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„Star Wars“-Serie bei Disney : Kommt ein Jedi nach Japan

Die Farbe Rot verheißt nichts Gutes in „Star Wars Visions“. Die Jedi halten dagegen. Bild: Disney+

Disney hat eine Anthologie-Serie zu „Star Wars“ aufgelegt. Darin toben sich japanische Zeichner aus. Sie zeigen, was man aus der Space-Saga machen kann.

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          Es beginnt ganz vertraut: Der gute alte Kameraschwenk, der den Blick von der sternenbesetzten Schwärze des Weltraums auf die Oberfläche des Planeten lenkt, auf dem gleich eine Geschichte erzählt werden wird. Sie spielt in einer Galaxie „far, far away“, und doch dürfte sie einigen Erdenbewohnern näher sein als sonst.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Für die Anthologie-Serie „Star Wars – Visions“ hat Lucasfilm bei berühmten Animationsstudios in Japan angeklopft. Entstanden sind neun Kurzfilme, kaum je länger als zwanzig Minuten, die das Unterhaltungsfranchise zum ersten Mal in bewegten Bildern mit seinen japanischen Wurzeln konfrontieren. Hier darf sich endlich all das aus den Bildern herausschälen, was den jungen George Lucas beeinflusste, als er sich sein Space-Märchen über einen lichtschwertschwingenden Friedensritterorden ausdachte. Jene Ritter haben mit dem idealen Kriegertypus des feudalen Japans gemein, dass die Kraftentfaltung durch Selbstaufgabe und -vollendung immer nur in der Position des Dienenden und zum Schutz aller anderen eingesetzt werden sollte. Und, dass man daran bildgewaltig scheitern kann.

          Toshiro Mifune sagte leider ab

          Wäre es nach Lucas gegangen, wäre das japanische Kino in seinen Filmen viel präsenter gewesen: Dem Schauspieler Toshiro Mifune trug er sowohl die Rolle des Obi Wan Kenobi an als auch die des Sith-Lords Darth Vader. Beides lehnte Mifune ab. Er glaubte, „Star Wars“ würde ein Kinderfilm. Ganz falsch lag er da nicht.

          In „Star Wars – Visions“ dürfen die japanischen Anime-Zeichner sich nun zumindest, was Verweise auf ihr Genre und ihr Land angeht, nach Herzenslust austoben. Das Vehikel „Omnibus“ eignet sich für diesen visuellen Hyperraumflug ganz hervorragend. Es funktioniert – das konnte man bei Netflix’ „Love, Death & Robots“ betrachten – wie ein selbstgemachter Adventskalender, bei dem man sich stets fragt, was wohl im nächsten Säckchen steckt. Die eine oder andere Enttäuschung nimmt man ob der Abwechslung in Kauf.

          Auch, dass historische Referenzen in der Pressemitteilung gern etwas zugunsten der Diversität verzerrt werden: Von einer „Tradition weiblicher Samurai-Kriegerinnen“ (Onna-Musha) ist da die Rede. Japans Geschichten und Legenden kennen zwar Kriegerinnen wie Tomoe Gozen, eine unerschrockene Kriegerin im Gefolge des Minamoto-Klans. Doch waren Frauen wie sie die Ausnahme in Zeiten absoluter Not (am Mann) und weit entfernt von einer konsensgetragenen Tradition. Im japanischen Kino tauchten sie umso häufiger auf und unterstreichen, worüber japanische Frauen lange vornehm schwiegen: dass die Rache für bis heute anhaltende Demütigungen dort stets ihren Platz hat, selbst wenn man dafür Zähne zeigen muss.

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