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„Hidden Agenda“ bei ZDFneo : Fragen, auf die lange Stille folgt

Ungleiches Ermittlerteam: Teddy (Alexej Manvelov) und Emily (Josefin Asplund) Bild: ZDF und Johan Holmquist

Viel gedimmtes Licht, eine Prise eingestreute Gewalt und das Schweigen als Stilmittel der Krimiabendwahl: Die deutsch-schwedische Serie „Hidden Agenda“ hätte es sich auch ein bisschen schwerer machen dürfen.

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          In einer verlassenen Wohnung lernen sie sich bei flackerndem Licht kennen. Sie wurde gerade von einem Vermummten stranguliert und in eine Ecke geschleudert. Er hat beim Versuch, ihr zu helfen, etwas mit dem Baseballschläger abbekommen. Während er sich im Bad das Blut vom Gesicht wäscht, nimmt sie sein Portemonnaie aus der Jacke, und als sie vor die Tür tritt, ist er schon verschwunden. So beginnen die gemeinsamen Ermittlungen der jungen Anwältin Emily (Josefin Asplund) und des frisch entlassenen Sträflings Teddy (Alexej Manvelov).

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Der Dialogkultur schwedischer Krimis hat den Ruf, nicht unbedingt zur Aufklärung der Sache beizutragen. Ermittler sind oft aus Missmuts- oder Traumagründen wortkarg, die kühlen Schauplätze gar nicht für den Rhetoriker-Showdown gemacht. Dramatik und Spannung wirken durch Blicke – und das, was im Gespräch weggelassen wird. Diese Requisiten der Fernsehkultur haben sich an langen, stillen Abenden auf dem Sofa bewährt. Veronica Zacco und die anderen Drehbuchautoren der deutsch-schwedischen Produktion „Hidden Agenda“ folgten also schlicht der Tradition, als sie sich an die Verarbeitung einer Romanvorlage des schwedischen Strafverteidigers und Autors Jens Lapidus machten.

          Teddy (Alexej Manvelov) ist nach seiner Entlassung aus der Haft nicht nach Feiern zumute.

          Auftritt der beiden sorgenvollen Einzelgänger. Der Nachfolger und Sohn eines mächtigen Firmenchefs ist in einer Partynacht kurz vor der Übernahme des Unternehmens verschwunden. Weil höchste Diskretion geboten ist, wird die in Geldnöten steckende, sich nach Anerkennung sehnende Emily auf den Fall angesetzt. Teddy soll seinen früheren Gangsterfreunden Bericht erstatten. Wir Zuschauer wiederum wissen dank unmissverständlicher Nahaufnahmen aus einem Versteck: Der Firmenerbe ist noch am Leben.

          Emily steht mit düsterem Blick auf der Terrasse der Wirtschaftskanzlei, in der sie arbeitet. Teddy sitzt mit ihr im Auto, sie wechseln kaum ein Wort, später deckt er sie vor den Ganoven. Warum? Das müssen wir uns selbst erschließen. Kaum eine Szene dauert länger als zwei Minuten. Die Begegnungen ziehen wie Diaaufnahmen vorüber, man möchte „Halt“ rufen, glaubt man doch zu verstehen, dass diese beiden, die aus so unterschiedlichen Milieus kommen, auf ganz ähnliche Weise gefangen sind. Da steckt etwas Faszinierendes in ihrer Verbindung, aber niemand wollte es erzählen. Lieber viel gedimmtes Licht, eingestreute Gewalt und immer wieder Fragen, auf die lange Stille folgt.

          ZDFneo zeigt alle acht Folgen der Serie am Stück. Das wäre dank guter Cliffhanger gar nicht nötig gewesen. Aber so hat sich auch diese neue Serie für den bewährt-verschwiegenen Krimiabend qualifiziert.

          Hidden Agenda, um 22 Uhr auf ZDFneo.

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