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Französische Spionage-Serie : Agent Provocateur

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Bombenwetter: Jacquard (Karim Barras, von links), Mercaillon (Wilfred Benaïche) und Mokhtar (Khalid Maadour) machen sich mit der Atombombe auf den Weg nach Reggane. Bild: Arte

Der Staat sind wir: In der schrulligen Arte-Serie „Frankreich gegen den Rest der Welt“ schreiben über­kan­di­delte Geheimdienstmitarbeiter Weltgeschichte.

          Die Geschichte des Kalten Krieges muss dringend umgeschrieben werden, jedenfalls die großwetterlagenpolitischen Aktionskapitel. Die Invasion in der Schweinebucht am 17.April 1961 etwa geschah nicht auf Betreiben der Amerikaner, sondern war eine Art peinlicher Geheimdienst-Dechiffrierunvermögen-Unfall auf französischer Seite. Dass zwischen den Alliierten im Nachkriegs-Berlin das Tischtuch endgültig zerschnitten wurde, ergab sich nicht aus den Differenzen der Mächte, sondern fügte sich spontan aus der naiven Einlassung eines Agenten der Franzosen, der sich mit der Zonen-Arithmetik zwar heillos überfordert fühlte, aber endlich einmal etwas zu sagen haben wollte. Selbst der Putsch in Algerien konnte nur passieren, weil Geheimdienstchef Colonel Mercaillon (Wilfried Benaiche) die Absichten des französischen Präsidenten missverstanden hatte und lieber im geheimen Hauptquartier der nordafrikanischen Schattenregierung orientalisches Gebäck aß, als draußen der Aufstand losbrach.

          Mercaillon, der Mann mit dem bleistiftdünnen Bärtchen und unübersehbarem Embonpoint, ist in der französischen Sechziger-Jahre-Geheimdienstsatire „Frankreich gegen den Rest der Welt“ von Jean-François Halin und Alexis Charrier ein Mann mit stoischem Gemüt. Als der Maulwurf André Merlaux (Hugo Becker) ihn ermorden will, weil Mercaillon in der Résistance angeblich die Eltern des Nachwuchsspions den Nazis ans Messer geliefert hat, plaudert der oberste Agent de Gaulles sich, in weiche Kissen zurückgelehnt, so eloquent wie überzeugend aus der Sache heraus.

          Konspirative Treffen mit kostümierten Dunkelmännern

          André, in der ersten Staffel schon als Verräter scheinexekutiert, mithin also immer noch offiziell tot, zieht Konsequenzen und heuert beim KGB an. Das heißt er versucht es. Einer der Running Gags der zweiten Staffel, deren zwölf halbstündige Teile Arte in Dreierpacks zeigt, dreht sich um Andrés immer neue konspirative Treffen mit den unwahrscheinlichsten kostümierten sowjetischen Dunkelmännern, die ihm immer neue Zettelchen mit immer neuen Treffpunkten zustecken. Ob die Kommunisten angesichts solch logistischen Aufwands und Erfindungsreichtums auch irgendwann mal Zeit haben, effizient zu spionieren, fragt sich nicht nur André.

          „Frankreich gegen den Rest der Welt“ (im Original: „Au service de la France“) zieht sein satirisches Potential aus der systematisierenden Übertreibung des – wahren oder behaupteten – gloriosen Selbstbewusstseins der „Grande Nation“. Für die Geheimdienstleute, die in ihren Büros einem so kleinteiligen wie kleingeistigen Bürokratismus frönen (ein weiterer Running Gag: die penibel eingehaltene Umtrunkpause um 11 Uhr), ist Frankreich nicht eine, sondern die einzige Supermacht. An ihnen, den Dienern Frankreichs, allein hängen die Geschicke der Welt. Nur sie können die Aufspaltung in zwei Welt-Blöcke verhindern, nur sie haben die intellektuelle Einsicht und genügend Esprit, einen Dritten Weltkrieg zu verhindern.

          Während Abteilungsleiter Moise (Christophe Kourotchkine) beharrlich am Stuhl des Colonels sägt, dessen angebliche Nazikollaborateur-Vergangenheit sich aber immer noch nicht beweisen lässt, rangeln die Agenten Jacquard, Moulinier und Calot (Karim Barras, Bruno Paviot und Jean-Edouard Bodziak) um die Plätze in der Hierarchie. Gearbeitet wird nur unwillig, mitdenken ist allein die Sache der Sekretärin Marie-Jo (Marie-Julie Baup). Allein die Frage, welcher Stempel zum Abstempeln der Akte, die den Stempelgebrauch bei Ausnahmezustand regelt, der richtige ist, strapaziert die grauen Zellen dieser Crème de la Crème des französischen Geheimdienstes aufs Äußerste. Ordnung ist schließlich wichtig, noch wichtiger sind nur Führungsstrukturen und Arbeitsmodule.

          Wer die „Austin Powers“-Spionagefilme schrill findet und es eher mit den Louis-de-Funès-Absurditäten hält, findet in „Frankreich gegen den Rest der Welt“ unter der gelegentlich sehr lustigen Oberfläche ein gerüttelt Maß an satirisch-kritischer Gesellschafts- und Politikbetrachtung. Manche der Figuren, wie der traurige Calot, der mit Sandalen, Shorts und geblümtem Hemd im Urlaub regungslos am Schreibtisch sitzt – „ich schlafe sehr gut, sogar mehrmals die Nacht“ –, erinnern an Sempés einsame Großstadtmenschen. Außerhalb des Spion-Büros gibt es eben keine beruhigende Sicherheit der Lebensabläufe. Und in ihm auch nur, wenn vor jeder Mission das Formular B54 korrekt ausgefüllt wird.

          Frankreich gegen den Rest der Welt, heute um 20.15 Uhr bei Arte.

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