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„A Discovery of Witches“ : Die Vampire lassen wieder ihre Kultiviertheit raushängen

Kennen Sie dieses Buch? Matthew Goode und Teresa Palmer schleichen als Vampir und Hexe erst mal umeinander herum. Bild: Picture-Alliance

Alles in dieser Serie war schon mal da, und trotzdem will man weiterschauen: Mit „A Discovery of Witches“ setzt Sky die „All Souls“-Trilogie von Deborah Harkness um. Das Ergebnis ist vollkommen konventionell – und trotzdem reizvoll.

          Man sollte sich ja hüten vor Vergleichen, aber manchmal ist es eben der treffendste Weg, etwas zu beschreiben. „A Discovery of Witches“ lädt dazu besonders ein, weil es in so viele Fußstapfen tritt: Eine Hexe lernt einen attraktiven Vampir kennen, der aber eigentlich etwas zu gefährlich für sie ist („Twilight“), sie leben wie andere Hexen, Vampire und Dämonen heimlich mitten unter den Menschen („Buffy“, „Charmed“), und zwar am Campus der Universität Oxford mit ihrer geheimnisvollen Bibliothek („Harry Potter“), aber andere Hexen und Vampire sind gegen ihre Verbindung („Romeo und Julia“). Wer solche Plots rasend uninteressant findet, kann dafür den Anblick der herrlich geschichtsträchtigen und pittoresken Schauplätze Oxford und Venedig sowie eines französischen Schlosses genießen – so wie bei sämtlichen Dan-Brown-Verfilmungen. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass alles an dieser Serie schon mal da war. Und trotzdem hat sie eine erstaunliche Anziehungskraft.

          Das liegt zum einen an den Hauptdarstellern Teresa Palmer und Matthew Goode. Sie spielt die Wissenschaftshistorikerin Dr. Diana Bishop, die in Yale lehrt und für ihre Forschungen über Alchemie an das All Souls College von Oxford zurückkehrt, in dem traditionell die Absolventen der Universität forschen. An ihrem ersten Tag in der Bibliothek gelingt es ihr, ein Buch über Zauberei auszuleihen, das seit Jahrhunderten als verschollen gilt und auch prompt sonderbare Erscheinungen auslöst. Sie gibt das Buch erschrocken zurück, aber von diesem Moment an interessieren sich plötzlich alle für sie: Vampire, Dämonen, Hexen und allen voran der ominöse Chefhexer Peter Knox (Owen Teale).

          Diana Bishop ist eindeutig ihrer Schöpferin nachempfunden: Deborah Harkness studierte selbst in Oxford Wissenschafts- und Medizingeschichte und forschte auch zu Okkultem, Alchemie und Magie. Mitte der Neunziger entdeckte sie zwei Manuskripte einer verschollenen lateinischen Abhandlung über Magie aus dem 16. Jahrhundert wieder, dem Buch Soyga. Heute hat Deborah Harkness eine Professur an der University of Southern California inne. Die „All Souls“-Bücher sind ihre einzigen fiktiven Werke, publiziert zwischen 2011 und 2014, als der Hype um Vampire und Hexen eigentlich längst vorbei war, und trotzdem immens erfolgreich.

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          Matthew Goode spielt den Vampir Matthew Clairmont, der auch eine Parallele zur Autorin aufweist: Beide kennen sich ausgezeichnet mit Wein aus. Er ist Professor der Biochemie und forscht im Geheimen auch zu seiner eigenen Spezies, denn die Vampire drohen auszusterben. Ebenso wie die Dämonen, die nicht ganz das sind, was der geübte Zuschauer anderer Serien erwarten würde: Clairmonts bester Freund etwa trägt Knickerbocker, wohnt feudal auf dem Land und geht mit ihm zur Jagd. Die ist dann allerdings wieder ganz klischeegemäß: Clairmont erlegt ohne Waffe einen Hirsch und saugt ihn aus, weil er irgendwie kompensieren muss, dass die Hexe so anziehend riecht. Die Engführung zwischen sexuellem Begehren und Blutdurst bei Vampiren ist so alt wie das Genre selbst – das könnte eine Serie durchaus mal klug psychologisch beleuchten, aber kluge Psychologie ist nicht unbedingt die stärkste Seite von „A Discovery of Witches“.

          Wir sehen also diesen beiden ziemlich guten Schauspielern zu, wie sie völlig erwartbare Handlungen vollziehen – und es ist kein bisschen langweilig, weil die Chemie zwischen ihnen so hervorragend stimmt. Wenn man schon einem Paar acht Folgen lang dabei zuschauen muss, wie es nervös voreinander rumsteht oder sich abwechselnd anfaucht und anhimmelt, dann unbedingt diesem. Hinzu kommen ein paar mehr oder weniger freiwillig komische Momente, die verhindern, dass die Serie verkrampft düster wirkt. Etwa die Tatsache, dass die Dämonen, wie man einem kurzen Wortwechsel zwischen Clairmont und seinem Freund entnehmen kann, quasi die Londoner City schmeißen, sich aber marginalisiert fühlen. Natürlich auch die unvermeidliche Szene, in der die Vampire ihre Kultiviertheit raushängen lassen: Clairmont nimmt Bishop mit nach Hause zu seiner snobistischen Mutter, wo die Oxford-Absolventin sich wie eine Barbarin fühlt, weil sie eintausendfünfhundert Jahre jünger ist als ihr Liebhaber und nicht so viel Zeit hatte, Gesellschaftstänze und alte Sprachen zu erlernen.

          Sky hat bereits die nächsten beiden Staffeln in Auftrag gegeben, die Band zwei und drei umsetzen sollen. Vielleicht bieten die mehr Überraschungen, aber Überraschungen werden ja ohnehin überschätzt. Die erste Staffel unterhält die Zuschauer zuverlässig – mehr muss es manchmal gar nicht sein.

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