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Welche Serien wollen wir? : Best of Streaming 2019

  • Aktualisiert am

Darauf einen Champus: In „Good Omens“ zeigen Michael Sheen als Engel (links) und David Tennant als Dämon, wie man die Welt zusammenhält. Bild: Amazon Prime

In diesem Jahr ist die Produktion von Serien durch die Decke gegangen. Vornweg sind dabei längst nicht mehr die klassischen Sender. Welche Produktionen sind besonders bemerkenswert? Eine subjektive Auswahl.

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          Selbstheilung: „This is US“

          Auch Kitsch muss man können, und Dan Fogelmann, der Kopf hinter der mutwillig zu Tränen rührenden Familiensaga „This Is Us“, zeigt sich mit der vierten Staffel auf der Höhe seiner Kunst.

          Für alle, die nicht wissen, um was es geht, die Kürzestzusammenfassung: 1980 erwartet das in der weißen amerikanischen Mittelklasse angesiedelte Liebes-Topklasse-Traumpaar Jack (Milo Ventimiglia) und Rebekka (Mandy Moore) Drillinge und nimmt, als ein Kind bei der Geburt stirbt, ein ausgesetztes dunkelhäutiges Neugeborenes auf.

          Dem Leben der Kleinen, fortan bekannt als „The Big Three“ (Sterling K. Brown, Chrissy Metz, Justin Hartley), folgen wir in der Gegenwart. Damit jeder Amerikaner sich abgeholt fühlt („Us“ wird großgeschrieben wie „US“), schlagen sie sich mit einer absurden Bandbreite von Problemen herum: Übergewicht, Burnout, Schauspielkarriere, Alkoholismus, Folgen des Vietnam-Kriegs, einem abgebrannten Haus, einem toten Vater, einem an Krebs erkrankten ehemals drogensüchtigen schwulen anderen Vater, einer Frühgeburt und vielem mehr.

          Blicke in Vergangenheit sowie Zukunft schaffen Deutungen über Generationen hinweg. Warum ist das gut? Weil die Schauspieler besser sind als sonst in Seifenopern, weil das individuelle und kollektive Fortwirken des Gestern im Morgen eingängig und raffiniert vorgeführt wird, und weil diese Ehrenrettung der Familie als biographisches Bewährungsfeld zeigt, wie Amerika sich selbst zu heilen versucht, als Gemeinschaft gutwilliger Bluts- und Wahlverwandter. Deshalb ist dieses moderne Märchen auch eine Expedition in ein vertrautes, fremdes Land – jetzt mit neuen Figuren und Handlungsebenen. Ursula Scheer

          Familienhölle: „Succession“

          Die Hölle auf Erden kann schon zu Lebzeiten mit einer unschuldig klingenden, doch alle Sünden enthaltenden Frage beginnen: Was bleibt von mir? Dabei gilt: Je größer das Ego, desto lodernder die Flamme.

          In der HBO-Serie „Succession“, geschrieben vom großartigen Jesse Armstrong, entwickelt sich um diese Frage – nebst ihrer Ableitung: Was bleibt mir? – eine Tragödie von solcher Intensität, dass einen der heiße Atem dieser Familienhölle vom Bildschirm her anweht. Die zwei bisher erschienenen Staffeln ziehen den Zuschauer in die stets schwarz lackierte und übermotorisierte Luxus-Welt des New Yorker Medienmoguls Logan Roy, der es nicht schafft, einem seiner liebenswert missratenen Kinder sein Imperium „Waystar Royco“ zu überlassen.

          Er traut niemandem, auch nicht sich selbst. Brian Cox spielt diesen gerissenen Patriarchen zum Fürchten gut, als Tyrann in Strickjacke und so kalt, dass man vermuten muss, er verspeise Eisköniginnen zum Frühstück. Die Virtuosität, mit der er den verzweifelten Kampf seiner Kinder Kendall (Jeremy Strong), Roman (Kieran Culkin) und Siobhan (Sarah Snook) um Anerkennung und Macht orchestriert, ist kaum je so klug und elegant inszeniert worden wie hier. Die absurde Komik der Serie ist nur der liebevoll aufgetragene Zuckerguss auf einem rostzerfressenen Fass familiärem Atommülls. Wenn man lacht, was oft der Fall ist, dann meist aus voyeuristisch-wollüstiger Verzweiflung. „Succession“ ist eine Königin unter den Serien. Vor ihr sind alle gleich. Axel Weidemann

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