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„The Marvelous Mrs. Maisel“ : Ist das schon Emanzipation oder noch Showbusiness?

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Königin der Bonbonfarben: Rachel Brosnahan als Mrs. Maisel. Bild: Amazon Prime

Witzigkeit kennt keine Geschlechtergrenzen: Amazon zeigt die zweite Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“. Rachel Brosnahan brilliert abermals als Stand-Up-Komikerin – vor deren scharfem Witz Machos kapitulieren müssen.

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          Für die Schauspielerin Rachel Brosnahan hat sich die Zusammenarbeit mit Amazon schon vor der Ausstrahlung der zweiten Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ gelohnt. Nicht nur weil die erste Staffel acht Emmys gewann, darunter den für die beste Hauptdarstellerin. Nun, sagt die Schauspielerin, eröffneten sich für sie Möglichkeiten, die vor Miss Maisel undenkbar gewesen wären: „Ich sitze in Hollywood mit Leuten am Tisch, die ich früher nur aus der Ferne bewundert habe.“

          Konkreter will Rachel Brosnahan nicht werden, wohl aber die Produzentin Amy Sherman-Palladino loben. Diese habe bei ihr ein komödiantisches Potential erkannt, das ihr sonst niemand zugetraut habe. Andere Rollen, wie in „Patriot’s Day“ oder „House of Cards“ hätten wohl eher damit zu tun gehabt, „dass ich dramatisch heulen konnte“.

          Amy Sherman-Palladino hat vor „Mrs. Maisel“ schon die Serie „Gilmore Girls“ hervorgebracht. In Mailand, wo die zweite Staffel ihrer neuen Serie vorgestellt wurde, bahnt sie sich mit ihrem Ehemann und Koautor David Palladino durch die Schar der Bewunderer und übt sich vielleicht eine Spur zu ostentativ in Understatement: „Die Welt ist schon zu dunkel, als dass ich auch noch eine eigene Talkshow haben müsste“, sagt sie und versichert: „Bei keinem anderen etablierten Network hätte ich Rachel in der Hauptrolle durchbekommen.“ Da gebe es so viele Bedenkenträger, die ihr „die üblichen Verdächtigen verordnet“ hätten. Nicht so bei Amazon: „Sie sagen: ,Du willst sie, dann mach!‘ Das kenne ich sonst nicht. Die alten Networks nehmen dir die Luft zum Atmen, während sie dich auf der anderen Seite heiß machen.“

          Besprechung im Diner: Midge Maisel (Rachel Brosnahan, links) und ihre Managerin Susie Myerson (Alex Borstein).

          So läuft nun bei Amazon die zweite Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“, mit einer so selbstsicheren wie schlagfertigen weiblichen Hauptfigur, vor der Machos kapitulieren müssen. Wobei man auch die weitere Besetzung in den Blick nehmen sollte. Tony Shalhoub muss in der Rolle von Rachels Vater Abe Weissman gleich zum Auftakt der neuen Staffel das größtmögliche persönliche Desaster verwinden. Seine Frau Rose (Marin Hinkle) ist weg. Einfach weg, ohne sich zu verabschieden. Als er seine Tochter nach Hause befiehlt und ganz langsam rekonstruiert, was seine Frau ihm zuletzt mitgeteilt hat, schwant ihm, dass sie sagte, sie sei nun in Paris, weil ihr hier ja sowieso niemand zuhöre. Außerdem gebe es abends Lamm. „Lamm ist gut“, hatte er gemurmelt, ohne von der Zeitung aufzublicken. Noch einmal bäumt er sich auf, als er dem Küchenmädchen droht, sie habe gefälligst loyal zu dem zu sein, der sie bezahle und nicht zu dem, den sie mag: „That’s the American Way.“

          So beiläufig kommt Gesellschaftskritik in dieser Serie daher, die auch nicht in die Romantik-Kitsch-Falle tappt, in die amerikanische Produktionen nicht selten gehen, wenn sie die Handlung nach Paris verlegen. Mit Vintage-Filter und Sonnenuntergang müssen Seine-Brücken als Emotions-Turbos herhalten. So ganz entkommt dem die tatkräftige Midge Maisel nicht, als sie mit ihrem Vater nach Paris fliegt, um ihre Mutter zurückzuholen. Getrennt von ihrem Mann, der ihr neuerlich aufscheinendes Selbstbewusstsein nicht erträgt, überkommt Rose dort inmitten von Liebespaaren dann doch der Katzenjammer. Das ist aber auch schon der einzige Ausrutscher.

          Amy Sherman-Palladino verpackt ihre Botschaft, dass Frauen alles erreichen können, wenn sie nur wollen, in die allersüßesten Bilder und Choreographien. Allein wie Midge Maisel gleich zu Beginn mit dem Bürostuhl an die Arbeitsplätze ihrer Kolleginnen rollt, um mit unnachahmlicher Akkuratesse Anrufe anzunehmen und per Stöpsel zu verbinden, wie eine Pariser Concierge Abe und Midge, die mit Koffern in der Hand zur Bleibe von Rose durchdringen wollen, verfolgt und beschimpft – alles gedreht in einer Einstellung. Und der Shuffle, den Mutter Rose elegant hinlegt, um ihre Milchflaschen im Blumenkasten zu verstauen und dabei die scharfsinnigsten Antworten auf die aufgeregten Vorwürfe ihres Mannes zu geben – das ist großes Kino im Fernsehformat.

          Die zweite Staffel habe man mit viel Herzblut, aber mit wenig öffentlichem Druck gedreht, sagt Amy Sherman-Palladino. Davon hat sie jetzt freilich gut reden. Am Abend des letzten Drehtags der zweiten Staffel stand die Verleihung der Emmys an – die mit einem Preisregen für die Serie endete. Dass Amazon Prime Video die dritte Staffel bestellt hat, verwundert nicht. In der ersten Staffel, sagt Rachel Brosnahan, habe ihre Midge Maisel die beiden Welten, in denen sie lebt – als schonungslose Stand-up-Komikerin auf der Bühne und als Kaufhaus-Angestellte –, noch trennen können. In der neuen Staffel kollidierten die Sphären und absorbierten sich, sagt sie. Dabei stehen ihr Alex Borstein als treue schwarzhumorige Managerin und Freundin Susie Myerson, Michael Zagen als Midges traurig-stolzer Ehemann Joel und Kevin Pollak als Unternehmer Moshe Maisel zur Seite. Der zur Premiere in Mailand aus Deutschland angereiste Chef von Amazon Prime Video, Christoph Schneider, versprach dem Publikum indes auch ein baldiges Kontrastprogramm zu „The Marvelous Mrs. Maisel“: Amazon dreht eine – fiktive – Serie über das Leben von Diego Maradona.

          Die zweite Staffel von The Marvelous Mrs. Maisel ist gerade bei Amazon Prime Video in der Originalversion gestartet. Die deutsche Fassung folgt Anfang des kommenden Jahres.

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