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ZDF-Serie „Familie Braun“ : Zwei Dumpfbacken und ein Findelkind

  • -Aktualisiert am

Was ist eigentlich ein Hakenkreuz? Vincent Krüger (l.), Nomie Lane Tucker (M.) und Edin Hasanovic (r.) sind die Hauptdarsteller in „Familie Braun“. Bild: ZDF und c.pausch-fotografie

Mit der Serie „Familie Braun“ will das ZDF rechtsradikale Ideologie mit Humor und unter Einsatz der Youtube-Szene schlagen. Das kann man versuchen. Dann muss man es aber auch gut machen.

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          Marshall McLuhan ist unschuldig. Die zweitbekannteste Floskel des Kommunikationstheoretikers lautet zwar, „dass der ,Inhalt‘ jedes Mediums immer ein anderes Medium ist“. Gemeint war: Das Buch ist der Inhalt des Theaters, das Theater der des Films. Fortgesetzt: Das Fernsehen ist der Inhalt des Internets. Die These mag mäßig erhellend sein, hat aber zumindest eine klare Richtung, immer runter den Kanal nämlich. Keinesfalls ist sie umkehrbar. Ein altes Medium, das sich ein neues einverleibt, wirkt einfach nur zombiehaft. So entstehen Fremdschäm-Phänomene wie die Netzkommentare-Vorleserinnen am Talkshow-Katzentisch, Fachbegriff: „Twitter-Tussi“.

          Aber man wird nicht schlauer bei den Sendern. Immer wieder muss sich die dicke Tante Fernsehen ins sexy Digital-Kleidchen zwängen und soll dann auch noch lässig tanzen. Der neueste Unfall hört auf den Namen „Familie Braun“, wird zurzeit heftig beworben und stammt vom ZDF. Es ist wieder einmal der Versuch, Ästhetik, Humor und Hipness von Web-Serien auf den wahren Bildschirm zu holen, und zwar unter tätiger Mithilfe von „Youtube-Stars“ wie Florian Mundt (LeFloid), Max Krüger (Doktor Froid) und Steven Schuto (Space Frogs).

          Man kann – aber man muss dann auch

          In sechsminütigen Folgen setzen sich Autor Manuel Meimberg und Regisseur Maurice Hübner „humorvoll mit dem Thema Rechtsradikalismus“ auseinander, heißt es in der Pressemitteilung des ZDF. Schon daran ist alles falsch. Rechtsradikalismus ist kein „Thema“, sondern ein Schandmal, eine Bedrohung unserer Rechtsordnung und Humanität. Während soziale Netzwerke überquellen vor Hasspredigten im Jargon des Unmenschen, während rechtsradikale Bewegungen auf dem Vormarsch sind, kann man in einem solchen Moment den Rechtsradikalismus humorvoll behandeln?

          Trailer : Familie Braun

          Die Antwort lautet: ja, natürlich kann man das. Aber man muss es sehr, sehr gut machen. Hintersinnig, historisch versiert, schauspielerisch überzeugend. Nichts davon ist „Familie Braun“, sondern eine unfassbar platte Comedy-Serie, die sich - jedes Klischee melkend - von Pointe zu Pointe hangelt, storytechnisch auf der Stelle tritt und dabei noch einmal das schon fragwürdige Niveau der letztjährigen Kino-Farce „Heil“ unterbietet. Die Situation: Zwei Witzfiguren von Neonazis, mit Nachnamen Stahl und Braun, beide höchst sympathisch (zumal man ihnen die rechtsradikale Mentalität keine Sekunde abnimmt), werden aus ihrem Neonazitrott gebracht durch eine plötzlich aufgetauchte dunkelhäutige Tochter (Nomie Lane Tucker), die niedlich lächelnd naive Fragen stellt: „Was ist ein Hakenkreuz?“ „Seid ihr schwul?“ Während die eine Dumpfbacke - der eigentlich großartige Schauspieler Edin Hasanovic - plötzlich Verantwortungsgefühl für sein Kind und sein Leben entwickelt, will die andere Dumpfbacke - „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“-Schönling Vincent Krüger - das „Negerkind“ aussetzen, verkaufen oder wenigstens richtig erziehen, etwa mittels Bettlektüre aus „Mein Kampf“.

          Die emotionalen Erschütterungen der Figuren bleiben nicht nachvollziehbar. Wenigstens mittelgut ist eigentlich nur eine einzige Szene: Vor dem Besuch von Laras Lehrer Bärenkamp (Stephan Grossmann) wird die ganze Wohnung neu hergerichtet, aber dann handelt es sich bei dem Lehrer um einen bekennenden Neonazi, der dem Vater rät, für seinen „Mischling“ eine neue Schule zu suchen. Weil die Aufmerksamkeitsspanne im Netz - die Filmchen sind von diesem Freitag an bei Youtube zu sehen, vom 12. Februar an im ZDF - offenbar nicht länger als zehn Sekunden währt, muss ständig neu angesetzt werden, wobei die Häppchen gerne mit kleinem Tusch und flimmernder Titeleinblendung voneinander abgetrennt sind. Auch wenn der Rechtsradikalismus hier auf zwei knuffige, adoleszent übermütige Jungs beim Kartoffeldruck reduziert wird, muss man vielleicht nicht gleich die Verharmlosungs-Keule auspacken. Aber ästhetisch und dramaturgisch ist Empörung gestattet: Da darf die Youtube-Szene einmal ran - und mehr hat sie nicht zu bieten? So bekommt man den Kanal nicht wieder frei.

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