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Am Set von „Downton Abbey“ : So schön war das England, das es nie gab

  • -Aktualisiert am

Hugh Bonneville als Robert, Earl of Grantham, und Laura Carmichael als Lady Edith Crawley wirken stilecht. Doch was steht da neben der Vase auf dem Kaminsims? Bild: Carnival/ITV

Für die britische Serie „Downton Abbey“ begeistert sich alle Welt. Sie zeigt eine Vergangenheit, an der sich das heutige Publikum berauscht. Die Macher wollen es so echt wie möglich. Und haben doch einen kleinen Fehler gemacht. Ein Drehbesuch.

          Im neunzehnten Jahrhundert war Ealing ein Außenbezirk, wo wohlhabende Londoner Zuflucht im Grünen suchten. Inzwischen hat die Stadt den Vorort längst in ihre Fangarme geschlossen. Rund um Ealing Green macht sich der dörfliche Charakter allerdings noch bemerkbar. Dort steht eine bescheidene weiße Villa, die wie das Pförtnerhaus eines großen Anwesens wirkt. Dieses beinahe rührende Gebäude ist die Wiege der berühmten Ealing Filmstudios, wo britische Klassiker wie „Adel verpflichtet“, „Ladykillers“ und „Blockade in London“ gedreht wurden. Das denkmalgeschützte Haus sieht aus, als gehöre es selbst zu einer Filmkulisse. Als die Studios, die sich auf dem Freigelände dahinter ausbreiten, Mitte der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts den Besitzer wechselten, ließ der Produzent Michael Balcon eine Tafel mit der patriotisch-pathetischen Aufschrift anbringen: „Hier wurden während eines halben Jahrhunderts viele Filme gemacht, die Großbritannien und den britischen Charakter vermittelt haben.“

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Ein halbes Jahrhundert später entstehen in einer hangarartigen Halle der Ealing Studios große Teile von „Downton Abbey“. Nach bewährter Ealing-Tradition projiziert das in die fünfte Staffel gehende Kostümdrama über die Crawleys und ihre Bediensteten ein wie auch immer schöngefärbtes Bild Großbritanniens in mehr als zweihundert Länder und Regionen, vom europäischen Festland und Amerika bis nach Korea und China. Dort erfreut sich die Serie derartiger Beliebtheit, dass Premierminister Cameron dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang unlängst bei dessen Besuch in London das Drehbuch der ersten Folge von „Downton Abbey“ mit dem Autogramm des Autors Julian Fellowes als Gastgeschenk überreichte. In China und anderen Ländern, wo neue Millionäre den Lebensstil des alten Geldes nachahmen, hat die Serie einen Bedarf für britische Diener geschaffen. Die Superreichen wollen sich verwöhnen lassen wie Graf Grantham von seinem treuen Carson.

          Wenige Schritte vom Eingang zum fabrikähnlichen Studiokomplex entfernt, beschwört ein Cottage mit einer von Rosen umrankten Mauer die ländlichen Ursprünge von Ealing. Dieses der Gegenwart trotzende Überbleibsel ist geradezu sinnbildlich für die Vergangenheit, die „Downton Abbey“ auf den Bildschirm bringt, um dem Zuschauer einige Stunden Eskapismus zu bescheren. Das mit Lastwagen, Anhängern und Bussen vollgestellte Gelände vor den Ateliers, Werkstätten und Produktionsbüros bringt einen brüsk in die Gegenwart zurück.

          Eine Treppe ins Nichts

          Würzige Curry-Gerüche wabern durch die Luft. Sie kommen von Roses Catering-Lastwagen, wo um zehn Uhr morgens das Mittagessen zubereitet wird, das die Belegschaft später in einem weißen Doppeldeckerbus verzehrt. Das umgerüstete Fahrzeug, wo man sich an Tischen gegenübersitzt wie im Eisenbahnabteil, dient als eine Art Aufenthaltsraum. In der Mittagspause sitzt dort die Downton-Köchin Mrs. Padmore mit ihrer Assistentin Daisy, dem durchtriebenen Diener Thomas, der in Wirklichkeit sprüht vor kessem Charme, und anderen, die sich in vollem Kostüm mit ganz und gar unzeitgemäßer Kost stärken.

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