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Serie „Black Mirror“ : Das hält man im Kopf nicht aus

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Kennen wir die Herrschaften nicht irgendwo her? Eine Persiflage aufs „Raumschiff Enterprise“ gibt es bei „Black Mirror“ auch. Bild: Channel 4/Netflix

Die britische Sci-Fi-Serie „Black Mirror“ ist ein düsterer Geniestreich. Keine Episode gleicht der anderen, doch stets ist mit dem Untergang der Welt zu rechnen. Auch bei der Mutter, die ihrem Kind einen Chip in den Kopf pflanzt.

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          Wie zweigeteilt liegt Marie (Rosemarie Dewitt) auf dem Operationstisch. Unterhalb des Sichtschutzparavents bearbeiten die Ärzte ihren Bauch, oberhalb beruhigt sie die Anästhesistin. Dann ist das Baby draußen, aber es schreit nicht. Ärzte murmeln, beugen sich über ein Bündel. Die Angst kommt als plötzliche Schockwelle, als Schrei. „Ist sie okay?“ Dann das erlösende Krähen. Marie drückt ihre Tochter an die Brust. Es war ein Kaiserschnitt, eine Routine. Doch Marie bleibt in Panik, lebenslang. Sie hat ihrer Tochter mit Hilfe der Medizin das Leben geschenkt, als Mutter muss sie es erhalten, um jeden Preis. Sie wird zur Helikoptermutter und zu Doktor Frankenstein. Die Steuerung des Geschöpfs, meint Marie, muss vollkommen sein.

          Jodie Foster ist die Regisseurin der Auftaktfolge zur inzwischen vierten Staffel der britischen Anthologieserie „Black Mirror“, und sie inszeniert die knappe Stunde, in der sich „Erzengel“ („Arkangel“) nach dem Buch von Charlie Brooker schockierend nüchtern entfaltet, als konsequent unsentimentale Beobachterin der menschlichen Natur. Als eine „Art Ingmar-Bergman-Film mit Indie-Attitüde“, den Muttermythos sezierend. Da ist der geifernd kläffende Hund hinter dem Zaun auf dem Weg zum Spielplatz in der Nähe eines Bahnübergangs. Sara ist drei Jahre alt, Marie wird kurz abgelenkt, als die Kleine einer Katze folgt und verschwindet. Erst beim Sonnenuntergang finden Nachbarn das Kind an den Bahngleisen: Sie solle Sara besser im Auge behalten.

          Sie will die totale Kontrolle: Marie (Rosemarie Dewitt, links) lässt ihrer Tochter einen Chip einpflanzen.
          Sie will die totale Kontrolle: Marie (Rosemarie Dewitt, links) lässt ihrer Tochter einen Chip einpflanzen. : Bild: Netflix

          Das Technologieprodukt „Arkangel“ bietet die perfekte Lösung: ein kleines Gehirnimplantat beim Kind, das Tablet mit der Überwachungssoftware bei der Mutter. Marie kann sich jederzeit in Saras Blickfeld einschalten. Sie kann verstörende Inhalte, Gewalt, Pornographie und schlimme Worte verpixeln und akustisch verzerren lassen. Sie kann Saras Blutwerte checken und Nahrungsergänzungsmittel entsprechend anpassen. Sie hat die totale Kontrolle, und sie macht Gebrauch davon. Bis Sara als Neunjährige beginnt, sich gezielt zu verletzen.

          Eine besondere Form von Autismus, diagnostiziert der Psychiater. Das Erfahrungsspektrum des Kindes ist gänzlich eingeschränkt. Schon vor Jahren wurde der Testlauf für „Arkangel“ wegen solcher Nebenwirkungen beendet. Weg mit dem Tablet. Sara (Brenna Harding) ist fünfzehn, belügt ihre Mutter und probiert Drogen, als Marie der Versuchung nicht widerstehen kann und die Manipulation heimlich aufnimmt. „Arkangel“ schreibt den antiken Mythos der Medea auf technologiekritische Weise fort. Neben Medea tritt Marie – nicht weniger zerstörerisch, nicht weniger tragisch. Mit einem Unterschied: Marie besitzt, wie alle Figuren in Charlie Brookers „Black Mirror“-Universum, all die Social-Media-Fähigkeiten und -Abhängigkeiten, denen wir uns leichtfertig überantworten. Wir sind das Werkzeug, nicht das Gerät.

          Einmal zum Beamen, bitte, aber mit Stil: Szene aus „Black Mirror“.
          Einmal zum Beamen, bitte, aber mit Stil: Szene aus „Black Mirror“. : Bild: Netflix

          Chefproduzent Charlie Brooker ist ein britischer ehemaliger Humorist und Videospielrezensent, der schon vor dieser bahnbrechenden, mehrfach Emmy-ausgezeichneten Serie als Fernsehautor in Erscheinung trat (etwa mit „Dead Set“ 2008). Seit 2011 schreibt und produziert er „Black Mirror“. Jede Folge hat ein anderes Thema, die Verbindung liegt im übergeordneten Dystopie-Szenario. Der „schwarze Schirm“ ist die handliche Bildschirmoberfläche, in der wir uns spiegeln und die wir für den Zugang zur Welt halten. Die ersten beiden Staffeln, gezeigt vom britischen Sender Channel 4, bestanden aus jeweils drei Folgen, seit der dritten Staffel läuft die Serie bei Netflix.

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