einer gleichnamigen englischen Serie, spielt Jennifer Garner die Hauptfigur der Serie, mit Juliette Lewis und David Tennant sind weitere prominente Schauspieler an Bord. Die Geschichte – eine Handvoll Städter trifft sich zum Zeltwochenende im Wald – klang vielversprechend, wie gemacht für eine Komödie über die Macken und Neurosen einer Gruppe von Mittvierzigern, die sich ein paar Tage aus ihrer Komfortzone herauswagen.

          Überraschenderweise aber stimmt in dem achtteiligen Wildnis-Ausflug fast nichts. Jennifer Garners Figur ist ein Kontrollfreak: Die über alle Maßen verkrampfte Kathryn hat den Trip zum fünfundvierzigsten Geburtstag ihres Mannes Walt (Tennant als kleinlaut Leidender) organisiert. Sie tadelt ihre Schwester Carleen (Ione Skye), die als naiver Gutmensch neben ihrem Mann Joe (Chris Sullivan) ihre düster dreinblickende Teenager-Tochter Sol (Cheyenne Hayes) im Schlepptau hat. Kathryn hatte nämlich ein „Kinderverbot“ verhängt. Ihr eigener verhätschelter Sohn Orvis (Duncan Joiner) ist davon natürlich ausgenommen.

          Walts drogensüchtiger Kumpel George (Brett Gellman) kommt mit seiner Frau Nina-Joy (Janizca Bravo), die mit Kathryn offenbar in eine Fehde verstrickt ist, immerhin aber über eine gewisse Bodenhaftung verfügt. Und Miguel (Arturo Del Puerto) hat seine Ex gegen die lässige Jandice (Juliette Lewis) eingetauscht. Sie ist der laszive Gegenentwurf zur verspannten Kathryn. Die ist dann auch dem Kollaps nahe, als Jandice beim Vogelbeobachtungsausflug nackt in einen See springt und die anderen zur spontanen Planscherei anstiftet. „Darf ich euch daran erinnern, dass niemand Sonnenschutzcreme trägt?“, ruft Kathryn verzweifelt. Überhaupt: „Ich bin die einzige hier mit einem Rettungsschwimmerabzeichen!“ Als Badetag war schließlich ein anderer geplant.

          Bedenkenträgerin: Jennifer Garner geht campen.

          Der leichte, nachdenkliche Tonfall von ähnlich gelagerten Komödien wie „The Big Chill“, den „Camping“ nach den Worten von Jenni Konner anstrebt, stellt sich nie ein. Stattdessen ist Kathryn Primus inter Pares einer Gruppe unausstehlicher Menschen, zwischen denen fortwährend Zwietracht herrscht.

          Man mag sich vorstellen, dass so etwas mit einer britischen Besetzung besser funktioniert als mit infantilen amerikanischen Großstädtern. Jennifer Garner ist kein John Cleese und ihre Figur ist in Wahrheit auch nur so unausstehlich, weil sie unter einer schmerzhaften Unterleibserkrankung leidet und nach zahllosen Fehldiagnosen und erfolglosen Operationen nichts mehr dem Zufall überlassen will. Das freilich macht ihren Matratzenklau in den Nachbarzelten („Soll ich etwa dein Geburtstagswochenende mit einem dysfunktionalen Unterleib verbringen?“, blafft sie ihren Gatten an) nicht witziger.

          Kurz vor der Ankündigung von „Camping“ im Sommer gaben Jenni Konner und Lena Dunham bekannt, dass sie ihre gemeinsame Produktionsfirma auflösen und künftig jeweils eigene Projekte verfolgen. Dem damals bereits abgedrehten „Camping“ sieht man an, dass dies ein weiser Entschluss ist. Mit diesen Figuren ein Wochenende im Wald zu verbringen, ist einfach kein Vergnügen.

          Camping, heute, Freitag 14. Dezember, um 21.10 Uhr bei Sky Atlantic.

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