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Serien und Shows : Die besten Momente des Jahres

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„Stranger Things“, Staffel 3, Folge 7

 (Netflix) Draußen tobt der Mind Flayer, das grausame Monster aus der Schattenwelt, der Kampf Gut gegen Böse läuft auf den Showdown zu, aber die Duffer Brothers drücken einfach sieben Minuten auf Pause: Weil das, was in den Köpfen von Steve und Robin passiert, als sie da sitzen, versteckt in der Toilette eines Einkaufszentrums, in ihren lächerlichen Eisverkäuferuniformen, unter dem Einfluss sowjetischer Wahrheitsdrogen, mindestens so existentiell ist wie der bevorstehende Weltuntergang. Endlich nämlich schafft es der ehemalige König der High School dem unfassbar smarten Mädchen, das er damals nicht einmal zur Kenntnis genommen hatte, seine Liebe zu gestehen. Die Szene ist so herzzerreißend inszeniert und gespielt, dass man sogar ein Happy End durchgehen lassen würde. Aber wie sie stattdessen endet ist eine Sensation – und zeigt ganz nebenbei, wie modern diese Serie ist, die sich so gut als Hommage an die achtziger Jahre verkleidet. Auch Robin nämlich, so stellt sich also heraus, war eifersüchtig auf Steve, damals, in der Schule, als eine gewisse Tammy Thompson nur Augen für ihn hatte. Nur eben nicht auf Tammy Thompson. Und als Steve endlich begreift, was Robin ihm damit sagen will, sagt er nur: „Okay. Aber Tammy Thompson. Wirklich? Die ist eine totale Niete! (...) Die sang wie ein Muppet.“ Und dann singen sie zusammen, und lachen, bis der Kampf gegen das Böse wieder ruft. Harald Staun

„Euphoria“, Folge 4 

(Sky) „Are you sure you’re okay?“, fragt Rue. Jules schüttelt den Kopf. Rue streicht ihr eine Strähne aus dem Gesicht. Das wird sie im Verlauf der nächsten vier Folgen noch gefühlt 117-mal tun. Beide schleppen einen Berg von Zuschreibungen durch die Kleinstadtwelt, in der sie leben, zum Beispiel betäubungsmittelabhängig und trans – es gibt wenig Anlass, okay zu sein, aber in der bettförmigen Blase, in der sie hier rumliegen, ist das wiederum okay. Dann, als der Moment fast schon unter innige Freundschaft abgehakt ist, setzen die ganz großen Streicher ein, und das Bett beginnt sich buchstäblich um sich selbst zu drehen. Sie küssen sich wirklich! Und wie bei den meisten real existierenden Küssen wird am Ende unklar bleiben, was das zu bedeuten hat, und vor allem: für wen. Die überzogenen Flashbacks und Kamerafahrten sind ausnahmsweise angebracht. Intimität ist too much, lebensverändernd und ein bisschen lächerlich, nicht nur an der ewig überkolorierten High School amerikanischer Serien der Zehnerjahre. Hier stecken zwei junge Frauen unter einer Decke, in der queeren Grauzone zwischen Freundschaft, Verknalltheit, Solidarität. Wie überraschend unwahrscheinlich das ist. Wie überraschend gewöhnlich auch. Und obwohl „Euphoria“ alle selbstverliebten Special Effects mittelguten Fernsehens auf sie abfeuert, gelingt es Rue und Jules, einfach zusammen einzuschlafen. Max Wallenhorst

„The Affair“, Staffel 5, Folge 10

 (Amazon Prime) Gerade ist „The Affair“ zu Ende gegangen, die großartige Serie, die 2014 bei Showtime gestartet ist. Es geht darin, natürlich, um eine Affäre, vor allem aber um familiäre Prägungen und erotische Ausbruchsversuche. Im Titelsong singt Fiona Apple vom Ertrinken im Meer. Und weil man beim Zusehen diese Gefahr (und Schönheit) der Natur immer mit der Gefahr (und Schönheit) menschlichen Begehrens zusammengedacht hat, ist es nur konsequent, dass die Serie zum Schluss ein Erdbeben als Beziehungsgeschichte erzählt. Genauso konsequent: Helen, zu Beginn vor allem die betrogene Ehefrau, wird in der besten Szene der vorletzten Folge endlich zur Heldin und eigentlichen Hauptfigur. Sie ist mit Noah, ihrem Exmann und love of her life, in Los Angeles, ein schlimmes Erdbeben kündigt sich an. Er überredet sie zur Flucht durchs Gebirge, vor ihr ein sehr steiler Berg. Helen beschimpft Noah den gesamten Abstieg lang. Dann ist sie unten, sie hat es geschafft und ist beinahe empört darüber. Das ist so schön, dass es entschädigt für all die Verletzungen, die sie sich zugefügt haben, und so zynisch, dass an Kitsch nicht zu denken ist. Das Beste der Serie, in einer Szene. Julia Dettke

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