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Zweite Staffel von „Bad Banks“ : Die Dinosaurier aus den Doppeltürmen

Der Kampf der Gladiatorinnen geht in die nächste Runde: Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch, links) und Jana Liekam (Paula Beer) sind ein unberechenbares Duo. Bild: ZDF

Auch im Geschäft mit der Nachhaltigkeit wird unfair gedealt: Die ZDF-Serie „Bad Banks“ geht in die zweite Staffel und erzählt davon, wie ein ökonomisch so herausforderndes Milieu auf die Psyche von Menschen wirkt.

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          Ein Spesenrestaurant in der Frankfurter City. Die Mittagssonne wirft ein mildes Licht, an den Tischen sitzen die Angestellten aus den Eckbüros der umliegenden Banktürme, als ein Mann die Szene betritt, dem der Sinn ganz gewiss nicht nach Bison-Rib-Eye-Steak steht. Die Kamera (Ngo The Chau, Moritz Kaethner) ist Quirin Sydow dicht auf den Fersen, als dieser zielstrebig durch den Gastraum bis ins entlegene Separée eilt, das eigentlich sein Jagdrevier ist. Nur dass hier diesmal ein Hinterzimmerdeal stattfindet ohne sein Zutun, schlimmer noch: Die Intrige richtet sich gegen ihn. Es ist eine Paradeszene für Tobias Moretti, der als gefürchteter Strippenzieher nun aber selbst so etwas wie masochistisches Gefallen an der Absurdität des Augenblicks findet, wenn er die Verschwörer konfrontiert: „Erst habe ich mit Dir gearbeitet. Dann mit ihm gegen Dich. Dann mit ihr gegen Dich. Dann Du mit ihr gegen mich. Dann ich mit Dir gegen ihn. Und jetzt Du mit ihm und ihr gegen mich.“

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Kürzer lassen sich die zurückliegenden Ereignisse nicht beschreiben, treffender allerdings auch nicht. Dass die Allianzen in der hier beschriebenen Sphäre der Hochfinanz vor dem Hintergrund eines kollabierenden Banksystems brüchig sind, die Verhältnisse von Macht und Einfluss sich immer aufs Neue verschieben, dass die Akteure auf dem Parkett des Investmentbankings nicht nur andere vor sich hertreiben, sondern immer auch selbst Getriebene sind, was nicht allen gut bekommt, das verleiht der Serie „Bad Banks“ ihren flirrenden, atemberaubenden Sog auch in der zweiten Staffel, die von heute an bei Arte zu sehen ist.

          Die filmische Erzählung über etwas so Abstraktes wie Geld, Bilanzen und Derivate aus der Feder von Oliver Kienle, der schon die Bücher der ersten Staffel geschrieben hat, setzt Christian Zübert, der Christian Schwochow als Regisseur abgelöst hat, als optisches Schleudertrauma um. Dabei beginnt es zunächst mit lähmendem Stillstand. Wir erinnern uns: Die erste Staffel endete im Schreckensszenario eines implodierenden Finanzsystems. Hinter den Spiegelfenstern der Frankfurter Doppeltürme, in denen die fiktive Großbank Global Invest residiert, hatte man sich verzockt im Handel mit Schrottpapieren. Die letzten Bilder zeigten eine Stadt in Aufruhr mit aufgebrachten Bürgern, die um ihr Erspartes gebracht worden waren und Straßenschluchten abfackelten.

          Wie lässt sich der staatliche Regulierungswille umschiffen?

          Sechs Monate sind seither vergangen, im Bankensektor wurde aufgeräumt, aber nur halbherzig. Zwar sitzt der charismatische Dealmaker Gabriel Fenger (Barry Atsma) vorerst noch in Haft, er wurde kurzerhand zum Gesicht der Krise erklärt, weil jedes Ereignis ein Image benötigt. Deshalb hat er nach seiner vorzeitigen Entlassung auch mit Kontaktschuld zu kämpfen, im Spesenrestaurant wird er nicht mehr bedient. Die wahren Übeltäter aber, darunter Quirin Sydow, wurden verschont, andere wie die von Désiree Nosbusch hinreißend maliziös verkörperte Christelle Leblanc als Leiterin des Investmentbankings weggelobt und stillgestellt. Vor allem lähmen all die neuen Vorschriften, die den Banker verstärkt in Haftung nehmen und beim Kunden für mehr Transparenz sorgen sollen. So will es der dynamische Finanzminister, und so muss es nun darum gehen, wie sich der staatliche Regulierungswille am effektivsten umschiffen und dabei größtmögliche Transparenz simulieren lässt. Es gehört ja zu den Wahrheiten dieser Fiktion, was Banker hinter vorgehaltener Hand durchaus selbst erzählen: dass auch sie die schwindelerregenden Konstrukte, die sie mit Hilfe von Logarithmen schnüren, nicht mehr verstehen. Wie sollen sie das dann aber anderen erklären?

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