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Krimiserie „Stalker“ bei Sat.1 : Sie werden dich kriegen

Tragen keine Samthandschuhe: Maggie Q und Dylan McDermott Bild: Sat.1

Als gesellschaftliches Phänomen wird es immer brisanter. Nun hat es eine eigene Fernsehserie bekommen. Will „Stalker“ das Krimigenre erweitern?

          Vor diesem Anruf hat sich die junge Frau gefürchtet. Und sie hat ihn erwartet. „Ich sehe, du kommst gerade nach Hause, Kate“, flüstert jemand ins Telefon. Einen Augenblick später steht er vor ihr, der Stalker: Sturmmaske vor dem Gesicht, in der einen Hand den Benzinkanister, in der anderen das Feuerzeug. Er will seinem Opfer einen qualvollen Tod bereiten. Und wir müssen mitansehen, wie er das anstellt. Ein brennender Wagen rauscht die Straße entlang, für einen Augenblick scheint es, als könne das Opfer entkommen. Doch das ist ein Irrtum.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Krimiserie „Stalker“ beginnt mit dem maximalen Schockeffekt und setzt eine grausame Tat denkbar explizit in Szene. Das ist reichlich überflüssig, aber es ist die Schule des Produzenten Kevin Williamson, der unter anderem die Drehbücher zu drei Filmen der „Scream“-Reihe geschrieben und sich die Serien „Vampire Diaries“ und „The Following“ ausgedacht hat. Auf erlesenen Horror hat er sich spezialisiert, und den bekommen wir jetzt in der „Stalker“-Variante.

          Social Media macht es möglich

          Das Sujet erläutert Lieutenant Beth Davis (Maggie Q) eingangs in einer Vorlesung vor mäßig interessierten Studenten: Sechs Millionen Menschen werden in den Vereinigten Staaten jedes Jahr Opfer von Stalking, es trifft eine von sechs Frauen und einen von neunzehn Männern. Jemanden zu überwachen und ihm nachzustellen, herauszufinden, wer sich wann wo aufhält und was er gerade unternimmt, war noch nie so leicht wie heute. Man muss kein Mitarbeiter der NSA sein, Social Media macht es möglich. In Netzwerken geben viele so viel von sich preis, dass man die Einzelheiten nur sammeln muss, um sie rasch zu einem vollständigen Profil zu verknüpfen. Goldene Zeiten für Leute, die anderen nachstellen.

          Um diese Täter kümmert sich bei der Polizei von Los Angeles die „Threat Assessment Unit“. Beth Davis führt die Truppe an, sie stolziert umher wie ein Model, gibt sich aber kernig wie ein Rekrutenausbilder. Der neue Kollege, Detective Jack Larsen (Dylan McDermott), stellt sich vor, schaut ihr eine Sekunde zu lang in den Ausschnitt und hat erst einmal verloren. Seinen Mister-Cool-Auftritt vergeigt er mächtig, doch das macht er bald durch seine kundigen Einschätzungen am Tatort wett. Die beiden mögen sich nicht, doch ihre Zusammenarbeit läuft wie am Schnürchen. Was mit ihnen persönlich los ist, bekommen wir auch bald mit: Sie ist selbst gestalkt worden, er ist selbst ein potentieller Stalker. Sie weiß, wie den Opfern zumute ist, und vergisst auch schon einmal die Dienstvorschrift, wenn es darum geht, einem Täter Bescheid zu geben. Er hat sich von New York nach Los Angeles versetzen lassen, um in der Nähe seiner Exfrau und vor allem seines Sohnes zu sein, den er nicht sehen darf. Sie ist resolut bis knallhart, er ist zwielichtig bis unberechenbar. Daraus lässt sich im Lauf der Serie einiges entwickeln.

          Angelegt ist das alles nur leider von der ersten Minute an erkennbar nach Schema F: Gewalt ausführlich, Täterpsychologie nach dem von einer Serie wie „Criminal Minds“ in extenso geübten Muster, zwei Fälle pro Ausgabe, davon gern einer, der einen Handlungsbogen über mehrere Folgen hinweg spannt, die übliche Phalanx der Verdächtigen, routinierte Verhöre, eine Reibung garantierende, optisch ansprechende Ermittler-Combo, das alles fix geschnitten, gut geölt, fertig ist die Serie mit Erfolgsgarantie: Nach den ersten vier Folgen, die beim Publikum bestens ankamen, hat der amerikanische Sender CBS eine Staffel mit zwanzig Episoden bestellt. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass „Stalker“ mehr als eine Fernsehsaison übersteht. Wirklich gelungen erschiene sie aber nur, wenn sie aus ihrem eigentlichen Thema mehr und etwas anderes macht als in der aufgedonnerten Auftaktepisode.

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