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„Dennstein & Schwarz“ im Ersten : Fälle lösen am See

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Juristinnen im Duett: Therese Schwarz (Martina Ebm, links) vertritt ihre Kollegin Paulina Dennstein (Maria Happel) Bild: ARD Degeto/ORF/Film 27/Hubert Mi

In „Schuldenfalle“ besteigen zwei Juristinnen gemeinsam Berge – in Person, aber auch als Metapher: Gemeinsam bezwingen sie verschnarchte Richter, schikanöse Arbeitgeber und heiratswütige Nebenbuhlerinnen.

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          Anwaltsserien gibt es im Fernsehen wie Sand am Meer, dieses Naturschauspiel trotz sattsam vertrauter „Bergdoktor“-Kulisse ist allerdings selten: „Dennstein & Schwarz“ spielt in der Steiermark, gedreht wurde im Ausseerland im Salzkammergut, einer touristisch bestens erschlossenen Gegend voller beeindruckender Panoramen, sowie dem Altausseer See und dem Grundlsee, an dessen Ufern sich Lokalitäten wie „Postillions Einkehr“ und die „Mostschenke“ tummeln. Daneben erheben sich Berge, die die beiden ungleichen Anwältinnen, die der Reihe ihren Namen geben, am Ende der ersten neuen Folge gemeinsam besteigen, in Person, aber auch als sozusagen resümierende Metapher der Folge „Schuldenfalle“.

          Paula Dennstein (Burgschauspielerin Maria Happel) braucht dabei die helfende Hand und Trittorientierung der fitnessstudiogestählten Therese Schwarz (Martina Ebm, „Vorstadtweiber“). Der Blick zurück ins Tal verbietet sich eh. Dass die Ältere nicht schwindelfrei ist, aber im neuen Kanzlei-Duett mutig voranschreiten kann, spielte bereits zu Beginn des Films eine gewisse Rolle. Dass sie ihren notorisch untreuen Gatten Felix (Johannes Krisch), die grundböse Märchen-Schwiegermutter Gräfin Alexandra (Krista Stadler) und die angeheiratete Burg zum zweiten Mal, endgültig und ohne Zugewinnausgleich, verlassen hat, mag ihren Gipfelsturmoptimismus hinreichend erklären. Den Aufbruch jenseits der Fünfzig spielt Maria Happel trotz der eher bescheidenen Möglichkeiten des konventionellen Drehbuchs von Konstanze Breitebner überzeugend.

          Doppelte Frauenpower

          Dafür hat die Jüngere mit dem Prozessbevollmächtigten der Gegenpartei geschlafen. Für sie ein Unding, zumal plötzliches Verliebtsein im Raum steht wie der Elefant, über den zunächst niemand spricht. Das Verhältnis zu Anwalt Thomas Lange (Bernhard Piesk), der auch am Boxsack bella figura macht, muss strukturiert sortiert werden, entscheidet Schwarz. Eine Frau muss tun, was eine Frau tun muss – allein.

          Gemeinsam aber bezwingt die doppelte Frauenpower nicht nur verschnarchte Richter, schikanöse Arbeitgeber und heiratswütige Nebenbuhlerinnen, sondern rettet auf rührseligste Weise etwa einen Witwer und alleinerziehenden Vater zweier goldiger Mädchen, den Elektriker Willi Schulz (Sebastian Hülk), vor dem Schuldturm. Schulz ist an eine betrügerische Baufirma geraten und wird auf zwanzigtausend Euro Stornokosten verklagt. Dass die Gegenseite überaus schmierlappig auftritt, versteht sich.

          Vielleicht ist das mit dem Schuldturm übertrieben, aber nicht sehr. Jedenfalls essen die Damen vorzugsweise in Restaurationen am See, die ebenso aus der Zeit gefallen und in einen imaginierten Rechtsgeltungsbereich verlegt wirken. Es ist ein Rechtsraum oder Zeitkontinuum, in dem das goldene Herz, die Mitmenschlichkeit und die Gratisübernahme hoffnungsloser Mandate genauso viel zählen wie fangfrischer Fisch oder die Zubereitung Steirischen Wurzelfleischs, um die Gunst abtrünniger Gefühle wiederzuerlangen.

          Im Übrigen geht es in dieser ORF/ARD-Degeto-Koproduktion mit dem „Endlich Wochenende!“-Unterhaltungssiegel insgesamt und im speziellen um Advokaten-Schicksalsschläge von nahezu Dickensschen Ausmaßen. Merke: kaum etwas ist so unterhaltsam wie eine strittige Scheidung – jedenfalls nach Ansicht der Prozessbeteiligten Regie (Michael Rowitz) und Kamera (Andrès Marder).

          Kommen die erfahrungsgesättigte Lebensschläue der Dennstein und die Ordnung und die „klare Linie“, die der Schwarz heilig sind, zusammen, zittern selbst die Paragraphen. So ergänzt man sich auf das schönste, und das Resultat ist zumindest eins: recht kurzweilig. Die Musik steuert Helmut Zerlett bei. Kommende Woche zeigt das Erste mit „Rufmord“ eine weitere, weniger ans Herz, sondern mehr an die Substanz gehende Folge, in der Manuel Rubey einen Kommunalpolitiker spielt, der unter dem Verdacht der sexuellen Belästigung steht.

          Dennstein & Schwarz – Schuldenfalle, an diesem Freitag, 20.15 Uhr im Ersten.

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