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„Ein starkes Team“ wird 25 : Nirgendwo ist man in Berlin noch sicher

„Ein starkes Team“: Matthi Faust, Stefanie Stappenbeck und Florian Martens (von links). Bild: ZDF und Katrin Knoke

Die Serie „Ein starkes Team“ läuft im ZDF seit 25 Jahren. Ist das Jubiläum ein Grund, ans Aufhören zu denken? Mitnichten! Das zeigt die heutige Folge mit Stefanie Stappenbeck und Florians Martens: „Abgetaucht“.

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          Linett Wachow bekommt unverhofften Besuch. Ihr Jugendfreund Stefan Kopp steht abends vor der Tür. Seit Jahren hat sie ihn nicht gesehen. Jetzt macht er einen gehetzten Eindruck. Er kippt das einzige Bier, das Linett eigentlich als eiserne Reserve für ihren Kollegen Otto Garber im Kühlschrank hat, hinunter und ist, bevor er Linett seine Nummer hinterlassen hat, wieder weg. Die Kommissarin muss zu einem Tatort. Im Abklingbecken eines Saunaclubs wurde eine Leiche gefunden. Der Anwalt Richard Siebert, stellt die Gerichtsmedizinerin Gabriele Simkeit schnell fest, wurde unter Wasser gedrückt. Vor seinem Tod hatte er, wie sich herausstellt, eine Auseinandersetzung mit einem anderen Mann: Stefan Kopp.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          So beginnt der achtzigste Fall der Krimiserie „Ein starkes Team“, die seit 25 Jahren im ZDF läuft und heute Jubiläum feiert. Da könnte man mit einer unendlichen Geschichte mit Patina rechnen, für die der öffentlich-rechtliche Sender kein würdiges Ende findet. Doch so ist es ganz und gar nicht. „Ein starkes Team“ ist, wie der betreuende Redakteur Günther van Endert festhält, erfolgreicher denn je. Mehr als sieben Millionen schauen zu, wenn Stefanie Stappenbeck und Florian Martens in der Rolle der Kommissare Wachow und Garber ermitteln, kümmernd unterstützt von ihrem Chef, Kriminalrat Reddemann (Arnfried Lerche), dem Kollegen Sebastian Klöckner (Matthi Faust) und Dr. Simkeit (Eva Sixt), die an dem nicht eben glattgebügelten Garber erstaunlicherweise einen Narren gefressen hat. Irgendwann taucht das Faktotum Sputnik (Jaecki Schwarz) auf, der wieder einmal einen großen Plan hat, aus dem selbstverständlich nichts wird. Diesmal hat er angeblich eine Wohnung zum Schnäppchenpreis in Aussicht. Wie das endet, können sich Zuseher, die „Ein starkes Team“ kennen, denken.

          Den Schauspielern kam der Titel zunächst, wie sich Florian Martens erinnert, ein wenig großsprecherisch vor: Lobt man sich damit nicht zu sehr selbst? Angeberei freilich, das zeigte sich schon 1995 in der ersten Folge, ist nicht die Sache dieses Teams. Maja Maranow, die zwanzig Jahre lang als Kommissarin Verena Berthold mitwirkte und dann ausstieg – ein halbes Jahr, bevor sie im Januar 2016 im Alter von nur 54 Jahren überraschend verstarb, und Florian Martens spielten sich lässig, nonchalant und ohne jede Attitüde die Bälle zu. Der Krimi fand einen – Berliner – Ton, der gleich stimmte. Großen Anteil daran hat der Drehbuchautor Jürgen Pomorin, der unter dem Pseudonym Leo P. Ard längst zum Großmeister des deutschen Fernsehkrimis geworden ist. Er hat „Ein starkes Team“ geformt, 34 der achtzig Drehbücher stammen von ihm, sie waren thematisch immer auf der Höhe der Zeit, die Figuren erzählen sich wie von selbst – ohne, dass man ihrer überdrüssig würde.

          Großen Anteil daran hat neben den Traditionsträgern in Stab und Besetzung Stefanie Stappenbeck. Als sie für Maja Maranows Nachfolge zusagte, wusste niemand vom wahren Grund für deren Ausstieg. Sie wolle sich anderen Projekten widmen, hatte Maja Maranow gesagt und sich leise verabschiedet. Als Kommissarin Berthold sahen die Zuschauer sie in ihrer letzten Rolle.

          Nun sehen wir Stefanie Stappenbeck, die sich als Linett Wachow in „Ein starkes Team“ eingefügt hat, als sei sie schon immer dabei gewesen. Ihre Figur ist die Forsche im Bunde, was für die dramaturgische Entwicklung des Falls, den Regisseur Roland Suso Richter klassisch in Szene setzt, von nicht unerheblicher Bedeutung ist. Ihr Freund aus Kindertagen Stefan Kopp (Fabian Busch) hat sie, als sie fünf Jahre alt war, vor dem Ertrinken gerettet. Jetzt soll ausgerechnet er einen Mann ins Wasser gestoßen haben? Die Immobilienfirma, bei der er gerade rausgeflogen war, sei eine Geldwaschanlage für die italienische Mafia, sagt der untergetauchte Kopp. Linett Wachow glaubt ihm, die anderen glauben ihm nicht, ermitteln aber in alle Richtungen. Die Zuschauer indes wissen, dass an Kopps Geschichte etwas dran ist. Allerdings könnte auch Linett Wachow falsch liegen.

          Der Kameramann Andrés Marder filmt den Fall in einer Weise, die von der ersten Aufnahme an unterschwellig die Bedeutung des Raumes verdeutlicht – des geschützten Raumes, drinnen und draußen, der eigenen vier Wände, des Dachs überm Kopf. All das hat der geflüchtete Stefan Kopp nämlich nicht mehr. Zwei Männer haben seine Wohnung durchwühlt. Sie erledigen für die Immobilienfirma von Bettina (Julia Richter) und Lucas Diensberg (Gabriel Raab), die Drecksarbeit – wovon die Firmenchefin nichts weiß, ihr Mann aber schon. Kopp findet Unterschlupf bei einer alten Dame, die als Letzte in einem abrissreifen Haus lebt, das – wir ahnen es – der Firma Diensberg gehört. In diesem Berlin herrscht nicht nur Wohnungsnot, es gibt keinen sicheren Ort, nirgends.

          Sicher ist, dass sich die Mitglieder des „starken Teams“ aufeinander verlassen können. Die Zuschauer dürfen sicher sein, dass das auch nach 42.670 Sendeminuten, die ZDF und ZDFneo mit diesem Krimi in 484 Ausstrahlungen inzwischen gefüllt haben, noch einige Zeit so bleibt. Vier Folgen pro Jahr gibt es weiterhin. Die Folgen 82 und 83 sind in Produktion. „Ein starkes Team“ steuert das nächste Jubiläum an, in aller Altersfrische.

          Ein starkes Team: Abgetaucht läuft am Samstag um 20.15 Uhr im ZDF.

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