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ARD-Comedy „Das Begräbnis“ : Grube vor dem Sturm

  • -Aktualisiert am

Was steht wohl im Testament? Christine Schorn, Charly Hübner und Devid Striesow sind die Hinterbliebenen. Gleich bekommen sie sich in die Wolle. Bild: ARD Degeto/Georges Pauly

Der nächste Improvisationsstreich von Jan Georg Schütte: „Das Begräbnis“ besticht wieder durch befreit aufspielende Darsteller. Es ist nur diesmal fast ein bisschen viel Handlung.

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          Das Beste, was einem Schauspieler im deutschen Fernsehen passieren kann, ist es gar nicht, einen schönen Tod im „Tatort“ zu sterben oder einmal Lars Eidingers Zahnbürste zu benutzen. Das Beste ist, in die Hände von Jan Georg Schütte zu geraten, der nicht nur Regisseur und Drehbuchautor ist, sondern eben auch Schauspieler. Als solcher weiß er, was die meisten Fernsehfilme künstlerisch zuverlässig unter die Erde bringt: zu artifizielle Drehbücher, zu genaue Regieansagen, zu viel Mitsprache der Redaktionen. So verschenken die meisten Produktionen ihr Potential, machen aller darstellerischen Spontaneität den Garaus. Schüttes Improvisationsaktionen hingegen haben sich zu Fernsehereignissen ausgewachsen. Dutzende der besten Darsteller, die vorab nicht viel mehr kennen als das Profil ihrer eigenen Rolle, wachsen darin regelmäßig über sich hinaus. Gefilmt wird alles nahezu in Echtzeit, mit zahlreichen Kameras parallel an mehreren Sets.

          Speed-Dating und Wellness

          Mit dem Speed-Dating Film „Altersglühen“ hatte sich Schütte im Jahr 2014 für seine experimentellen Filme warmgelaufen und zwei Jahre später die Therapie-Komödie „Wellness für Paare“ nachgelegt. Nach dem bisherigen Höhepunkt, der hinreißenden Großproduktion „Klassentreffen“ aus dem Jahr 2019 (als Film wie als Serie geschnitten), folgt nun der nächste Schütte-Streich. Mit allein siebzehn tragenden Rollen und fünfzehn parallelen Sets ist „Begräbnis“ noch aufwendiger und wurde gleich als Serie geplant. Im Mittelpunkt steht die erweiterte Familie Meurer, beheimatet in einem Dorf auf der ehemals ostdeutschen Seite des Schaalsees. Der Anlass für ihre zur Schlacht ausartende Zusammenkunft ist die Beerdigung des Familienoberhaupts Wolff-Dieter, Inhaber des Sanitärbetriebs Meurer. Das vom Ensemble in sechs Stunden durchimprovisierte Geschehen wurde von 56 Kameras eingefangen; nur einige Rahmenszenen ließ Schütte einzeln drehen. Produziert hat die Serie die Florida Film GmbH, der noch junge Fiction-Ableger von Florida Entertainment; als Produzenten firmieren Lars Jessen, Sebastian Schultz und Klaas Heufer-Umlauf.

          Da brennt jemandem die Sicherung durch: Martin Brambach spielt den vielleicht größten Loser der Familie.
          Da brennt jemandem die Sicherung durch: Martin Brambach spielt den vielleicht größten Loser der Familie. : Bild: ARD Degeto/Georges Pauly

          Die leicht ins Groteske verzerrte Beisetzung selbst – eine mit Anspielungen auf das sowohl eine Ost- (Christine Schorn) wie eine West-Ehefrau (Catrin Striebeck) beinhaltende Leben des Sprücheklopfers Wolff-Dieter gespickte Ansprache von Pastor Wittig (Thomas Thieme), gefolgt von einer unsäglichen Männerchor-Version des Puhdys-Schmachtschlagers „Alt wie ein Baum“ – zeigt bereits, in welche Richtung es gehen wird. Vor allem Charly Hübner und Devid Striesow brillieren mit viel Situationskomik in den Rollen der ungleichen Söhne aus erster (Ost-)Ehe. So perfekt Striesow die Figur des verkrachten Aufschneiders steht, so genial verkörpert Hübner immer schon – man denke an den Film „Anderst schön“ – gutmütige Riesen mit schlichtem Gemüt und gewaltiger Seele. Claudia Michelsen als Schwester der beiden, die an den Westen verlorene Tochter, kann mühelos mithalten, auch Enno Trebs macht als sensibler, unentschieden zwischen Kunstanspruch und Gas-Wasser-Scheiße-Fatum hängender Sohn Kevin aus zweiter Ehe eine gute Figur.

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