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Netflix-Serie „The Eddy“ : Man muss Jazz schon sehr mögen

Eindeutig ein Jazzclub, man muss sich nur die Wände ansehen: Szene aus „The Eddy“ Bild: Netflix

Körnige Bilder aus der Handkamera, komplizierte Probleme von komplizierten Menschen und immer wieder musikalische Unterbrechungen: Die Netflix-Serie „The Eddy“ bremst sich selbst aus.

          2 Min.

          Dies ist ein Intro, in dem eine Jazzband spielt. In einem Club, der überall sein könnte, aber er ist eindeutig ein Jazzclub, denn die Farbe an den Wänden ist genau im richtigen Maß abgeplatzt, um den internationalen Standards für Jazzclubs in Serien zu entsprechen. Zufällig liegt dieser in Paris, das spielt ästhetisch ansonsten keine Rolle, weil weite Teile von „The Eddy“ nachts spielen und sich nicht mit pittoresken Stadtaufnahmen aufhalten.

          Julia Bähr
          Audience Managerin bei FAZ.NET.

          Jetzt improvisiert jemand auf der Trompete. Aus Gründen, die zunächst im Dunkeln liegen, hat es den New Yorker Jazzpianisten Elliot Udo (André Holland) hierher verschlagen: Der Club gehört ihm und seinem Partner Farid (Tahar Rahim), der für die Finanzen zuständig ist und dabei, wie Elliot in der ersten Episode feststellt, ein paar Kapriolen und halbseidene Deals unternommen hat. Das ist aber nur eines von Elliots Problemen. Minutenlanges melancholisches Klavierspiel. Eins der anderen Probleme heißt Julie (Amandla Stenberg), ist seine halbwüchsige Tochter und zieht spontan bei ihm ein. Mit ihrer Klarinette natürlich, und so freut der Zuschauer sich sofort auf weitere musikalische Zwischenspiele, die die ohnehin zähe Handlung ähnlich bremsen wie ihre Erwähnung diesen Absatz.

          Dabei ist gegen musiklastige Serien und Filme überhaupt nichts einzuwenden. Bei „La La Land“, dem großen Erfolg von Damien Chazelle, der bei den ersten Folgen dieser Serie auch Regie geführt hat, war die Musik elegant eingebettet. Die Musik in „The Eddy“ ist außerdem wirklich gut – dafür war unter anderem der sechsmalige Grammy-Gewinner Glen Ballard verantwortlich. Aber man muss Jazz schon sehr mögen, um sich nicht dauernd zu fragen, ob Autor Jack Thorne diese bräsige Erzählweise wirklich beabsichtigt hat.

          Was man außerdem sehr mögen sollte, wenn man „The Eddy“ anschauen will: Handkameras (und wo kommen wir da hin, wenn man versucht, eine Handkamera möglichst ruhig zu halten, dann merkt ja am Ende nicht jeder, dass es eine Handkamera ist, also schütteln wir sie doch mal wie einen Caipirinha). Komplizierte Probleme von komplizierten Menschen, über die er ansonsten noch überhaupt nichts weiß, sollten den idealen Zuschauer auch begeistern.

          Außerdem müsste er eine Schwäche haben für Streit, der häufig davon handelt, ob die Sängerin der Hausband und Verflossene von Elliot (Joanna Kulig) nun gerade gut singt oder nicht so gut oder es doch besser eine Quarte höher versuchen soll. Das jedenfalls ist sehr authentisch, wie im echten Leben: Fast jedes Bandmitglied hat etwas dazu zu sagen, und wer nichts dazu zu sagen hat, wird von den anderen gezwungen, trotzdem etwas zu sagen. Neben Streit und Musik geht alles, was psychologisch oder soziologisch interessant sein könnte, leider unter. Übrig bleibt eine Art verschrobenes Musikvideo, das für sein Genre doch ziemlich lang geraten ist.

          The Eddy ist auf Netflix verfügbar.

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