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TV-Serie „Outlander“ : Die Liebe in Zeiten der Kiltträger

Da haben sich die Richtigen gefunden: Claire Randall (Catriona Balfe) und Jamie Fraser (Sam Heughan) sind ein Herz und ein Sattel. Bild: Vox

Was für eine Lovestory: Eine Krankenschwester reist aus dem Jahr 1945 ins Schottland des 18. Jahrhunderts. Wen findet sie dort? Einen telegenen Freiheitskämpfer im Kilt: Bei Vox beginnt die Serie „Outlander“.

          Als Mark Twain einst einen Yankee aus Connecticut an König Artus’ Hof schickte, sprengte der schießpulvererfahrene Zeitreisende erst einmal die ganze Mittelalter-Schwärmerei des Industriezeitalters in die Luft. Als Robert Zemeckis rund hundert Jahre später Marty McFly in die Vergangenheit und zurück in die Zukunft transferierte, zerbrach der sich unterwegs den Kopf darüber, was sein Hin-und-her-Gereise wohl mit dem „Raum-Zeit-Kontinuum“ anstelle. Beide Ansinnen liegen Claire Randall, Heldin der Fernsehserie gewordenen Frau-in-den-Highlands-zwischen-gestern-und-vorgestern-Schmachtromane von Diana Gabaldon, denkbar fern.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Zum Auftakt sehen wir die toughe, doch stets adrett nach Art von Rita Hayworth frisierte Zweite-Weltkriegs-Krankenschwester (Caitriona Balfe) noch zwischen schreienden Verwundeten in der Normandie stehen. Es ist der 8. Mai 1945, die Schürze ist blutverschmiert, aber es ist vorbei. Vier Monate später braust Claire glücklich wiedervereint mit ihrem Ehemann Frank (Tobias Menzies) im offenen Wagen durch die Highlands. Swing liegt in der Luft, es sollen die zweiten Flitterwochen des englischen Paars werden. Er hat im Krieg für den MI6 spioniert, nun treibt er Ahnenforschung und doziert Historisches. Sie interessiert sich für Heilpflanzen und hört zu. So könnte es weitergehen. Doch dann betritt Claire - unglücklicherweise oder glücklicherweise - allein einen keltischen Steinkreis und landet - wupp - dortselbst im Jahr 1743.

          Nackt im Zuvor und Danach

          Mit Unbilden wie Audrey Niffeneggers Mann der Frau des Zeitreisenden, der stets nackt im Zuvor oder Danach aufschlug, muss sich Claire nicht plagen. Ihr Kleid bleibt am Leib und geht problemlos als zeitgenössisches Untergewand durch. Nur dass Musketenkugeln an ihr vorbeizischen, sobald sie sich umsieht, trifft sie eher unangenehm. Die magischen Steine haben sie mitten in die Rebellion schottischer Jakobiten geschleudert, genauer gesagt: vor die Füße des wegen seiner Grausamkeit berüchtigten englischen Captains Jonathan Randall (ebenfalls Tobias Menzies) - des Vorfahren, auf dessen Spuren Claires Ehemann in den Highlands unterwegs war. Oder noch unterwegs sein wird?

          Schlagende Verbindung: Der englische Captain Black Jack Randall (Tobias Menzie) gibt dem schottischen Freiheitskämpfer Jamie Fraser (Sam Heughan) sehr Saures. Bilderstrecke

          Die Sache ist weniger verwirrend, als es scheint, denn den Vergewaltigungsversuch des Fieslings unterbindet ein aufrechter schottischer Krieger. Claire kommt mit zum Aufständischentrupp und darf bleiben. Weil Militärkrankenschwestern im Schottland des 18. Jahrhunderts Mangelware sind. Und weil sie, mit Kompetenz, Kommandos und robuster Wortwahl um sich werfend, gleich dem Richtigen die schlachtenwunde Schulter einrenkt: Jamie (Sam Heughan), dem Kämpfer mit den roten Locken, dem goldenen Herzen und dem mit Muskeln bepackten Oberkörper.

          Und dieser Körper oder eher Claires Blick auf ihn ist im Grunde, was „Outlander“ von anderen mit großem Aufwand produzierten Historienschinken wie den „Tudors“ oder dem Fantasy-Spektakel „Game of Thrones“ unterscheidet. Was andernorts alles an Anbahnung nach dem Schema „halb zog er sie, halb sank sie hin“ konstruiert ist, wird hier aus weiblicher Perspektive erzählt. Der Mann ist romantisches Liebesobjekt, nun gut, aber vor allem ist er Schauobjekt. Die beliebteste der Szenen, die Fans der amerikanischen Serie unter Überschriften wie „Jamie & Claire - Hottest Scenes“ auf Youtube zusammenschneiden, zeigt das Paar im Schlafzimmer. Sie sagt zu ihm: Zieh dich aus, ich will dich anschauen. Dann tastet die Kamera über seine Haut.

          Der leitende Produzent Ronald D. Moore ist eigentlich eher im Science-Fiction-Genre zu Hause, mit „Star Trek“ und „Battlestar Galactica“. Aber auch das seien im Grunde doch nur Historienfilme, die in der Zukunft spielten, sagt er. Mit „Outlander“ fährt er, was Kulissen, Komparsen, Kostüm und Ausstattung angeht, das ganz große Besteck auf. Er lässt moderate Brutalität und Kampf, Süßholzgeraspel und Wortgefechte, Sex- und Landschaftsszenen in gemächlichem Rhythmus einander abwechseln und entwickelt eine Dreiecksgeschichte über die Jahrhunderte hinweg, inklusive Bruderzwist, Ränkespiel, Hexereiverdacht und schottischem Nationalpathos - die Heroen sprechen Gälisch, ohne Untertitel. Es gibt sympathische und deftige Charaktere, alles ist ordentlich gespielt, und was die eher dünne Dramaturgie nicht zusammenhält, taucht nebelverhangenes Gegenlicht in Farben wie aus einem entsättigten Technicolor-Traum. Oder überhaucht es mit einer Patina à la „Downton Abbey“. Hirn abschalten, eintauchen - so funktioniert Eskapismus-Fernsehen. Der amerikanische Sender Starz hat schon die zweite Staffel in Auftrag gegeben.

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