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Serie „The Code“ auf Arte : Hacker sind Helden

  • -Aktualisiert am

Autist und Computergott: Jesse (Ashley Zukerman). Bild: © Playmaker Production/Simon Car

Australien hat sich bisher auf dem Serienmarkt nicht sonderlich hervorgetan. Mit „The Code“ sollte sich das ändern. Doch die Serie lässt sich leicht entschlüsseln.

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          Im ungewöhnlich lustigen „Tatort: Der Irre Iwan“ dachte kürzlich jemand, Outlook sei ein Teil Australiens. Aber umgekehrt wird ein Känguru draus: Das australische Outback, diese rote Sandwüste mit kümmerlichem Gestrüpp, ist die perfekte Visualisierung des unendlichen Digitalkosmos, in dem sich so schön ziellos umherirren lässt. Manchmal geschehen schreckliche Dinge: Man klickt auf den falschen Link, und schon ist es, als krache man in eine als „Top Secret“ klassifizierte Fahrzeugkolonne und werde dann von einem zwielichtigen Geheimniskrämer hingemeuchelt.

          Beides passiert in „The Code“ und hängt tatsächlich zusammen: das Einhacken in ein höchst gefährliches regierungsnahes Unternehmen sowie das nächtliche Auffahren auf einen seltsamen Truck durch zwei Jugendliche. Letztere sind ein Romeo-und-Julia-Pärchen mit verfeindeten Eltern, was es umso tragischer macht, dass der Unglücksfahrer Clarence (Aaron McGrath) bald erfahren muss, dass seine nach dem Unfall lediglich verletzte Freundin - ein Handyvideo beweist es - brutal ermordet wurde.

          Außenminister Ian Bradley (David Wenham) liegt viel daran, die Aufmerksamkeit von dem Unfall im Outback abzulenken.

          Wunderschön leuchtet der Himmel

          Das Video wiederum gerät in die Hände von Clarences’ gutherziger Lehrerin Alex (Lucy Lawless), die es einer der beiden Hauptfiguren dieser Miniserie ausliefert: dem Online-Journalisten Ned Banks (Dan Spielman), der als Mischung aus Sensationsreporter und Whistleblower nichts Besseres zu tun hat, als das Video ins Netz zu stellen. Weil Neds Bruder Jesse (Ashley Zukerman), in Doppelfunktion Autist und Hacker, weiterrecherchiert, geraten alle Beteiligten bald arg unter Druck, denn sie sind mitten in eine Verschwörung hineingetappt, die bis ins Umfeld des australischen Premierministers hinaufreicht.

          Im hartumkämpften Serienmarkt hat sich Australien bislang nicht sonderlich hervorgetan. „The Code“ aus der Feder von Shelley Birse und unter der Regie von Shawn Seet sollte nun endlich den High-End-Serien aus Amerika und England etwas entgegensetzen. Und tatsächlich hat man zumindest visuell aufgeschlossen. Wunderschön leuchtet der Himmel über der roten Wüste, Wolken ziehen vorüber. Das bildliche Grundgerüst bildet der Wechsel von spektakulären Weitwinkelaufnahmen, wie man sie aus „Breaking Bad“ und „True Detective“ kennt, und hart gegengeschnittenen Szenen aus der kühl-modernen Hauptstadt Canberra: „The Code“ hat mittels Sondergenehmigung sogar im australischen Parlamentsgebäude filmen dürfen. In den Hackerszenen legt sich nach dem „Sherlock“-Modell eine Computermonitorästhetik über die Kinooptik. Auch inhaltlich gibt es viele Anleihen: ein Quentchen „24“, „Big Bang Theory“, „The IT Crowd“, „Prison Break“, „Burn Notice“, „Sherlock“, „House of Cards“ und „Borgen“ lassen sich entdecken. Das ist noch nicht verwerflich.

          Zwischen Kitsch, Autismus-Ausschlachterei und billigem Actionfilm

          Aber wie oft wird uns noch ein Hochleistungs-Nerd mit Asperger-Syndrom vorgesetzt, der ein Gott der Computertasten ist? Es nervt besonders, wenn diese Rolle derart plump und tränenrührig daherkommt wie hier, kein Klischee auslässt und zwischen viel Pseudo-Hacker-Humbug auch noch unlogisch wird: Per kleinen Fernangriff ist das stundenlang auf einer beliebten Website angebotene Video plötzlich komplett weg? Und die Datei des gut aufgelösten Filmchens soll schlappe 3,6 MB umfassen?

          Auch jenseits der Details ächzt die Handlung sehr, erinnert fast an frühe James-Bond-Plots: Mindestens der Weltfrieden ist in Gefahr, aber dann kommen ihm die irrsten Zufälle zu Hilfe. Die Bösewichte sind so böse wie nur in schlechten Filmen. Dass den beiden Helden, die ihre Rolle so statisch ausfüllen wie alle Figuren, starke, undurchsichtige Frauen an die Seite treten, macht die Sache nicht besser. So eiert die Serie zwischen Kitsch, Autismus-Ausschlachterei und billigem Actionfilm dahin - und beschert doch astreine Bilder. Der Fehler ist, dass dieses zigfach durchexerzierte Großkomplott- und Verschlüsselungsgeschehen, das hier ins Outback verlegt wird, aber wirkt wie aus dem OutletStore, vollkommen ernst gemeint ist. Nur als Persiflage à la „Irrer Iwan“ wäre es ein Volltreffer.

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