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„The Wrong Mans“ bei Arte : Zwei wie Erbse und Möhrchen

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Sie sind ein wenig neben der Spur, aber fix genug, um die Weltverschwörung aufzudecken: Sam (Mathew Baynton, links) und Phil (James Corden). Bild: © BBC 2013

Britischer Humor, Slapstick, Satire und ein bisschen „Bourne“-Film treffen aufeinander: Bei dem charmanten Action-Komödien-Überfall „The Wrong Mans“ stimmt einfach alles, bis auf die Grammatik.

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          Was immer Sie für diesen Donnerstagabend geplant haben: Sagen Sie es ab. Schieben Sie irgendetwas vor, beispielsweise: „Eine Frau wurde entführt.“ Seien Sie bereit. Hubschrauber werden über Ihrem Haus kreisen, dann seilen sich - wir übernehmen die Beschreibung des Gegners - „ein dürrer Hobbit und ein weißes Nilpferd“ in GSG-9-Manier in Ihr Wohnzimmer ab, zwei unfassbar liebenswürdige Angestellte der weithin unterschätzten Gemeindeverwaltung von Berkshire (obwohl, nein, so viel Zeit muss sein, denn es wird hier oft genug klargestellt: Phil Bourne, das Nilpferd, arbeitet nur als Postverteiler in dem Gebäude). Sie müssen sich nur in Ihr Sofa hauen, denn Arte zeigt alle sechs Folgen der ersten Staffel der umwerfend guten Serie „The Wrong Mans“ hintereinander weg, drei Stunden, die vergehen wie ein Wimpernschlag.

          Nachdem der Stadtentwicklungs- und Schallschutzberater Sam Pinkett (Mathew Baynton), der Hobbit, am Straßenrand ein Telefon aufgehoben hat - „Wenn Sie nicht um Punkt fünf Uhr hier sind, bringen wir Ihre Frau um“ -, glaubt der mit Ausnahme des gutmütigen Sam von allen Mitarbeitern gemiedene, superheldenfilmgestählte Nerd Phil (James Corden) die Gunst der Stunde zu erkennen: „Das ist unser großer Augenblick, wir sind auserwählt!“ Wenig später wirbeln die beiden Luftikusse, die stets zur falschen Zeit am falschen Ort sind, Englands Unterwelt, die korrupte Regierung und mehrere Geheimdienste durcheinander. Ja, es ist der älteste Agentenfilmpersiflageplot der Welt, aber so komisch und herzerwärmend hat man das selten gesehen. Wie ironisch sich diese Serie in ihre Handlung verstrickt, deutet schon der idiotisch falsche Plural im Titel an, der den gemeinen Actionfreund krachend auf die Grammatik zurückwirft.

          Britischer Humor, der wie kein anderer gnadenlosen Slapstick mit hintergründiger Satire zu vereinen weiß, trifft auf die Actionspannung der „Bourne“-Filme (der Nachname ist Programm) und auf einen schrägen Antihelden-Humanismus, wie er etwa die bezaubernde HBO-Detektivserie „Bored to Death“ prägte. Man darf auch an den Coen-Brüder-Film „Burn after Reading“ denken, denn hier wie dort entstammt die Komik dem Zusammentreffen eines Genre-Plots mit völlig überforderten, immer weiter die Kontrolle verlierenden Normal-Figuren. Auch optisch wird dieses Zusammentreffen nachvollzogen, kollidieren große cineastische Einstellungen (Panoramablicke, schwebende Kameras) mit bewusst unprätentiösen Aufnahmen, wie man sie aus Reality-Soaps kennt.

          Sie rufen gern im Chor „Arschkarte“

          Produziert wurde „The Wrong Mans“ von der BBC in Kooperation mit dem amerikanischen Online-Videoportal Hulu. Die beiden Hauptdarsteller, Baynton und Corden, haben das allenfalls in der Agentenhandlung etwas schwächelnde Drehbuch entwickelt. Unter der Tempo-Regie von Jim Field Smith - den man schon deshalb auf dem Schirm haben muss, weil er die zweite Staffel der ebenfalls überragenden englischen Comedy-Serie „Episodes“ (2012) verantwortet - entwickelte sich daraus Ende 2013 diese Dreistundenproduktion mit perfektem Gespür für Timing: Kaum kommt der Zuschauer zu Atem, legt die Regie schon die nächste Schippe nach. Nach einer Bafta-Nominierung und guten Quoten wurde in England eine zweite, nicht weniger starke und bereits ausgestrahlte Staffel gedreht. An die ganz großen Fernsehserien-Komödien wie „Fargo“ oder „Sherlock“ reicht „The Wrong Mans“ nicht heran. Aber was ist das auch für ein Maßstab?! An fast allem, was in Deutschland als Schmunzelware produziert wird, zieht die Serie jedenfalls locker vorbei.

          Woraus solch ein hochprozentiger Cocktail besteht, ist an sich kein Geheimnis: Erpressung, Geiselnahmen, Taschen voller Geld, Tote, Erotik, eine zurückzugewinnende Exfreundin, beinahe amputierte Beine und durchgeknallte Oben-ohne-Russen, die gern im Chor „Arschkarte“ rufen und den hübschen Hauptdarsteller zu einem Strip-Tanz animieren. Aber diese Zutaten allein führen leicht zu einem kopfschmerzverursachenden Fusel wie „Die nackte Kanone“ oder frühe Didi-Hallervorden-Filme. Hier ist die Mixtur eine andere, die eben auch das falsch abgeschlossene Fahrrad berücksichtigt, von dem nur noch das Vorderrad da ist, den quälend lange ausgespielten Furzwitz ohne Pointe („das verfliegt gar nicht“), die halbwegs glaubhafte Bürohandlung oder die Unterhaltung, ob jene Firma, die Großbritannien mit eingeschweißter „Original Cornish Pasty“ überschwemmt, nun „Ginsters“ oder „Jinsters“ ausgesprochen wird.

          Wo viele Filme patzen, ist „The Wrong Mans“ besonders stark: beim Dialog. Als unsere blutverschmierten Weltretter in der Wohnung von Sams Exfreundin einen Nebenbuhler vorfinden, artet die Handlung nicht in wildes Geschrei aus, sondern in die folgende, frostige Unterhaltung: „Ist das Auberginen-Lasagne?“ „Ach Sam.“ „Das ist mein Rezept.“ „Das ist von Jamie Oliver.“ „Sind Erbsen drin?“ „Ja.“ „Jamie macht keine Erbsen rein.“ Lustig ist das vor allem, weil wir alle schon sehr ähnliche Sätze gesagt haben, ohne uns albern dabei vorzukommen. Schon aber kracht die Thrillerhandlung wieder herein, springt ein nackter Mann aus dem Kofferraum. Glauben Sie uns - so formulieren maliziös gutmeinende Agenten ja stets -, glauben Sie uns: Das wollen Sie nicht verpassen!

          Die gesamte Miniserie The Wrong Mans läuft an diesem Donnerstag ab 20.15 Uhr auf Arte.

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