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Serie „True Detective“ : Zwei Männer am Abgrund

  • -Aktualisiert am

Ein schwieriges Paar: Woody Harrelson (links) und Matthew McConaughey Bild: AP

Endlich wieder eine bahnbrechende Serie: In „True Detective“ geht es um einen irren Kriminalfall und zwei unglaubliche Ermittler.

          Es sieht alles nach einer klassischen Serie aus: Eine kultisch arrangierte Frauenleiche, zwei ungleiche Polizisten, die den Täter finden sollen, und ein Titel, der verlockend nach den verregneten Gassen und tief in die Stirn gezogenen Hüten eines Schundromans klingt. Aber „True Detective“ ist alles andere als eine Krimiserie, wie sie die großen Sender jedes Jahr halbdutzendfach vom Stapel lassen. Das achtteilige Stück aus der Feder des Schriftstellers Nick Pizzolatto - eher eine Miniserie denn ein Serienkrimi - ist wie „American Horror Story“ als Anthologie abgeschlossener Staffeln mit jeweils neuen Geschichten, Figuren und Darstellern angelegt. Die Geschichte der ersten Staffel operiert in Interviews und Rückblenden auf drei verschiedenen Zeitebenen in den siebzehn Jahren nach dem Verbrechen, und sie bezieht ihre Spannung daraus, dass die Erinnerungen der beiden Detectives an den vorliegenden Fall weder miteinander noch mit der Realität in Einklang zu bringen sind.

          Und dann sind da noch die Hauptdarsteller: Woody Harrelson und Matthew McConaughey, großartig und überraschend gegen den Strich besetzt: Harrelson spielt Martin Hart, einen umgänglichen Familienvater, den mit seinem Partner Rust Cohle (McConaughey) eine spannungsgeladene, unbequeme Beziehung verbindet. Dieser Cohle ist ein schmallippiger Misanthrop, dessen düster-geniale Gedanken über die Aussichtslosigkeit der menschlichen Existenz Hart den letzten Nerv rauben. Das ist alles andere als die Buddykomödie, die viele von der dritten Zusammenarbeit der beiden Schauspieler erwarteten. „Ich habe selbst gestaunt: Nichts hieran ist komisch“, sagte Woody Harrelson kürzlich bei einem Pressegespräch in Los Angeles. In den bisweilen absurden Konfrontationen der beiden Cops schwingt ein lakonischer Ernst mit, der an skandinavische Serien erinnert.

          Eigentlich sollte Harrelson, seit seiner Rolle als Pornoproduzent Larry Flynt für durchgeknallte Weltverbesserer zuständig, den düsteren Cohle spielen. Aber McConaughey verliebte sich, wie er sagte, „in die Worte, die aus Rust Cohles Mund fielen“ - pessimistische Unkenrufe, die von Cohles Alltag mit grausigen Verbrechen zeugen, mit denen er aber auch versucht, sich das Grauen vom Hals zu halten. McConaughey hat sich in seiner Karriere viel zu lange mit romantischen Komödien aufgehalten, hier verleiht er seiner Figur eine abgründige Wucht, wie sie ihm zu Beginn seines erstaunlichen Wandels zum Charakterdarsteller in den vergangenen zwei Jahren kaum einer zutraute. Als der Autor Pizzolatto mit seinem Werk bei den amerikanischen Sendern vorstellig wurde, blickte er mit seiner Besetzung in eine ganze Reihe erstaunter Gesichter. Glücklicherweise hielt Pizzolatto an seiner Auswahl fest.

          Er beschreibt sein Stück als „literarische Fiktion“ und ist damit weit entfernt von den Bemühungen, den Krimi aufzumöbeln, wie sie zuletzt die Serien „Hannibal“, „The Following“ oder „The Killing“ unternahmen. Gleichwohl hat Pizzolatto mit Drehbüchern zu einigen Episoden von „The Killing“ seine Fernseh-Feuertaufe bestanden. Ein paar Wochen zuvor hatte er noch Vorlesungen über William Faulkner an der DePauw University in Indiana gehalten. „True Detective“ lebt in weiten Teilen von den Erinnerungsmonologen der beiden Hauptdarsteller, der Fall selbst bleibt die Kulisse für ein faszinierendes Psychogramm zweier komplizierter Männer. Bei dem Abosender HBO (in Deutschland bei Sky) gibt es endlich wieder bahnbrechendes Fernsehen.

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