Serie „Bad Banks“ : Hauptsache siegen, wofür spielt keine Rolle
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Eiskalte Lügnerin, Betrügerin und Spionin
Was die dreiundzwanzigjährige Paula Beer in der Rolle der beruflichen Durchstarterin leistet, ist beachtlich. Auf der Berlinale war sie in Christian Petzolds „Transit“ zu sehen, für ihre erste Filmrolle in „Poll“ bekam sie vor sieben Jahren den Bayerischen Filmpreis als beste Nachwuchsschauspielerin, danach hatte sie in François Ozons Film „Frantz“ eine Hauptrolle. Nun ist ihr Spiel das Gravitationszentrum von „Bad Banks“. Jana, über deren Herkunft wir praktisch nichts erfahren, wirkt in Berufsuniform zunächst wie eine verirrte Konfirmandin, erweist sich jedoch als eiskalte Lügnerin, Betrügerin und Spionin, die ihre Mimik perfekt beherrscht. Wäre da nicht immer wieder die Angst, die sich zu Panikattacken steigert. Dann schnappt sie nach Luft, weiß sich nicht mehr auf den Beinen zu halten, totaler Kontrollverlust. Männer müssen der Frau, die sich sonst allein durch eine Männerdomäne fräst, gut zureden: Der Druck ist da, die Panik aber, die ist nur in deinem Kopf.
Ihr Gegenspieler, auch das ein geschickter Schachzug des Drehbuchs, ist gleichfalls eine Frau und ein weiterer Casting-Glücksgriff in einem starken Ensemble. Désirée Nosbusch verkörpert die Luxemburger Topbankerin Christelle Leblanc, eine ehemalige Geheimdienstmitarbeiterin, als elegant graumelierte Hexe, vor der Miranda Priestly aus „Der Teufel trägt Prada“ schlottern würde. Und sie spielt ihre Rolle so, dass Désirée Nosbusch komplett hinter ihr verschwindet.
Leblanc sorgt dafür, dass die junge Bankerin als Sündenbock für die Fehler eines anderen herhalten muss, ihren Job verliert – und bei der Global Invest anheuern kann. Der Preis: Insiderinformationen. Jana, bald mit der Rekordfinanzierung eines Städtebaugroßprojekts in Leipzig betraut, dem Lebenstraum des todkranken Oberbürgermeisters Schultheiß (Jörg Schüttauf), will erst nicht liefern. Zu „krass“ ist, was sie in den Akten eines ihrer Chefs (Tobias Moretti) gefunden hat. „Dafür gehen Leute in den Knast“, sagt sie. Aber Stück für Stück verschieben sich die roten Linien. Leblanc wird an Mord denken. Jana an Whistleblowing. Zum eigenen, verdeckten Vorteil natürlich.
Kein Weg mehr zurück
Kamera und Schnitt (Frank Lamm, Jens Klüber, Julia Karg) sorgen dafür, dass wir immer ganz nah an den Figuren sind, oft auf Augenhöhe. Unser Blick schweift durch ihr Blickfeld, als ständen wir direkt neben ihnen oder hasteten mit ihnen zu elektronischen Beats durch die Gänge der Bank, in den Trading-Raum, wo der Adrenalinpegel durch die Decke geht, in schicke Lounges, auf Dachterrassen und Parkplätze zu geheimen Absprachen und natürlich in die Clubs, wo Partys mit Sex und Drogen Entlastung schaffen sollen. Der Look der Serie ist kühl durchgestylt wie das Berufsleben ihrer Charaktere.
Um Jana herum gruppiert sich ein schönes Panoptikum von Gestörten: ein Jungbanker mit Vaterkomplex, einer mit perversen Gewaltneigungen, eine kickboxende Asiatin (ja, das ist ein Klischee) mit Stalkingproblem. Aber „Bad Banks“ macht Investmentbanker nicht zu Freaks, es zeigt sie nur als Süchtige, die von einem System mit enormem Sex-Appeal – eine Welt der polyglotten, gutaussehenden Elite auf Hochleistungsdrill – absorbiert werden und kein Außen mehr kennen. Und es geht um Erpressbarkeit. Jeder kann in das Mahlwerk des Thrillers geraten, der das Tempo beständig hoch hält und in dem Allianzen so schnell geschmiedet werden, wie sie zerfallen. Immer „noch größer denken“, schließlich großkriminell – so rettet man seine eigene Haut. Für Jana gibt es, als die letzte Verbindung zu ihrem alten Leben reißt, kein Zurück mehr. Sie schmiedet ein Triumvirat und sinnt auf Rache. Der Weg in eine zweite Staffel ist gebahnt.
Bad Banks startet heute um 20.15 Uhr bei Arte, und am Samstag, 3. März, um 21.45 Uhr im ZDF.