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Serien und Shows : Die besten Momente des Jahres

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„The Crown“, Staffel 3, Episode 6

 (Netflix) „Twywysog Cymru“, das bedeutet „Prince of Wales“ auf Walisisch. Dass die Prinzen von Wales seit dem 13. Jahrhundert englisch sind, das finden die Waliser im Jahre 1969 immer noch nicht so toll: Und so soll der junge Charles (Josh O’Connor) die Rede für seine Ernennung auf der Landessprache halten – die er natürlich nicht beherrscht. Ausgerechnet der Nationalist Tedi Millwaed (Mark Lewis Jones) unterrichtet ihn, und anfangs ist es besonders unangenehm, den beiden zuzusehen: wie der grünschnabelige, etwas einsame Prinz seinem Professor stolz Zungenbrecher aufsagt; wie der Professor seinen Studenten über die einfachsten historischen Fakten des Landes aufklären muss – und ihm erklärt, warum die Waliser sich vom englischen Establishment nicht erkannt fühlen. So wie sich Charles nicht erkannt fühlt, von England, also seiner Mutter. Millwaed wird von einem Tutor zu einem Mentor, und Charles‘ drei Monate zu einem kleinen Coming-of-Age: als er schließlich die Rede hält, die er zu seiner macht, weil er sie kurz zuvor noch umschreibt. Und sie in einer Sprache vorträgt, die „Mummy“ nicht versteht – und so, auch als Engländer, doch zu einem walisischen Prinzen wird. Caroline Jebens

„Queer Eye“, Staffel 3, Folge 1 

(Netflix) Es war auch das Jahr von „Queer Eye“, jener Serie, die Reality TV auch für Leute geöffnet hat, die bislang damit gefremdelt haben, weil sie das Format für gestellt hielten. Dabei ist Fernsehen immer gestellt, Wahrheit entfaltet es erst in der Methode, mit der es Gegenwart ins Bild setzt. Hier ist es die Methode: Entertainment, und die Gegenwart ist die eines Landes, das sich für tief gespalten hält. Aber dann kommen Bobby, Jonathan, Antoni, Tan und Karamo und behaupten nicht, dass es nicht so wäre: Die Gegensätze sind das Material, aus dem sie die Formel fürs Zusammenleben formen. In der dritten Staffel treffen die fünf auf die Vollzugsbeamtin Jody aus Missouri, die nur Tarnfarben trägt und Kaninchen fürs Abendessen jagt. Antoni zeigt ihr, welche Delikatesse das ist, Tan zeigt, ihr, wie sie ihr Shirt im French tuck trägt. „Look at her!“, schreit er die vier anderen an, als er die neue Jody präsentiert, im überschlagenden Tonfall dieser Serie. Schaut genau hin: Das könnten wir nicht nur sein, das sind wir schon, wir müssen es nur erkennen. Tobias Rüther

„Skylines“, Folge 6 

(Netflix) Viel lernen konnte man in diesem Jahr über die Tücken des seriellen Erzählens beziehungsweise darüber, wie schnell der Versuch, wieder eine Serie mit hochkomplexer Geschichte und möglichst vielen Handlungssträngen zu versehen, in eine Sackgasse führen kann, aus der es kein Entkommen gibt. Nämlich dann, wenn man wie bei der deutschen Netflix-Produktion „Skylines“ partout nicht dem Drang widerstehen konnte, anstelle einer konsequent zu Ende gedachten ersten Staffel doch lieber gleich etwas Episches, sich über mehrere Staffeln Hinziehendes anlegen zu wollen. Denn eigentlich war das alles durchaus unterhaltsam, diese Geschichte aus der Frankfurter Halbwelt, die das klein- und großkriminelle Milieu mit dem Rap- und Finanzbusiness kurzschloss und durchaus Tempo hatte. Bloß irgendwann beim Drehbuchschreiben müssen die Autoren um Dennis Schanz so felsenfest von einer mindestens noch zweiten und dritten Staffel ausgegangen sein, dass sie in der letzten Folge einfach an jeden einzelnen Handlungsstrang einen Cliffhanger tackerten – sämtliche anerzählten Geschichten von Erpressung, Finanzbetrug, Mord, Liebe, Freundschaft, Karriere und Unternehmertum liefen erst einmal ins Nichts, was heiß machen sollte auf die nächste Staffel. Ärgerlich nur, dass Netflix wenige Wochen später die Einstellung der Serie bekannt gab, was bei allen, die „Skylines“ geschaut hatten, und noch viel mehr bei den Darstellern, blankes Entsetzen auslöste. Eigentlich ein Klassiker: Der Vorhang zu und alle Fragen offen. Timon Karl Kaleyta 

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