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ARD-Krimi „Carneval“ : Vor Weiberfastnacht wird gewarnt

  • -Aktualisiert am

Alles Maskerade, dahinter steckt das Böse: Der titelgebende Clown, der in „Carneval“ den Tod bringt. Bild: ARD Degeto/Frank Dicks

Ein Kommissar sucht einen Serienmörder, eine Kommissarin Rache: Im Krimi „Carneval“ geht einiges durcheinander. Vor lauter Thriller, Horror und Action fehlt dem Film mit Peter Lohmeyer und Lisa Maria Potthoff die Mitte.

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          Wie müssen wir uns die Ansichten eines Clowns im Ersten Deutschen Fernsehen vorstellen? Er ist der Meinung, es sei eine feine Sache, Frauen an Weiberfastnacht zu überfallen, ihnen Fleischstücke von der Größe eines Steaks aus dem Gesäß zu schneiden und sie umzubringen. Wie sieht der Clown aus? Als gehöre er zur näheren Verwandtschaft von Pennywise, der in Stephen Kings „Es“ das verträumte Örtchen Derry heimsucht. Wo treibt der öffentlich-rechtliche Clown sein Unwesen? In Köln. Special Features? Luftballons, die er, so wie Pennywise es vorgemacht hat, seinen Opfern gerne vor die Nase hält.

          Kai Spanke
          Redakteur im Feuilleton.

          Der dazugehörige Film basiert auf einem Kriminalroman von Craig Russell und trägt den Titel „Carneval – Der Clown bringt den Tod“. Dabei ist den Machern wohlgemerkt kein Rechtschreibfehler unterlaufen; Kommissar Scholz (Christoph Franken), der Präsidiumsprimus in Wichtigtuerei, erklärt, was Sache ist: „Carneval. ,Carne‘, lateinisch mit ,C‘ geschrieben, das heißt übersetzt – Fleisch. Also Carne-vale: Fleisch, leb wohl.“

          Mit Hilfe solcher Exkurse in die Linguistik wollen die Ermittler den Täter besser verstehen, was unter anderem zur Erkenntnis führt, dass er den Zeitpunkt seiner Verbrechen symbolisch wählt: „Weiberfastnacht. Der Tag, an dem die Frauen hier die Macht übernehmen. Ein Frauenhasser. Ein menschenfressender Frauenhasser.“ Die Morde, so mutmaßt Scholz weiter, könnten von einer kranken Form der Liebe motiviert sein, bei der man sich den anderen einverleiben will. Fußnote: Eine später eingeführte Figur benimmt sich verdächtig und war mal Sternekoch.

          Sie will Rache nehmen: Kommissarin Maria Klee (Lisa Maria Potthoff) begibt sich in ungehobelte Gesellschaft.
          Sie will Rache nehmen: Kommissarin Maria Klee (Lisa Maria Potthoff) begibt sich in ungehobelte Gesellschaft. : Bild: ARD Degeto/Frank Dicks

          Erörtert werden die küchenpsychologischen Unappetitlichkeiten vor einem Flipchart, welcher vollgeklebt ist mit Fotos, Schnipseln, Karten, Haftzetteln und Zeichnungen. Überschrift: „Carnevale = Fleischeslust“. Dazu Notizen: „Paraphilie bzw. sexueller Fetischismus“, „Kein Zeuge“, „Sexuelle Stimulation?“ Die unfreiwillige Komik der Szene entsteht aus dem Enthusiasmus, mit dem Regisseur Nicolai Rohde Pinnwand-Klischees gängiger Thriller zitiert.

          Bestimmte Storys, das kann man hier lernen, gehen im deutschen Fernsehen unweigerlich mit gefestigten Erzählstrukturen und Bildkonventionen einher, die nicht individuell, sondern wiedererkennbar sein wollen. Komisch erscheint auch die Hauptfigur Jan Fabel (Peter Lohmeyer). Der Hamburger Experte für Serientäter reist nach Köln, um den Kollegen zu helfen. Und er tut dies genau so, wie wir ihn kennen: ernst, auf geradezu extrovertierte Weise introvertiert, abgeklärt bis hin zur charakterlichen Neutralisierung.

          Neben dem Horror-Clown hat Fabel noch ein zweites Problem. Seine Kollegin Maria (Lisa Maria Potthoff) wurde von einem ukrainischen Mafioso niedergestochen und befindet sich jetzt, gut erholt und durchtrainiert, auf Rachetour. Dabei gerät sie an testosterongeladene Proletenschurken, die jeder Unterweltromantik zugunsten kalter Bestialität abgeschworen haben. Auf derartiges Personal hat sie sich jedoch vorbereitet: In ihrer Wohnung unterhält Maria ein geheimes Hightech-Kämmerchen (Superrechner, Beamer) mit Vintage-Staffage (Zettelwirtschaft, Aktenordner). Auch hier die vollgeklebte Wand, auf der obendrein noch Schnüre gespannt sind, die ordentlicher zusammenlaufen als die Handlungsfäden des Films.

          Denn die zwei Plotstränge haben, von Protagonist und Schauplatz abgesehen, keinen gemeinsamen Fluchtpunkt. Dieses dramaturgische Manko soll durch parallel geschnittene und im Aufbau ähnliche Szenen gelöst werden, die sich abwechselnd dem Clown und Maria widmen. Allein, es fehlt die Könnerschaft. „Carneval“ möchte raffiniert und fesselnd sein, ist aber nicht mehr und nicht weniger als ein clowneskes Potpourri aus Krimi, Horror und Action.

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