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Fernsehserie „Undercover“ : Belgische Verhältnisse

  • -Aktualisiert am

Verdeckte Ermittler: Bob Lemmens (Tom Waes) und Kim De Rooij (Anna Drijver) geben zu Tarnungszwecken ein verliebtes Paar. Und bekommen sich mächtig in die Haare. Bild: ZDF und Jo Voets

In der Provinz blüht das Verbrechen: In „Undercover“ nutzen Ecstasy-Dealer die Idylle als Tarnung. Ebenso spannend wie der Plot ist das Produktionsmodell: ZDF und Netflix machen gemeinsame Sache.

          Limburg: Wer hier wohnt, scheint lebendig begraben. Die verschlafene belgische Provinz ist bekannt für ihre Apfelproduktion und ihren Genever. Der Tourismus setzt auf Wandern und Fahrradfahren. Es gibt nichts Aufregendes zu sehen, außer eben Landschaft, vorwiegend flach, mit Kühen. Und fettige Fritten auf dem Rummel. Teddybärenschießen mit nölenden Kleinen als Höhepunkt des Wochenendes oder Absacken in der Dorfdisco mit der lokalen Billigversion von Laszivtanz. Und viel Alkohol. Man könnte Limburg für das Zentrum einer biederen Hinterwäldlergemütlichkeit halten, aber das ist nur die sichtbare Oberfläche. Sie kommt denen zupass, die insgeheim das große kriminelle Rad drehen, denn ein weiterer Exportschlager sorgt für das große Geld: Pillen. Limburg – das Kolumbien des Ecstasy, so nennen es die etwas anderen Empfehlungsbroschüren.

          Die Geschäfte führt Ballonseidenliebhaber Ferry Bouman (Frank Lammers), eine Art Tony-Soprano-Figur. Seine Gerissenheit zu unterschätzen, sein Misstrauen herauszufordern ist lebensgefährlich. Rasch ist man bei ihm nicht nur lebendig, sondern auch tot begraben. Sein innerer Zirkel, Geschäftsführer und Schwager John Zwart (Raymond Thiry) und der aggressionsgestörte Ex-Kickboxer Jurgen van Kamp (Kevin Janssens), wirkt wenig smart, dafür umso skrupelloser. Der Familienzusammenhalt ist genauso ausgeprägt wie bei der Mafia in New Jersey. Das Gesetz des Schweigens gilt auch auf den Schrottplätzen und im Fußballstadion, beim Grillen auf dem Campingplatz und beim Hundefrisör, den Boumans sehr naive Frau Danielle (Elise Schaap) besucht, wenn sie nicht beim „Heiler“ Ludo (Stefan Perceval), einem Drecksack vor dem Herrn, Aurareinigungsspray erwirbt.

          Zu Boumans Ecstasy-Familie Zugang zu suchen ist brandgefährlich. Der Plan, den Drogendezernatsleiter Marc Gevers (Robbie Cleiren) der Staatsanwältin vorträgt, wirkt riskant. Zwei erfahrene Undercover-Polizisten, Bob Lemmens (Tom Waes) und Kim De Rooij (Anna Drijver), ziehen dennoch als verliebtes Paar Peter und Anouk in den Campingwagen neben Boumans Wochenend-Bungalow. Ihr Vorgesetzter Nick (Manou Kersting) leitet die Operation von Antwerpen aus. Während Bob von Ferry unter die Lupe genommen wird, gelingt Kim der Zugang zu Danielle. Abgestimmte Zusammenarbeit aber sieht anders aus. Bob ist für Sicherheit, Kim für Risiko. Was niemand weiß: Bouman hat einen Informanten bei der Polizei.

          „Undercover“, eine zehnteilige deutsch-belgische Koproduktion von ZDFneo und Netflix, beruht auf wahren Begebenheiten, wie es heißt. Chefproduzent Nico Moolenaar macht aus ihnen eine stil- und tonsichere, prollig-plüschige „Belgian Noir“-Variante. Gewalt ist alltäglich, die Frauen sehen fern, die Männer haben ihre Angetrauten „im Griff“, sonst respektiert sie keiner, Machoattitüde ist überhaupt Trumpf, und Bob und Kim bekommen das Spiel einfach nicht fehlerfrei hin. Großganoven geben Kleinganoven. Unterschätztwerden sichert das Business. Womit man wieder bei Limburg wäre, als Provinz und als Metapher. Als Genrefernsehen taugt „Undercover“ unbedingt. Das Produktionsmodell – neben dem Sender ZDFneo und dem Streaminganbieter Netflix sind weitere europäische Partner im Boot – ist wie bei „Babylon Berlin“ zukunftsweisend. Davon gern mehr.

          Die Serie Undercover beginnt heute um 21.45 Uhr bei ZDFneo und ist bei Netflix verfügbar.

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