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Serie „Better Call Saul“ : Mit diesem Anwalt läuft alles schief

  • -Aktualisiert am

Der Mann für juristische Spitzfindigkeiten: Saul Goodman, gespielt von Bob Odenkirk. Bild: AP

Was macht eigentlich der Ableger der legendären Serie „Breaking Bad“? Kommt aus New Mexico noch einmal ein Drama, an dem sich alle Geister scheiden? Ein Besuch am Set von „Better Call Saul“.

          3 Min.

          Dieser Drehort war schon einmal ein Geheimtipp. Das war, als die Geschichte von Walter White begann. Die Geschichte des Lehrers, der eine tödliche Diagnose erhält, sich um seine Familie sorgt und anfängt, Chrystal Meth zu kochen. White wird ein anderer, der unauffällige Bürger wird zum Gangster, der die Katastrophe, die er heraufbeschwört, kommen sieht, aber nicht aufhalten kann. Das war die Geschichte von „Breaking Bad“, der Serie, die von 2008 bis 2013 lief, klein anfing und dann Epoche machte. Jetzt geht es hier um „Better Call Saul“, eine Serie, die mehrfach für Preise nominiert war, aber immer noch ein Geheimtipp ist. Dabei ist sie, wie ihr Vorgänger „Breaking Bad“, großes Fernsehen - in diesem Fall eine sorgfältig konstruierte Farce, mit eigenem Tempo und eigenem Stil.

          Der Mann für schmutzige Geschäfte

          „Better Call Saul“ ist die Vorgeschichte des halbseidenen Anwalts Saul Goodman (Bob Odenkirk), der in „Breaking Bad“ Walter Whites Drogen-Millionen wusch und diesem mit fragwürdigem, aber effektivem juristischen Rat zur Seite stand. Goodman war in der immer dunkler werdenden Geschichte für entlastende Komik zuständig, und so erwartete man von „Better Call Saul“ nichts anderes: eine Komödie um den Mann mit dem schnellen Mundwerk und den knallbunten Sakkos. Doch es kam anders. Der Autor Vince Gilligan stellt uns wie schon in „Breaking Bad“ einen düsteren Charakter vor und schreibt einen negativen Bildungsroman unter dem Motto: Wie wird ein anständiger Mensch zu einem verschlagenen Kriminellen?

          Wenn es haarig wird, behält Saul Goodman (Mitte) einen kühlen Kopf.

          „Better Call Saul“ erscheint einigen Kritikern langatmig. Andere rechnen Gilligan und seinem Koautor Peter Gould die erzählerische Sorgfalt hoch an. Es ist nämlich ein verschlungener Weg vom Paulus zum Saulus, den ihre Hauptfigur in dieser Geschichte beschreitet. Und so nahmen sich Gilligan und Gould mehr als zehn Folgen Zeit, die Hintergrundgeschichte des ambitionierten, aber erfolglosen Anwalts Jimmy McGill zu entwickeln, der sich in den Meister des unsauberen Deals, Saul Goodman, verwandelt. Jimmy hat eigentlich Gutes im Sinn, sein Talent liegt allerdings beim Schachern. Als er partout kein Bein auf den Boden bekommt, wechselt er als Anwalt auf die dunkle Seite der Macht.

          (Un)beabsichtige Ähnlichkeiten

          Am Set in Albuquerque in New Mexico - demselben, wo bereits „Breaking Bad“ gedreht wurde - wird ebendarüber diskutiert, ob in einer Szene mit Rhea Seehorn und Bob Odenkirk die Schauspielerin lieber an ihrem Schreibtisch stehen oder sitzen soll. Man dreht kurzerhand beides. Rhea Seehorn spielt Kim Wexler, eine aufstrebende Anwältin und Jimmys große Liebe, die zunächst versucht, ihn auf den legalen Bahnen ihres Berufs zu halten, dann aber ebenfalls der Freude an erfolgreichen Betrügereien verfällt.

          Odenkirks ernste, flehende Miene aus der eben abgedrehten Szene weicht einem breiten Grinsen, als er eine Handvoll Journalisten begrüßt. Odenkirk ist seiner Figur durchaus nicht unähnlich - er redet gern und viel und schnell, und er zieht sein Gegenüber mit Halbsätzen wie „stimmt doch!“ und „oder etwa nicht?“ gekonnt auf seine Seite.

          Saul Goodman (Bob Odenkirk) wirkt stets wie aus dem Ei gepellt. Er ist nur nicht immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

          Odenkirk ist ein gestandener Showman. Er schrieb für Amerikas berühmteste Comedyserie „Saturday Night Live“, bevor er mit der HBO-Sketchserie „Mr. Show with Bob and David“ zur Kultfigur wurde. Dass man ihn inzwischen auf der Straße erkennt, daran hat er sich noch nicht gewöhnt. „All diese Jahre habe ich für ,Saturday Night Live‘ geschrieben, und gute Freunde wurden zu Filmstars - Chris Farley zum Beispiel oder Ben Stiller“, sagt Odenkirk in seinem heiseren Singsang. „Dass ich jetzt nach dreißig Jahren mit einer Fangemeinde plötzlich bekannt bin, überrascht mich immer noch.“

          Vom Comedy-Autor zum Serienstar

          Odenkirk ist dreiundfünfzig Jahre alt. Die Figur des Jimmy McGill alias Saul Goodman ist ihm so auf den Leib geschrieben, wie das Walter White von „Breaking Bad“ für Bryan Cranston war. Er könne sich mit seiner Figur identifizieren, sagt Odenkirk, mit dem Gefühl, nicht dazuzupassen. „Ich schreibe Comedy, seit ich in der sechsten Klasse war. Ich wusste, dass ich irgendwie Talent habe, und ich habe mich hin und wieder in eine Ecke manövriert, aus der ich mich dann wieder hinauswinden musste - worin ich ganz gut bin.“

          Er könne die Begeisterung nachvollziehen, mit der seine Figur verwegene Pläne schmiede, sagt Odenkirk. „Natürlich macht solche Begeisterung bisweilen blind - die Pläne sind zwar ziemlich gut, aber sie sind nicht wasserdicht.“ Das Vergnügen an „Better Call Saul“ ist denn auch, zu beobachten, wie dank dieser kleinen Lecks eine harmlose Betrügerei zu einem ausgewachsenen Ganovenstück wuchert. „Nichts, was man tut, bleibt schließlich ohne Konsequenzen“, sagt Odenkirk, und die Drehbuchautoren tarierten das mit großer Sorgfalt aus: „Welche Gründe hat jemand, etwas Bestimmtes zu tun? Und welche langfristigen Auswirkungen hat das?“

          Auf die Geduld des Publikums, das eingängige Formeln gewohnt ist, können die Macher von „Better Call Saul“ nicht zählen. Aber vielleicht lassen sich zumindest einiges Fans mit der Aussicht gewinnen, dass in der zweiten Staffel der Anwaltsserie der anderen Art noch weitere Figuren aus „Breaking Bad“ auftauchen werden. „Ich persönlich fände es ja toll, wenn wir eine Szene hätten, die wir schon aus ,Breaking Bad‘ kennen“, sagt Odenkirk, als sich die Aufnahmeleiterin nähert, um ihn wieder vor die Kamera zu holen. „Denn auch wenn einige Figuren in ,Breaking Bad‘ umgekommen sind, sind sie ja in unserer Zeitschiene noch am Leben.“ Das ließe einen glatt an eine Wiederkehr von Walter White denken.

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