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Amazon-Serie „Alpha House“ : Vier Mann in einem Boot

Nachricht von Jeff Bezos? Mark Consuelos, John Goodman, Clark Johnson und Matt Malloy (von links) sind auf Empfang Bild: AP

Der Online-Riesenversand Amazon legt seine erste Fernsehserie auf: „Alpha House“ mit John Goodman handelt von Politikern in Washington. Dahinter steckt Kalkül.

          Es gibt Siege, über die man nicht froh werden kann. Senator Louis Laffer, Republikaner aus Nevada, nimmt einen Preis für Prinzipientreue entgegen und trägt schwer an der Ehre. Den Goldpokal mit den Ausmaßen und dem Figurenschmuck einer Hochzeitstorte kann der zierliche Glatzkopf kaum halten. Aber die Auszeichnung des „Rates für die normale Ehe“ durfte Laffer nicht ausschlagen. Seine Wiederwahl steht an, in der Vorwahl muss er einen innerparteilichen Herausforderer abwehren, den die Tea Party unterstützt. Die Anhänger des Rates sind ausschließlich ältere Herren im grauen Anzug mit blauer Krawatte. Mitten unter den Unlustgreisen sitzt eine junge Frau, die Mitarbeiterin des Senators. Ihrem Gesicht kann man ablesen, dass sie sich Sorgen um ihren Chef macht. Mit Recht. Etwas zu enthusiastisch fällt sein Bekenntnis zur Aufklärungskampagne „Nein zum unnatürlichen Geschlechtsverkehr“ aus, zu ausführlich die Aufzählung der Praktiken, von denen normale Eheleute nichts wissen wollen.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Die Serie „Alpha House“, der jüngste Beitrag zum Genre der Hauptstadt-Sitcom, hat einen berühmten Autor: Garry Trudeau, dessen Comicstrip „Doonesbury“ eine seit 43 Jahren fortgeschriebene Chronik der Debatten zur Lage der Nation ist. Trudeau zeichnet Washington als Ökosystem, dessen Lebensgesetz Korruption heißt: Der Teich ist längst umgekippt, aber die Fische werden immer dicker. Jede Form ist hier Auswuchs, das Groteske natürlich – wie in der Pilotfolge der Serie die Trophäe, die so groß ist, dass ein Senator im Vorwahlkampf an ihr nicht vorübergehen kann. Nach dem Fototermin bleibt für den Pokalgewinner die Frage: Wohin mit dem Ding?

          Laffer besitzt in Washington zwar ein Haus. Aber drei der Zimmer sind untervermietet, an Fraktionskollegen, und Andy Guzman (Mark Consuelos), Senatsneuling aus Florida, hat sein Zimmer schon mit eigenen Pokalen vollgestopft. Jede Wahlkampfhelferin, die er zum Nachtgedankenaustausch mitnimmt, soll wissen, dass sie an einen Sammler geraten ist. Seit dem Rednerwettbewerb in der Highschool hat der Sohn kubanischer Einwanderer alles gewonnen, und naturgemäß richten sich seine Augen auf das Weiße Haus. Staatsmännerwirtschaft oder „Ein seltsames Paar“ mal zwei: Trudeau bedient sich aus dem Musterkoffer der Seriengeschichte.

          John Goodman ist das Zugpferd von „Alpha House“

          Die Idee der Politiker-WG verdankt Trudeau dem Hauptstadtkorrespondenten des Sonntagsmagazins der „New York Times“, Mark Leibovich, der 2007 über vier Demokraten berichtete, die wie Studenten zusammenhausen, darunter Senator Charles Schumer. Den liberalen Chefstrategen aus New York nimmt sich in „Alpha House“ Robert Bettencourt zum Vorbild, der schwarze Senator aus Pennsylvania, der seinen überschüssigen Ehrgeiz in den Versuch steckt, romantische Koalitionen unter den Mitarbeitern zu stiften. Bettencourt ist der älteste Hase im Elefantenstall; herrlich der Werbefilm, der das Versprechen, ein Kandidat sei schon am „Tag eins“ zu allem fähig, umstülpt und den Veteranen lobt, der auch nach 6569 Tagen noch unermüdlich im Einsatz ist.

          Das Drehbuch hängt ihm standesethische Probleme an; sie erklären, erläuterte Trudeau in einem Interview, dass ein schwarzer Republikaner mit seiner Anciennität nicht als geborener Präsidentschaftskandidat gehandelt wird. Den so energischen wie diskreten Staatsgeschäftsmann verkörpert Clark Johnson, der Chefredakteur aus „The Wire“, der bei einigen Folgen von David Simons Serie auch Regie führte, darunter bei dem Pilotfilm und der letzten Folge. Auch bei „Alpha House“ ist Johnson als Regisseur beteiligt. Er zeichnet für die elfte und letzte Folge verantwortlich, die ein Begräbnis mit Anwesenheitspflicht für alle Mächtigtuer schildert. Einige Statisten spielen sich selbst, was sie ja auch bei gleichen Anlässen im echten Leben tun.

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