https://www.faz.net/-gsb-9ru6j

Serie bei ZDF Neo : Hassan, ras nicht so!

  • -Aktualisiert am

Ein ziemlicher Hecht: Johannes Lassen als Philip Nørgaard. Bild: ZDF

Gekapert im Namen Allahs: In der neuen Staffel der Anti-Terror-Serie „Countdown Copenhagen“ wird eine Fähre entführt.

          2 Min.

          Gar nicht mal anstrengend, so ein Tag im Süden von Kopenhagen: Philip Nørgaard, Anti-Terror-Agent im Pausenmodus, wacht auf, wie durchtrainierte Helden gerne aufwachen, schwingt sich nach dem Schäferstündchen mit der Freundin zum Boot, um seine Männlichkeit bastelnd zu fördern, und für den Abend wird einen Essen mit seinem Vater und Eltern der Freundin geplant. Es muss ohne ihn stattfinden. Philip Nørgaard (Johannes Lassen), einst mit der Befreiung einer entführten U-Bahn in Kopenhagen befasst, hat sich plötzlich wieder mit Geiselnehmern herumzuschlagen, in diesem Falle düster dreinblickenden Fundamentalisten. Sie entsprechen sämtlichen Klischees vom islamischen Terroristen in Europa, vergessen selbst bei Waldspazierfahrten ein frommes Kurzgebet nicht und entführen schließlich eine Fähre, die an der schmalsten Stelle des Öresunds vom dänischen Helsingør ins schwedische Helsingborg führt.

          Es dauert allerdings, bis die zweite Staffel von „Countdown Copenhagen“, die einfach nur ein spannender Actionfilm mit politischem Anstrich sein will (das Drehbuch stammt von Jesper Bernt, der auch für die zweite Staffel von „The Team“ mit Jürgen Vogel verantwortlich zeichnete), an diesem Punkt ankommt. Sie stellt uns zunächst die in Syrien mit einer Maschinenpistole gegen russische Einheiten kämpfende June al-Baqee vor (Yasmin Mahmoud), die einige Zeit später in Kopenhagen vor Gericht gestellt und zu einer Strafe (ohne Gefängnis) verurteilt wird. June will es anfechten. Sie habe gegen die „Feinde des dänischen Staates“, den IS, gekämpft.

          Eine Reihe von seichten Rambo-Dialogen

          Kurz darauf erkundigt sich dieselbe „Syrien-Kriegerin“, wie sie in den aufgeregten Medien genannt wird, bei Philip Nørgaard nach einem Video, das sie ihm zu schicken versucht hatte: „In Syrien sterben dänische Soldaten“, sagt sie dazu. Philip schaut nach: Es kam nur eine Mail mit leerem Link bei ihm an. Und schon wird June vor dem Haus von sinistren Gestalten in ein Auto gezerrt – Philip per Rad hinterher. Erst nachts schließt er zu June und den Entführern auf: Da fahren sie gerade – „Hassan, ras nicht so!“ – auf die Fähre nach Schweden. Ein Hechtsprung, und Philip ist ebenfalls an Bord. Die Physik dieses symptomatischen Hechtsprungs müssen uns die Serienmacher irgendwann noch einmal erklären. Er ist unfreiwillig komisch und verstärkt den bereits aus einer Reihe von seichten Rambo-Dialogen gewonnenen Eindruck – „Philip ist ein Krieger, er lebt im Feuer, nicht in der Asche“ –, dass „Countdown Copenhagen“ eher Gebrauchsthriller als das nächste große Ding aus Skandinavien sein könnte.

          Trotzdem ist die Story spannend, denn neben dem dänischen Geheimdienst, der den Fall nach Philips erstem Alarm nicht von der Polizei behandelt sehen will, scheint auch die russische Botschaft an June al-Baqee interessiert.

          Der Einsatz der Handkamera befördert den Zuschauer mitten ins Geschehen. Und so eine Fähre, mit engen Treppen von Deck zu Deck sowie Autos im Bauch: Das sorgt schon der Unübersichtlichkeit und autofährenüblichen Stille wegen für Spannung, vielleicht sogar noch stärker als die U-Bahn-Schächte, in denen die von dänischen Soldaten in Afghanistan erzählende erste Staffel spielte. Dunkel zieht die Fähre über das Wasser. Dann zwingen die Terroristen – deren Existenz wir vor lauter Klimakatastrophen-Schlagzeilen beinahe vergessen hätten – Kapitän Hvalsø (Søren Malling) zum Stoppen der Maschinen. Der Polizei teilt man mit: „Wir haben die Fähre im Namen Allahs gekapert.“ Das Schiff liegt nun zwei Kilometer Luftlinie von Schloss Kronborg entfernt, jener Festung, in der Shakespeare einst Hamlet spielen ließ und Marcellus also „Es ist etwas faul im Staat Dänemark“ gerufen haben soll. Wenn das mal nicht ein Wink mit dem zitatbekritzelten Zaunpfahl ist.

          „Countdown Copenhagen“ läuft am Freitag um 22.00 Uhr auf ZDFneo.

          Weitere Themen

          Europa kaltmachen

          Putins Verfassungsreform : Europa kaltmachen

          Einbruchdiebstahl an den Bürgerrechten: Russische Oppositionelle sind alarmiert über die Verfassungsreform ihres Präsidenten Putin. Doch die Zivilgesellschaft kann sich nicht konsolidieren.

          Berlinale vor Jubiläums-Festival Video-Seite öffnen

          Neues Führungsduo : Berlinale vor Jubiläums-Festival

          Knapp einen Monat vor Eröffnung der 70. Internationalen Filmfestspiele besuchten Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian die Produktion der Berlinale-Bären. Unterdessen sorgt der Jury-Präsident Jeremy Irons für Schlagzeilen.

          Topmeldungen

          Arbeitgeber in Panik : Keiner kennt die Kosten der Grundrente

          1,5 Milliarden Euro könnten für die Grundrente womöglich nicht ausreichen, fürchten die Arbeitgeber. In der Union rumoren die Parlamentarier. Doch die Unions-Minister unternehmen keine hörbaren Anstrengungen mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.