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Netflix-Serie „Osmosis“ : Und hier ist Ihr Herzblatt!

Was stellt die Liebe mit uns an? Und was die Künstliche Intelligenz? „Osmosis“ geht beidem auf den Grund. Bild: Jessica Forde/Netflix

Tausche Daten gegen Liebe: Die französische SciFi-Serie „Osmosis“ handelt von der Suche nach dem perfekten Lebenspartner. Dafür lassen sich Menschen einen Chip einpflanzen. Die Folgen sind erheblich.

          2 Min.

          Simon ist ganz und gar nicht das, was Ana sich vorgestellt hat. Er ist Fitnesstrainer, sie hasst Sport, er hat nie „Madame Bovary“ gelesen. Was soll Ana mit so einem? Die Liebe finden, sagt der Computer. Immerhin wurde Ana eigens ein Implantat eingepflanzt, das aus allen verfügbaren Datenprofilen des Internets den perfekten Mann für sie herausgefiltert hat. Ihren Seelenverwandten. Und das ist nun Simon, auch wenn der davon noch nichts ahnt.

          Julia Bähr
          Koordinatorin F+Inhalte und redaktionelles SEO.

          Jeder ist auf der Suche nach seinem Seelenverwandten: Das ist nicht nur die Prämisse der Serie „Osmosis“ von Audrey Fouché, sondern auch die des gleichnamigen Unternehmens, das die Geschwister Esther (Agathe Bonitzer) und Paul (Hugo Becker) gegründet haben. „Ihr erlebt die absolute emotionale Osmose“, versprechen sie ihren ersten zwölf Testkandidaten. Dafür müssen sie Implantate schlucken, die im Gehirn einen Schwarm Nano-Roboter freisetzen. Von da an überwacht Osmosis den Hormonspiegel der Eleven. Und das ist nicht der einzige Grund, warum es um das Projekt Ärger gibt in der Ethik-Kommission der medizinischen Akademie.

          „Osmosis“ springt zwischen den Charakteren, ohne dabei an Tiefe zu verlieren.
          „Osmosis“ springt zwischen den Charakteren, ohne dabei an Tiefe zu verlieren. : Bild: Jessica Forde/Netflix

          Das ist das Erfreuliche an dieser Serie: Es ist Science Fiction, aber sie wird in die Realität eingebettet. Statt der geheimnisvollen Raumschiffatmosphäre wie etwa bei der Serie „Maniac“ mit Emma Stone und Jonah Hill, die ebenfalls Versuchskaninchen sind, herrscht hier lässige Start-up-Atmosphäre. Junge Typen in bedruckten Hemden verteilen Wasser, man fürchtet die Konkurrenz ein wenig, und die einzige, deren Wohnung aussieht wie aus der fernen Zukunft, ist Mastermind Esther. Die hat noch eine ganz eigene Agenda: Ihre Mutter liegt im Koma, und Esther hofft, sich Gehirnkapazität für sie von einem Probanden ausleihen zu können. Dass das illegal ist, teilt ihr sogar der Supercomputer mit, der es für sie einfädeln soll.

          Menschen vertrauen also ihre Daten und ihre physische Integrität einem Unternehmen an, das ihnen die Liebe verspricht. Sind wir wirklich so verzweifelt? Die Suche nach dem Seelenverwandten ist schon seit Platons Kugelmenschen ein wiederkehrendes Motiv in allen Kunstformen, und wie bei Platon spielt die sexuelle Dimension auch hier keine kleine Rolle. Tatsächlich machen einige Testpersonen aus Gründen mit, über die man trefflich philosophieren kann. Der junge Mann mit der Pornosucht, der hofft, die Liebe könne ihn heilen. Der Mann, der liiert ist, aber an seiner Beziehung zweifelt. Repariert Liebe wirklich alles, oder muss man erst mal an sich arbeiten, weil der Seelenverwandte sonst nicht zu beneiden ist?

          Wie Esther und Paul überhaupt auf den Gedanken für Osmosis gekommen sind, wird in Rückblenden gezeigt: Paul lag im Wachkoma, und Esther wollte mit einem Implantat seine Nerven stimulieren. Das weckte ihn tatsächlich auf – und zeigte ihm in einem unerwarteten Nebeneffekt ein Gesicht, das Gesicht von Joséphine. Esther fand sie für ihn, sie wurde seine Freundin. Es ist die große Liebe, sagen beide, sie sind Seelenverwandte. Aber dann verschwindet sie ohne Ankündigung, und es ist unklar, ob sie entführt wurde. Sicher ist nur: Wenn sie ihn einfach verlassen hat, sind die Implantate für die Katz.

          „Osmosis“ springt zwischen all diesen Menschen hin und her, erzählt rasch und lässt sich trotzdem Zeit für Momente, in denen die romantischen Gefühle der Testpersonen aufwallen. Außerdem fällt einem erst auf, wie oft man die immer gleichen Hollywood-Gesichter sieht, wenn man es plötzlich mit Schauspielern zu tun hat, die man noch nie gesehen hat und die hervorragend sind – dafür sind französische Filme und Serien immer wieder gut. Jede Figur hat etwas Besonderes, und gerade das intellektuelle Mauerblümchen Ana (Luna Silva) schillert in vielen Facetten. Kleine logische Verzerrungen, etwa die Tatsache, dass so viele ihren Seelenverwandten direkt in Paris finden und nicht zu ihm reisen müssen, sind da leicht zu verschmerzen.

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