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„Marriage“ bei Magenta TV : Hast du meine Schlappen gesehen?

  • -Aktualisiert am

Ein Herz und eine Seele sind sie nicht immer: Nicola Walker und Sean Bean spielen das Paar. Bild: BBC/The Forge/Rory Mulvey

Ehe ist, wenn man trotzdem nicht lacht: Sean Bean und Nicola Walker beeindrucken als lange verheiratetes Paar, das gemeinsam gegen die Zumutungen des Alltags kämpft.

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          Am Grad der Beiläufigkeit, mit der sich zwei Menschen nach ihrer Verdauung fragen, erkennt man vermutlich, wie lange sie ein Paar sind. So ist es gar nicht die unabwendbar grundsätzlich werdende Auseinandersetzung über eine nichtige Kartoffelfrage, die die Heimreise Ians (Sean Bean) und Emmas (Nicola Walker) von einem gemeinsamen Urlaub überschattet. Emma hat nicht nachgefragt, ob der Flughafenimbiss auch Ofenkartoffeln anbietet, die Ian besser munden als Pommes; Ian, schwer missmutig: „Es geht hier nicht um Ofenkartoffeln. Hättest du mich darum gebeten, hätte ich gefragt.“

          Es ist also gar nicht dieser bitter-komische Einstieg in die im faszinierenden Sinne schmerzhaft ehrlich erzählte BBC-Serie „Marriage“, die zeigt, dass wir es mit einem durch zahllose gemeinsam bestandene Krisen gestählten Ehepaar zu tun haben, sondern der Umstand, dass der bald in Beschimpfungen mündende Streit schon in der nächsten Einstellung vollständig vergessen und vergeben zu sein scheint. Ian und Emma poltern in ihr typisch englisches Einfamilienhaus (Teppich selbst auf der Treppe), wühlen sich durch die Post, erkundigen sich über die Verdauung („geht so“) und lümmeln dann würdelos auf der durchgelegenen Couch vor dem Fernseher. Sehr viel größer als der Kartoffelzank werden die Katastrophen auch nicht mehr, ein wenig aber doch.

          Man ahnt das Beben im Innern

          Erdacht, geschrieben und gedreht hat die vier nun bei Magenta TV gezeigten Episoden Stefan Golaszewski, seinerseits erfahrungsgestählt im Hinblick auf subtile Sitcoms über die kleinen Dramen des Alltags in britischen Ziegelstein-Vorstädten. „Him & Her“ (2010–2013, BBC) handelte von einem zurückgezogenen jungen Pärchen, das sein Glück bei trauten Videoabenden fand. Bei „Mum“ (2016–2019, BBC) ging es um das ganz normal verrückte Leben einer verwitweten Frau. Alles steht und fällt in diesen riskant unspektakulären Intimkomödien mit den Darstellern. Umso wichtiger ist es, dass Golaszewski mit Nicola Walker und Sean Bean zwei Schwergewichte für sein neues Projekt gewinnen konnte. Walker glänzte schon in zahlreichen britischen Fernsehmehrteilern: „Spooks“, „River“, „Babylon“, „Collateral“.

          Sean Bean wiederum hat neben Rollen in „Herr der Ringe“ und „Game of Thrones“ Dutzende glaubwürdige Figuren gespielt; zu den beeindruckendsten zählen Pfarrer Kerrigan in der BBC-Serie „Broken“ und Häftling Mark in der BBC-Serie „Time“, beide aus der Feder von Jimmy McGovern. Daneben qualifizieren ihn wohl auch (bislang) fünf mitunter turbulente Ehen für die Rolle des leicht derangierten Gatten, der private Rückschläge tapfer bis verbissen wegzulächeln versucht.

          Selbst kleinste Szenen spielen diese Darsteller so nuanciert, dass man ein Beben in ihrem Inneren erahnt, auch wenn die Erschütterungen kaum an die Oberfläche treten. Ian, der seine ziellose Wut und Trauer (er hat jüngst Mutter und Job verloren) schlecht kanalisieren kann, beschwert sich etwa über verdreckte Fahrstühle oder redet leicht aufdringlich auf eine junge Mitarbeiterin seines Fitnessstudios ein. Bean glänzt in solchen Szenen, die im Zuschauer ein geradezu physisches Unbehagen hervorrufen. Emma, die es gewohnt zu sein scheint, mit wehleidigen Männern umzugehen – ihr Vater (James Christopher Golam) ist ein verbitterter Patriarch, wird dennoch von ihr liebevoll versorgt –, bleibt peinigend defensiv und beharrt allenfalls darauf, nichts falsch gemacht zu haben.

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