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Serie „FBI“ bei Sat.1 : Polizisten unter Feuer

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Spielen die Zwei vom FBI: Zeeko Zaki und Missy Peregrym Bild: Sat.1/CBS

Die Figuren wirken, als habe man sie auf einer Kaffeeserviette entworfen, dafür gibt es auch Hochglanz-Hektik: In Dick Wolfs Serie „FBI“ bei Sat.1 bleibt kein Stein auf dem anderen.

          Für die amerikanische Bundespolizei FBI haben sich im Fernsehen schon die spannendsten Typen ins Zeug gelegt: der Kaffee-Liebhaber Dale Cooper in „Twin Peaks“, Scully und Mulder in „X-Files“, die Verhaltensanalysten um Jason Gideon in „Criminal Minds“, die tragisch scheiternden Terroristenjäger John O’Neill und Ali Soufan in „The Looming Tower“. Hinzu kommt in der realen Welt der frühere FBI-Direktor Robert Mueller, der als Sonderermittler die mögliche Russland-Connection von Donald Trump untersucht. Dazu gibt es täglich Fortsetzungen im Fernsehen.

          Maggie Bell (Missy Peregrym) und Osmar Adom Zidan (Zeeko Zaki), Hauptfiguren der Serie „FBI“, in der pro Folge ein Fall abgeschlossen werden wird, müssen sich ihren Ruhm noch erarbeiten. Sie sind Feldagenten beim New Yorker Büro und schauen so ernst wie möglich drein, um nicht wie Frischlinge zu wirken. Das sind sie auch nicht. Maggie Bell tat vor dem Wechsel nach New York im Mittleren Westen Dienst. Omar Adom Zidan, genannt „OA“, ist zwar neu im Team, war aber zwei Jahre lang Undercover-Agent der DEA.

          Das Böse erwischt in Amerika jeden und überall

          Beide besitzen also das Bauchgefühl, auf das es ankommt, wenn sie sich einem Tatort nähern, und dieses Bauchgefühl täuscht sie nicht, als ihre Wagenkolonne exakt neun Minuten nach einer Explosion in einem Mehrfamilienhaus in der Bronx eintrifft. Sie ahnen: Hier knallt es gleich abermals. Tatsächlich folgt eine zweite Explosion. Ihre Wucht schleudert die FBI-Ermittler ebenso zu Boden wie die Rettungskräfte. Und weil schlimmer immer geht, gerade im Serienfernsehen, beginnen sich die Backsteine aus der Fassade zu lösen. Das Wohngebäude, in dem zwei Kinder leben, denen wir zum Auftakt bis vor den Hauseingang gefolgt sind, sackt in sich zusammen. Aschweißer Staub weht über Haare, Gesichter und Uniformen. Das Böse erwischt in Amerika jeden und überall. Aus heiterem Himmel. Die Szenerie erinnert an Ground Zero.

          Die Spur, die das FBI verfolgt, führt zu Bandenkriegern mit tätowierten Gesichtern und zu einem Rassisten, der sich als Unschuldslamm gibt. Andere Folgen kreisen um Schülerinnen, die Shirts von „unglaublich aggressiven“ Anarchobands tragen; sie wurden im Internet von Islamisten geködert. Oder um einen Sadisten, der Frauen zur Prostitution zwingt und ihre Leichen im Wald verscharrt.

          Serienerfinder Dick Wolf, der in New York geboren wurde und in Hollywood als Schreiber für Serien wie „Polizeirevier Hill Street“ und „Miami Vice“ anfing, ist ein Vollprofi. 1990 hat er die Polizeiserie „Law and Order“ entwickelt, die in 456 Folgen zwei Jahrzehnte lang lief und mehrere Ableger erlebte. Er schob auch die Feuerwehrserie „Chicago Fire“ an, zu der auch „Chicago P.D.“ und „Chicago Med“ gehören. Das Tolle an seiner Produktionsfirma sei, sagte er in einem Interview: „Wir machen keine Ferraris. Wir machen Mercedes-S-Klasse-Vans. Sie sind schwarz. Sie sind nicht flashy. Aber sie laufen über mehrere hunderttausend Meilen.“ Solide Ingenieurkunst vom Fließband.

          „FBI“ hat aber Luft nach oben. Die ersten Folgen, die Sat1 zur Ansicht zur Verfügung stellte, machen auf Tempo, Hochglanz und Relevanz. Tatsächlich sind sie vor allem hektisch und unruhig. Die Verkörperung dieser Unruhe ist Abteilungschef Jubal Valentine, der die Kollegen wie ein Football-Team antreibt: „Alle! Mal! Herhören!“, „Los! Los! Los!“ Gespielt wird er von Jeremy Sisto, der bei „Law and Order“ den Detektive Cyrus Lupo mimte. Die Hauptfiguren sind genretypische Cops und wirken wie auf einer Kaffeeserviette entworfen. Maggie Bell ist tough, empathisch und vom Schicksal gebeutelt. Ihr Partner „OA“ Zidan ist Muslim und cool: Schmelztiegelfernsehen, so progressiv wie möglich zusammengestellt.

          Ob selbst Donald Trump auf die Serie reagiert, mit der Wolf, dessen Onkel FBI-Agent war, der amerikanischen Bundespolizei das Rückgrat stärken will? Die Rede zur Lage der Nation am Dienstagabend, live übertragen, fand jedenfalls genau zu dem Zeitpunkt statt, zu dem beim Sender CBS programmgemäß „FBI“ gelaufen wäre. Der bissige Kommentar des Late-Night-Talkers Stephen Colbert lautete: „Es ist nicht das erste Mal, dass er FBI-Ermittlungen gestört hat.“

          FBI beginnt heute, Donnerstag 10. Januar, um 20.15 Uhr, bei Sat.1.

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