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„Das Boot“ als Serie : Auf neuer Tauchfahrt

  • -Aktualisiert am

An Bord: August Wittgenstein, Rick Okon und Franz Dinda (von links) in der neuen Serie „Das Boot“ Bild: Sky/Bavaria

Sky stellt seine Serie „Das Boot“ vor, mit dem legendären Kinofilm von Wolfgang Petersen soll sie nicht zu viel gemeinsam haben, sagen die Macher. Aber was gibt es denn zu sehen?

          Das mit der PR-Maschinerie haben sie schon gut drauf bei Sky. Erstmal mit kleinen Filmschnipseln und Hauptdarstellern beim Münchner Filmfest die nächste große Eigenproduktion bewerben, nun im Herbst einem kleinen Kreis die ersten zwei Folgen von „Das Boot“ zeigen, verbunden mit der Bitte, aber so gar nichts darüber zu verraten, was die Abonnenten in acht knapp einstündigen Episoden von Ende November an sehen können. Ein Remake des Films von Wolfgang Petersen, der das Buch Lothar-Günther Buchheims 1981 unter anderem mit Jürgen Prochnow, Herbert Grönemeyer und Klaus Wennemann in den Münchner Bavaria-Studios in Szene setzte, soll es jedenfalls nicht sein.

          „Das fassen wir gar nicht an. Der ist ikonisch, einzigartig“, sagt Sky-Serienchef Markus Ammon. „Wir erzählen eine ganz neue Geschichte, eine neue Crew, Moritz Polter kam an Bord als international erfahrener Produzent. Gemeinsam haben wir das besetzt.“ Dann gingen 105 Drehtage in vier Ländern mit Aufnahmen in drei Sprachen ins Land, in denen der österreichische Regisseur Andreas Prochaska eine Handlung an Land meisterhaft mit dem Geschehen auf einem deutschen U-Boot im Jahr 1943 verbindet.

          Die Handlung der Serie setzt neun Monate nach dem Ende des Original- „Boots“ an. Eine ganze Reihe noch nicht so oft gesehener Schauspieler läuft zu Hochform auf. Allen voran Vicky Krieps, die schon mit Daniel Day Lewis drehte und – erstaunlich bei diesem Männersujet – im Vorspann als Erste genannt wird. Erst dahinter folgen Rick Okon, als Kaleu Klaus Hoffmann, August Wittgenstein, Tom Wlaschiha, Franz Dinda und Lizzy Caplan. Prochaska ist ein Meister der Bildsprache. Als gleich in der ersten Einstellung Delphine ein aufgetauchtes deutsches U-Boot begleiten, ist es keine Frage, dass im nächsten Augenblick etwas ganz Schreckliches passieren wird. Und dieses Wechselbad der Gefühle – so viel sei schon verraten – setzt auch in den folgenden Stunden einen ganz eigenen Rhythmus zwischen kaum auszuhaltenden Gewaltszenen und den fein gesponnenen Dialogen. Elemente, die Prochaska schon in „Das finstere Tal“ und der ZDF-Reihe „Spuren des Bösen“ zu verbinden wusste. Bavaria-Produzent Moritz Polter wacht über die Produktion der weiteren Folgen in den Münchner ARRI-Studios.

          Ihre Hauptrolle gab es im Kinofilm nicht: Vicky Krieps in „Das Boot“, der Serie.

          Erstmals in einer deutschen Produktion (die ausdrücklich internationalen Standards gerecht werden will) erfolgt die Beschallung in Dolby Atmos, einer neuen Surround-Technik. Laut Polter ist das der neue Standard, der demnächst in ausgewählten Kinos und speziellen Privatinstallationen dafür sorgt, dass der Zuschauer auch von der Decke beschallt ist, was natürlich dem Geräuschempfinden in einem U-Boot, das von oben mit Bomben beschossen wird, besonders Rechnung trägt. Das Kino im Bayerischen Hof verfügte über diese Technik nicht und so gab es eher Probleme, manchen Dialog richtig zu verstehen. Und das ist nicht unwichtig, denn Moritz Polter setzt bei Sky-Zuschauern voraus, dass sie sich auf die horizontale Erzählweise einlassen. Das seien die Zuseher gewohnt, sagt er und warnt: „Es ist komplex, es ist anspruchsvoll. Wenn man nicht aufpasst wirds schwierig.“ Aber das sei genau das, was die Zuschauer des Abosenders wollten.

          Wenig hilfreich ist da, dass man zumindest in der ersten Folge an der Menge sich ähnelnder Gesichter in schneidigen Uniformen fast verzweifeln mag. Sogar der Kaleu Hoffmann und sein Vertreter Tennstedt verfügen über eine ähnliche Physiognomie. Wie gut, dass einer wenigstens in derbem bayerisch spricht. Auch bei den Untertiteln, die zu den Dialogen der Resistance-Kämpfer in La Rochelle eingeblendet werden, muss man genau hinschauen. Der Erzählstrang an Land, wo es Vicky Krieps als aus dem Elsass stammende Dolmetscherin Simone Strasser zwischen ihrer Arbeit für die Marine und einem SS-Mann sowie den Besuchen von Widerstandskämpfern, die ihren Bruder in der Hand haben, seelisch zerreißt, tut der seriellen Fortsetzung gut. Aber wer meint, von der Pein an Bord des U-Boots, die wir schon im Kinofilm bezeugt haben, werde er durch ruhige Bilder an Land erlöst, irrt. Vom 23. November an werden die neuen Folgen von „Das Boot“ zu sehen sein.

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