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„Beverly Hills 90210“ : Sie sind wieder da

Das Ensemble von „Beverly Hills 90210“ bei einer Veranstaltung des amerikanischen Senders Fox, der das Revival produziert hat. Bild: AFP

Ohne Luke Perry, aber ansonsten in Originalbesetzung: Die Jugendserie „Beverly Hills 90210“ kehrt ins amerikanische Fernsehen zurück. Nicht zum ersten Mal. Aber diesmal, und das ist neu: selbstironisch.

          Im Zimmer von Steve, einem der reichen Kinder aus „Beverly Hills, 90210“, hing ein Dollarschein an der Wand, vergrößert und gerahmt. Mehr muss man über diese Serie, die zwischen 1990 und 2000 produziert wurde und seit dieser Woche im amerikanischen Fernsehen abermals ein Revival erlebt, eigentlich gar nicht wissen.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          „Beverly Hills, 90210“, auch in Deutschland damals und bis heute heißgeliebt, mag alles mögliche gewesen sein: eine Serie über Kalifornien und die High School und Sex; über reiche Kinder und nicht so reiche Kinder; über den Drang, dazuzugehören, den Drang, auszuscheren und dann wieder heimzukehren; eine Serie, die bei den Fans von damals heute bittersüßeste Nostalgie auslöst. Aber bei alledem war „90210“ niemals: ironisch. Der Dollarschein hing in Steves Zimmer an der Wand, weil Steve komplett einverstanden damit war: ein stolzer Bewohner der Hauptstadt des amerikanischen „Empire“, wie Bret Easton Ellis es nennt. Mehr gab es dazu weder zu sagen noch daran zu deuten.

          Ein paar Jahre später, in „Dawson’s Creek“, einer der vielen so viel besseren amerikanischen Jugendserien der neunziger Jahre, wie „Party of Five“ oder „Willkommen im Leben“, wäre ein großer Dollarschein an der Wand eines Jugendzimmers nur als ironischer Kommentar durchgegangen. Nach dem Nirvana-Schock, in den mitten hinein „Beverly Hills, 90210“ gestartet war, konnte eine Jugendserie ohne gebrochene Figuren (wie Dawson, Jen oder Pacey) nicht mehr auskommen. Heute, da ungefähr jede neue Serie mit lustigen Insidergags auf eigene Kosten daherkommt, wäre das erst recht undenkbar.

          Aber „Beverly Hills, 90210“ hatte nur Muskeln und überhaupt kein Verhältnis zu den popkulturellen Traditionen, aus denen Jugendserien sich speisen (und Jugendserien speisen sich immer auch aus den Erinnerungen an jene, die vor ihnen liefen). Da war vielleicht die vage Erinnerung an James Dean, die Luke Perry auslöste, der auch noch „Dylan“ in der Serie hieß, aber das ist alles schon viel zu gut gemeint.

          Wie hätte „Beverly Hills, 90210“ sich auch selbst von außen betrachten sollen, wo doch eine der Hauptfiguren, Donna, von der Tochter des Produzenten der Serie gespielt wurde, nämlich von Tori Spelling? Der Zynismus dieser Serie war nicht nur auf den ersten Blick erkennbar, sie machte auch gar kein Geheimnis daraus, wie sehr ihr das gefiel.

          Weswegen es schon seltsam ist, wenn „Beverly Hills, 90210“ jetzt auf dem amerikanischen Sender Fox als sogenannte Mockumentary weitergeht. Ohne Luke Perry, der Anfang März gestorben ist, aber dafür mit allen anderen, die zur Reunion nach Kalifornien zurückkehren, begleitet von Kameras. Hört man dem Ensemble von damals jetzt zu, wenn es über seine Serie redet, hat man das Gefühl, es hätte nicht nur diese Serie nicht, sondern überhaupt noch nie Fernsehen gesehen. Jedenfalls tut es so, als hätte „Beverly Hills, 90210“ die Institution der identifikatorischen Jugendserie eigentlich erst erfunden. Was für ein Glück, dass das nicht stimmt.

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